Hebezeug Von der Holzschaftwinde zum Drucklufthebezeug

Redakteur: Juliana Pfeiffer

Das Jahr 2020 ist für die J.D. Neuhaus GmbH Co. KG in Witten-Heven ein besonderes Jahr. Aber nicht aufgrund der wirren Zeiten, ausgelöst durch die Corona-Pandemie. Der familiengeführte Hebezeughersteller in mittlerweile siebter Generation feiert sein 275-jähriges Bestehen.

Firmen zum Thema

Mit der Holzschaftwinde hat im Jahre 1745 alles begonnen. Mit ihr konnten Fuhrleute ihre schweren Pferdekutschen anheben, um gebrochene Achsen oder Speichen zu wechseln.
Mit der Holzschaftwinde hat im Jahre 1745 alles begonnen. Mit ihr konnten Fuhrleute ihre schweren Pferdekutschen anheben, um gebrochene Achsen oder Speichen zu wechseln.
(Bild: J.D. Neuhaus)

Mit der Entwicklung und Herstellung einer Holzschaftwinde im Jahre 1745 fing die Unternehmensgeschichte von J.D. Neuhaus an. Johann Diederich Conrad Neuhaus lieferte mit dieser Entwicklung seinerzeit ein Geniestreich.

Die Idee dazu kam dem Schmiedemeister bei einer Beobachtung: Fuhrleute mussten ihre schweren Pferdekutschen mit Muskelkraft anheben, um gebrochene Achsen oder Speichen zu wechseln. Abhilfe brachte die Holzschaftwinde, die das Anheben der Fuhrwerke enorm erleichterte.

Daraufhin ließ sich Johann Diederich Conrad Neuhaus als „Fabrikant“ in die „Meister Rolle der Sprockhövelschen Fabricke“ eintragen. Der Grundstein des heutigen Unternehmens J.D. Neuhaus war gelegt.

Holzschaftwinde heben Eisenbahnwaggons auf Schienen

Im Laufe der Zeit fanden sich für die technisch immer weiter entwickelten und verbesserte Winden neue Anwendungsgebiete, beispielsweise Eisenbahnwaggons, die auf Schienen zu heben waren. Die Winden machten Arbeitsabläufe in vielen Anwendungsbereichen zunehmend effizienter, so zum Beispiel in Kohlegruben.

Bereits in den 1880er-Jahren waren die Winden aus der Fertigung von J.D. Neuhaus in der Lage, Lasten bis zu 7.500 kg zu bewegen.

In den herausfordernden Jahren zwischen den beiden Weltkriegen etablierte sich der Betrieb dann als feste Größe im Bereich der Hebetechnik. Einen beachtlichen Anteil daran hatte Emma Neuhaus, die nach dem Tod von Louis Neuhaus im Jahre 1905 die alleinige Verantwortung für Familie, Haus und Betrieb übernahm.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 6 Bildern

Kompaktere Bauweise durch neue Materialien

1922 legte sie im Einverständnis mit ihrem zweiten Mann und ihren noch lebenden Kindern die Geschicke der Firma in die Hände ihres jüngsten Sohnes, Max Neuhaus. Bessere Werkstoffeigenschaften der verfügbaren Materialien ermöglichten eine kompaktere Bauweise der Winden und führten zu höheren Leistungen und einer langen Lebensdauer.

Hebezeuge im heimischen Bergbau gefragt

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden zum Wiederaufbau der deutschen Industrie große Mengen an Stahl und Kohle benötigt. Infolge dessen stieg der Bedarf an Hebezeugen für unterschiedlichste Einsatzgebiete, vor allem im heimischen Bergbau. Der damalige Geschäftsführer, Max Neuhaus, erkannte früh die damit verbundenen Chancen. Die Auftragsbücher füllten sich zusehends. Um die Produkte gemäß den eigenen Qualitätsansprüchen herstellen zu können und in kundengerechter Zeit auszuliefern, investierte der Firmeninhaber 1951 in eine zweite Werkshalle, mit modernen Maschinen und optimierten Fertigungsprozessen.

Druckluft-Hebezeug erleichtert Arbeit unter Tage

Den nächsten Meilenstein legte die 6. Generation mit J. Diederich Neuhaus bereits im Jahr 1952. Damals kam Max Neuhaus‘ Sohn auf die Idee, manuelle Hebezeuge durch einen mit Druckluft betriebenen Lamellenmotor zu ersetzen. Mit dieser technischen Innovation waren die Bergleute in der Lage, ihre Arbeit unter Tage mit weniger körperlicher Anstrengung, sicherer und effizienter zu erledigen.

