Wie gelingt zukunftsfähige Produktentwicklung zwischen Effizienzanforderungen, KI und regulatorischem Druck? Auf dem fünften Konstruktionsleiter-Forum werden konkrete Ansätze für effizientere Entwicklungsprozesse, den Einsatz von KI, durchgängige digitale Prozessketten und neue regulatorische Anforderungen diskutiert.
Das Konstruktionsleiter-Forum zeigt Konstruktions- und Entwicklungsleitern praxisnahe Lösungen für eine effiziente Produktentwicklung – von strukturierten Methoden bis zu geeigneten Tools.
(Bild: VCG)
Der Maschinenbau und die Produktentwicklung befinden sich an einem Wendepunkt. Während der internationale Wettbewerb an Dynamik gewinnt und Entwicklungszyklen immer kürzer werden, müssen Konstruktionsleiter gleichzeitig komplexe regulatorische Anforderungen erfüllen und den Sprung in die vollständige Digitalisierung meistern.
Das Konstruktionsleiter-Forum 2026, das am 29. Oktober in Würzburg stattfindet, adressiert genau dieses Spannungsfeld: Es bietet geballtes Praxiswissen, um Führungskräfte fit für eine Zukunft zu machen, in der Innovationsdruck und Regulatorik gleichzeitig auf sie einprasseln.
Künstliche Intelligenz: Vom Pilotprojekt zum virtuellen Kollegen
Eines der zentralen Themen des Forums ist die Frage, wie künstliche Intelligenz (KI) den Sprung aus dem Labor in den harten Engineering-Alltag schafft. Während viele Unternehmen noch in der Pilotphase stecken, zeigt das Forum konkrete Lösungen, die bereits heute produktiv arbeiten.Ein Highlight ist der Einblick in die Praxis bei Hansgrohe. Dort ist agentische KI kein bloßer Showcase mehr, sondern übernimmt als „virtueller Engineering-Mitarbeiter“ repetitive Aufgaben wie Zeichnungsprüfungen und das Ausfüllen technischer Dokumentationen. Dies entlastet Ingenieure von ungeliebter Routinearbeit und schafft Raum für die eigentliche kreative Entwicklungsleistung.
Auch in der Kostenkalkulation revolutioniert KI die Prozesse. Über 70 Prozent der Herstellkosten werden bereits in der Konstruktion festgelegt, doch oft erfahren Entwickler erst Wochen später, was ein Bauteil wirklich kostet. Der neue Ansatz der „Produktdaten-Intelligenz“ setzt hier an: KI-Systeme wie Luminarity extrahieren vollautomatisch hunderte kostentreibende Parameter direkt aus 3D-Modellen und ERP-Daten. Teilnehmer erfahren, wie autonome Sollkostenberechnungen in Echtzeit möglich sind – ganz ohne die traditionell zeitaufwendige Abstimmung mit Kalkulationsabteilungen.
Effizienz durch Digitalisierung
Dass Digitalisierung mehr ist als nur der Ersatz von Papier, demonstriert der Erfahrungsbericht von Bucher Hydraulics. Das Unternehmen hat seine Prozesskette auf Model Based Definition (MBD) umgestellt. Hierbei dient das 3D-Modell als einzige verbindliche Informationsquelle („Single Source of Truth“), die sämtliche Fertigungsinformationen (PMI) direkt enthält. Das Ergebnis ist beeindruckend: Der Konstruktionsaufwand sank um rund 30 Prozent, während gleichzeitig die Fehlerquote durch den Wegfall manueller Zeichnungsaktualisierungen drastisch reduziert wurde. Doch technologische Lösungen allein garantieren keinen Erfolg. Josefine Meibert vom Fraunhofer IEM betont auf dem Forum, dass viele KI-Investitionen scheitern, wenn sie isoliert eingeführt werden. Sie stellt ein systematisches Capability Assessment vor, mit dem Unternehmen ihren technologischen Reifegrad bestimmen und eine belastbare Transformationsroadmap entwickeln können. Nur wer versteht, an welchen Schnittstellen Effizienz wirklich verloren geht – etwa durch nicht durchgängig aktualisierte Stücklisten –, kann gezielt gegensteuern.
Highlight: Prof. Mattheck Spricht auf der Abendveranstaltung
Prof. Dr. Claus Mattheck, Karlsruher Institut für Technologie (KIT).
