Automobilindustrie Schaeffler baut weitere 3.460 Stellen ab

Von Schaeffler 3 min Lesedauer

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Schaeffler baut weiter Stellen ab, insbesondere in Europa. Vier Standorte in Deutschland werden geschlossen. Grund ist die anhaltende Krise im Automobilgeschäft. 

Der Automobilmarkt läuft schleppend für Schaeffler. Nun zieht das Unternehmen Konsequenzen. (Bild:  Schaeffler)
Der Automobilmarkt läuft schleppend für Schaeffler. Nun zieht das Unternehmen Konsequenzen.
(Bild: Schaeffler)

Der Schaeffler-Vorstand hat angesichts der Automobilkrise in Europa weitere Maßnahmen angekündigt: Überkapazitäten, Personalkosten und Komplexität sollen reduziert werden. In Europa will das Unternehmen 3.460 Stellen abbauen, davon etwa 2.660 in Deutschland. Ziel ist es, Wettbewerbsfähigkeit und Kosteneffizienz zu verbessern.  Die Maßnahmen sollen ab 2030 rund 300 Millionen Euro jährlich einsparen. Zunächst fallen allerdings einmalige Kosten in Höhe von 480 Millionen Euro an. 

Das wichtigste Element des Programms – auch im Vergleich zu vorangegangenen Programmen – ist der Solidaritätsbeitrag, der unter anderem einen temporären Gehaltsverzicht über alle Hierarchieebenen hinweg umfassen soll.

sagt Klaus Rosenfeld, Vorstandsvorsitzender, Schaeffler

Es ist nicht das erste Programm dieser Art für die Belegschaft: Schon vor einem Jahr, im November 2024, waren Strukturmaßnahmen bekannt gegeben worden. Im Oktober hatte das Unternehmen dann 1.800 Altersteilzeitverträgen ausgehandelt. Als Grund für den Stellenabbau nennt die Konzernführung das anhaltend herausfordernde Umfeld im Automobilgeschäft: Der Markt schrumpft insgesamt, gleichzeitig intensiviert sich der Wettbewerb, da weniger Verbrenner verkauft werden, während der Hochlauf der E-Mobilität auf sich warten lässt. Hinzu kommen die überdurchschnittlichen Personalkosten pro Kopf in Deutschland und die hohe Komplexität der Organisation mit zu vielen Führungsebenen und zu geringen Führungsspannen.

Standorte in Dortmund, Morbach, Berlin und Schwalbach werden geschlossen  

Rund 50 Prozent der Stellen, die abgebaut werden sollen, befinden sich in der Produktion, 30 Prozent im Bereich Forschung und Entwicklung und 20 Prozent in anderen Funktionsbereichen. Vom Abbau sind 16 Standorte in der Region Europa betroffen.

Fünf Standorte, davon vier in Deutschland, sollen perspektivisch geschlossen werden: Dazu gehören das Werk in Dortmund mit aktuell 430 Beschäftigten sowie der Standort Morbach mit 160 Mitarbeitenden, die beide zur Sparte Powertrain & Chassis gehören und Produkte für Verbrennungsmotoren herstellen. Zudem ist geplant, die Aktivitäten am Standort Berlin mit aktuell etwa 270 Beschäftigten einzustellen und den Standort Schwalbach aufzugeben. Ein Großteil der rund 385 Beschäftigten soll an den Standort in Frankfurt wechseln. Insgesamt sind rund 190 Stellen vom Abbau betroffen.

Ferner ist vorgesehen, die Aktivitäten im Werkzeugbau am Standort Höchstadt einzustellen. Im Sondermaschinenbau an den Standorten Erlangen und Schweinfurt nimmt das Unternehmen Anpassungen vor. Kapazitäts- und Strukturanpassungen kündigt das Unternehmen auch für die weiteren Standorte in Deutschland an, darunter Herzogenaurach, Bühl, Höchstadt, Nürnberg und Regensburg. 

Stellenabbau und Schließung außerhalb von Deutschland

Der Konzern plant, die Produktions- und Entwicklungskapazitäten an den französischen Standorten Haguenau und Toulouse sowie an den Standorten Skalica und Kysuce in der Slowakei anzupassen. Der Produktionsstandort Herstal in Belgien mit etwa 15 Mitarbeitenden wird geschlossen. Detaillierte Informationen zu den Planungen an den jeweiligen Standorten werden im Rahmen lokaler Mitarbeiterversammlungen vorgestellt.

18 Prozent weniger Belegschaft in Deutschland bis 2028

Der geplante Abbau von 2.660 Stellen in Deutschland bedeutet: Bezogen auf die Stammbelegschaft werden rund neun Prozent der vorhandenen Stellen bis 2028 abgebaut. Aktuell (Stand: 30. September 2026) gehören zu dieser Gruppe 31.957 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Bezieht man den Stellenabbau mit ein, der aus Altprogrammen und den bereits unterzeichneten 1.800 Altersteilzeitverträgen resultiert, erhöht sich der oben genannte Prozentsatz auf rund 18 Prozent. 

Um noch größeren Stellenabbau zu verhindern, beabsichtigt die Unternehmensführung, mit der Belegschaft einen temporären, freiwilligen Gehaltsverzicht auszuhandeln, der alle Hierarchieebenen betreffen soll. Dieser Solidaritätsbeitrag muss noch mit den relevanten Gremien abgestimmt werden.

Bekenntnis zum Standort Deutschland

Der Standort Deutschland steht als solcher nicht zur Debatte. Klaus Rosenfeld, Vorsitzender des Vorstands, erklärte: „Mit dem heute bekannt gegebenen Ergebnisverbesserungsprogramm wollen wir zeigen, dass es trotz der schwierigen Rahmenbedingungen möglich und sinnvoll ist, in Deutschland und Europa langfristig wettbewerbsfähig und kosteneffizient zu entwickeln und zu produzieren.“ Voraussetzung sei eine Konsolidierung der Standorte und niedrigere Personalkosten pro Person. Rosenfeld betont: „Das wichtigste Element des Programms – auch im Vergleich zu vorangegangenen Programmen – ist der Solidaritätsbeitrag, der unter anderem einen temporären Gehaltsverzicht über alle Hierarchieebenen hinweg umfassen soll.“

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Wachstum bei Robotik und Rüstung soll Abbau teilweise kompensieren

Die Maßnahmen beziehen sich im Wesentlichen auf das Erstausrüstungsgeschäft im Automobilsektor, das bei Schaeffler über mehrere Sparten verteilt ist. Das Unternehmen plant, zumindest einen Teil der Verluste durch Stellenaufbau in Wachstumsfeldern zu kompensieren. Jochen Schröder, Vorstand Produktion, Supply Chain Management und Einkauf, hebt dabei die Humanoide Robotik und Verteidigung hervor und erklärt: „Hierbei können wir auf technologisches Knowhow zurückgreifen, das wir im Kerngeschäft entwickelt haben.“ (dm)