Nachhaltigkeitsbewertung Maschinenbau kämpft mit Datenlücken 

Quelle: Hochschule München 2 min Lesedauer

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Neue Gesetze und Kundenwünsche verlangen von Unternehmen, den ökologischen Fußabdruck ihrer Produkte exakt auszuweisen. Eine Studie der Hochschule München (HM) und der Leuphana Universität Lüneburg zeigt jedoch: Die Umsetzung ist für viele Maschinenbauer eine enorme Herausforderung.

Excel-Tabelle oder KI-Software? Die Suche nach dem passenden Werkzeug zur Nachhaltigkeitsbewertung wirft in der Praxis oft noch Fragen auf.(Bild:   /  Pixabay)
Excel-Tabelle oder KI-Software? Die Suche nach dem passenden Werkzeug zur Nachhaltigkeitsbewertung wirft in der Praxis oft noch Fragen auf.
(Bild: / Pixabay)

Nachhaltigkeit wird in der Industrie meist durch externe Faktoren vorangetrieben: Regulatorik und Kundenanforderungen. Um diese zu erfüllen, greifen die meisten Firmen mangels Alternativen auf einfache Excel-Lösungen zurück. Das ist das zentrale Ergebnis einer gemeinsamen Studie von Prof. Dr.-Ing. Markus Klein (Hochschule München) und Prof. Dr.-Ing. Arthur Seibel (Leuphana Universität Lüneburg). Befragt wurden 18 Unternehmen unterschiedlicher Größe, mehrheitlich aus dem Maschinenbau, der Automobilbranche sowie der Luft- und Raumfahrtindustrie. 

Zwei Befragungsrunden decken Schwachstellen auf

Für die Studie befragten Klein und Seibel Nachhaltigkeitsbeauftragte der vorwiegend in den Regionen München und Lüneburg ansässigen Unternehmen. Zunächst evaluierte ein Online-Fragebogen, wie stark Nachhaltigkeitsaspekte bereits in Produktentwicklung und Produktion verankert sind und welche Werkzeuge genutzt werden. Anschließend vertieften persönliche Interviews die Ergebnisse, um den konkreten Entwicklungsbedarf zu ermitteln.

Excel-Tabellen bleiben das wichtigste Werkzeug

Fast alle befragten Firmen berücksichtigen Nachhaltigkeitsvorgaben. Während große Konzerne das Thema oft schon fest in ihren Prozessen verankert haben, reagieren kleine und mittlere Unternehmen (KMU) meist erst auf konkreten Druck von außen:89 Prozent nennen Anforderungen zur Material-Compliance (z. B. REACH-Verordnung) als wichtigsten Treiber.78 Prozent handeln primär wegen konkreter Kundenwünsche.72 Prozent sehen die EU-Taxonomie als maßgeblichen Grund. (Lediglich inhabergeführte Unternehmen agieren häufiger aus eigenem Antrieb).

Viele Unternehmen stoßen mit ihren bisherigen Methoden und Tools an Grenzen, weil der Aufwand hoch und die Verfügbarkeit relevanter Daten gering ist.

Prof. Dr.-Ing. Markus Klein

Nachhaltigkeit spielt vor allem bei der Materialauswahl und in der Konstruktion eine Rolle, seltener bei der Industrialisierung und Serienproduktion. Zur Bewertung des ökologischen Fußabdrucks setzen 83 Prozent der Unternehmen auf selbst gebaute Excel-Tabellen – deutlich mehr als auf spezialisierte Software oder ERP-Systeme. Die Befragten schätzen die Verständlichkeit und Praxistauglichkeit dieser Werkzeuge selbst als eher gering ein. Den nötigen Aufwand – insbesondere für das Datenmanagement – bewerten sie hingegen als hoch. Besonders groß sind die Datenlücken beim sogenannten End-of-Life, also der Nutzungsphase und dem Lebensende von Produkten. Hier fehlen oft belastbare Zahlen, weshalb auf Schätzungen zurückgegriffen werden muss.

Kreislauffähige Produkte als größte Baustelle

Die Studienautoren empfehlen für die Praxis einfachere, idealerweise KI-gestützte Werkzeuge zur Nachhaltigkeitsbewertung, die sich schon in frühen Entwicklungsphasen einsetzen lassen. Zudem bedarf es einer besseren Vernetzung der Daten aus Lieferkette, Konstruktion und Produktion. Als wichtigsten weiteren Forschungsschritt identifiziert die Studie die Weiterentwicklung von Ansätzen für zirkuläres Design (Circular Economy). Produkte müssen von Anfang an auf Wiederverwendung und Recycling ausgelegt werden – aus Sicht der Befragten ist dies der Bereich mit dem aktuell größten Entwicklungsbedarf.

Hintergrund zur Studie
Die Studie „Nachhaltige Transformation im deutschen Maschinenbau“ entstand in Kooperation der Hochschule München und der Leuphana Universität Lüneburg. Federführend waren Prof. Dr.-Ing. Markus Klein, Leiter des Bachelorstudiengangs Sustainable Engineering (Fakultät für Maschinenbau, Fahrzeugtechnik, Flugzeugtechnik der HM), und Prof. Dr.-Ing. Arthur Seibel vom Institut für Produktionstechnik und -systeme der Leuphana Universität Lüneburg.

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