Schon damals war J. Diederich Neuhaus überzeugt, dass sich das Druckluft-Hebezeug in vielen verschiedenen Anwendungsbereichen, in denen Explosionsgefahr bestand, durchsetzen würde. Noch heute kommen Druckluft-Hebezeuge aus Witten-Heven in Ex-Schutzbereichen vieler Branchen und unter rauen Bedingungen zum Einsatz. Ihren festen Platz haben sie beispielsweise in der On- und Offshore-Industrie.

Im umfangreichen Produktportfolio befinden sich heute explosionsgeschützte Laufkrane, Hängekrane sowie Schwenk- und Drehkrane.

Neue Märkte und Anwenderbranchen gewonnen

1995 übernahm Wilfried Neuhaus-Galladé in siebter Generation die Leitung des Hebezeugherstellers. Dabei war der Start zunächst steinig. Der Bergbau, einer der wichtigsten Absatzmärkte jener Zeit, hatte in Deutschland längst nicht mehr den Stellenwert wie in den zurückliegenden Jahrzehnten. Viele Zechen wurden geschlossen, eine komplette Industrie stand quasi vor dem Aus. Mit den entsprechenden Auswirkungen auf das Geschäft von J.D. Neuhaus.

Eine große Herausforderung für den neuen Geschäftsführer – und zugleich eine Chance. Mit ausgeprägtem Managementwissen und einem engagierten Team gelang es, neue Märkte zu gewinnen und neue Anwenderbranchen im In- und Ausland zu erschließen. Der Aufbau einer weltweiten Vertriebsorganisation mit Tochtergesellschaften in den USA, Frankreich, Großbritannien und Singapur steigerte den Exportanteil im Laufe der Jahre auf heute mehr als 80 Prozent. In den Kundenbüchern stehen Unternehmen aus 70 Branchen in 90 Ländern der Erde.

In all unserem Denken und Handeln stehen wir in der Verpflichtung gegenüber unserer 275-jährigen Tradition der Innovation.

Wilfried Neuhaus-Galladé, geschäftsführender Gesellschafter der J.D. Neuhaus GmbH Co. KG

Bis zu 8.000 Hebezeuge verlassen die Werkshallen in Witten-Heven jedes Jahr. Einen bedeutenden Anteil an diesem Erfolg hatten innovative Produktentwicklungen. Dazu gehörten u.a. die exgeschützten Drucklufthebezeuge der Profi-Baureihe, die das Tragfähigkeitssegment von 250 kg bis 100 Tonnen für Einsätze unter härtesten industriellen Bedingungen abdecken.

Aber es sind nicht allein die globale Ausrichtung und die Entwicklung und Fertigung innovativer Hebezeug-Baureihen, die den Erfolgskurs des Unternehmens unter der Führung von Wilfried Neuhaus-Galladé bis heute bestimmen.

In den ersten Jahren unter seiner Führung wurde damit begonnen, die Fertigung zu modernisieren. Es wurden innovative Drucklufthebezeuge entwickelt, die maßgeblich dazu beitrugen, dass J.D. Neuhaus in den vergangenen drei Jahrzehnten die Weltmarktführerschaft im Bereich der pneumatischen und hydraulischen Hebezeuge erreichte.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 6 Bildern

Druckluft-Hebezeuge mit integriertem NFC-Tag

Für den Hersteller gibt es keinen Stillstand, das beweist die Entwicklung der neuen Serie „mini“. Die kompakten Druckluft-Hebezeuge haben einen integrierten NFC-Tag und einer Service-App. Mit der Entwicklung der Serie konnte das Unternehmen vor allem in den Bereichen Automotive, Food, Pharma und der chemischen Industrie zusätzliche Marktanteile gewinnen.

So verfolgt J.D. Neuhaus auch im 275. Jahr nach Gründung einen klar gesteckten Kurs aus Tradition, Innovation und Zukunftsorientierung, oder, mit den Worten von Wilfried Neuhaus-Galladé: „In all unserem Denken und Handeln stehen wir in der Verpflichtung gegenüber unserer 275-jährigen Tradition der Innovation.“

(ID:46861959)