(Bild: Matteck)
Ein besonderes Highlight ist in diesem Jahr der Vortrag von Prof. Dr. Claus Mattheck vom KIT auf der Abendveranstaltung. Prof. Mattheck, einer der weltweit führenden Experten für Biomechanik, beweist, dass die Natur die komplexesten statischen Probleme mit verblüffend einfachen Prinzipien löst. Mattheck entmystifiziert die Bionik und macht sie als handfestes Werkzeug für den modernen Maschinenbau und die Produktentwicklung nutzbar: Ein Plädoyer für intelligentes Design, das Materialverschwendung stoppt und die Belastbarkeit maximiert.
Der Digitale Produktpass: Vom Pflichtprogramm zur Kür
Ein weiteres Thema, das 2026 für die Industrie unumgänglich ist, ist der Digitale Produktpass (DPP). Mit der ab Februar 2027 geltenden Pflicht für Industriebatterien und folgenden Produktgruppen wie Elektronik oder Textilien wird der DPP zum Standard.Auf dem Forum wird jedoch aufgezeigt, dass der DPP weit mehr als ein reines Compliance-Instrument ist. Er schafft eine durchgängige Datenbasis über den gesamten Lebenszyklus und ermöglicht es, wertvolle Erkenntnisse aus Wartung und Recycling systematisch in die Konstruktion zurückzuspiegeln. Christian Kürpick vom Fraunhofer IEM demonstriert gemeinsam mit dem Industriepartner Böllhoff, wie aus einem regulatorischen Nachweisinstrument ein intelligentes Informationssystem für das Engineering wird, das eine echte Kreislaufwirtschaft unterstützt.
Checkliste: Ist Ihre Produktentwicklung fit für die Zukunft?
Prüfen Sie anhand dieser Kernfragen (kein Anspruch auf Vollständigkeit), ob Ihre Produktentwicklung für die kommenden Herausforderungen gerüstet ist oder ob wertvolle Potenziale ungenutzt bleiben:
KI-Einsatz: Nutzen wir Künstliche Intelligenz bereits als „virtuellen Mitarbeiter“ für Routineaufgaben (z. B. Zeichnungsprüfungen, Dokumentation), um Ingenieurskapazitäten für echte Innovationen freizumachen?
Model Based Definition (MBD): Ist unser 3D-Modell die einzige verbindliche Datenquelle („Single Source of Truth“) für Fertigung und Qualität, oder verlieren wir Zeit und Geld durch die manuelle Pflege von 2D-Zeichnungen?
Echtzeit-Kalkulation: Wissen unsere Konstrukteure bereits während der Modellierung am CAD, was ein Bauteil kosten wird, oder erfahren wir die realen Preise erst Wochen nach der Fertigung?
Regulatorik & Nachhaltigkeit: Sind unsere Datenstrukturen und Stücklisten bereits auf die Pflicht zum Digitalen Produktpass (DPP) ab 2027 vorbereitet?
Transformations-Roadmap: Verfolgen wir eine ganzheitliche Strategie zur Effizienzsteigerung, oder führen wir neue Technologien nur isoliert als „Insel-Lösungen“ ein?
Sie haben mehr als zweimal mit „Nein“ oder „Unsicher“ geantwortet? Auf dem Konstruktionsleiter-Forum 2026 erhalten Sie die passenden Antworten, Praxisberichte und Fahrpläne, um diese Lücken systematisch zu schließen.
Trotz der hohen Informationsdichte bleibt das Konstruktionsleiter-Forum vor allem eine Netzwerk-Plattform. Der Austausch mit Kollegen aus unterschiedlichen Branchen im Vogel Convention Center bietet die Gelegenheit, informelle Impulse für eigene, interne Problemstellungen zu erhalten. Wer die nächste Generation der Produktentwicklung nicht nur verwalten, sondern aktiv gestalten will, findet auf dem Konstruktionsleiter-Forum 2026 die notwendigen Werkzeuge, Strategien und Kontakte.
Wer die nächste Generation der Produktentwicklung nicht nur verwalten, sondern aktiv gestalten will, findet auf dem Konstruktionsleiter-Forum 2026 die notwendigen Werkzeuge, Strategien und Kontakte.
Das Event für Konstruktions- und Entwicklungsleiter
Herausforderungen in der Produktentwicklung effizient lösen
(Bild: VCG)
Der Schlüssel für den Erfolg eines Unternehmens liegt in Konstruktion und Entwicklung. Hier entstehen innovative Produkte, die die Wettbewerbsfähigkeit sichern. Das Konstruktionsleiter-Forum sensibilisiert für die Herausforderungen der Produktentwicklung des 21. Jahrhunderts, und zeigt praxisorientierte Lösungen auf. Dazu zählen Tools und Methoden, um innovative Ideen strukturiert zu entwickeln und den Produktentstehungsprozess schlank und effizient zu gestalten.
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