Energieführung

Kette und Kabel aus einer Hand

| Autor / Redakteur: Peter Sebastian Pütz / Sandra Häuslein

Seit der Inbetriebnahme im September 2015 bewährt sich das System im Hafen von Pupuk Kaltim auf der Insel Borneo.
Seit der Inbetriebnahme im September 2015 bewährt sich das System im Hafen von Pupuk Kaltim auf der Insel Borneo. (Bilder: Tsubaki Kabelschlepp)

Ein robustes Energieführungssystem inklusive Leitungspaket mit einem besonders langen Verfahrweg für eine neue Krananlage im firmeneigenen Hafen: So lautete die Ausschreibung des indonesischen Düngemittelherstellers Pupuk Kaltim. Tsubaki Kabelschlepp konnte das Projekt für sich gewinnen und in einem internationalen Team erfolgreich umsetzen. Zum Einsatz kommt ein RSC-System auf Basis der Energieführungskette MC1300, das mit Traxline-Schleppkettenleitungen bestückt ist.

Im Jahr 2013 veröffentlichte der Düngemittelhersteller Pupuk Kaltim, eine Tochtergesellschaft der PT Pupuk Indonesia Holding Company, eine Ausschreibung für einen neuen Kran im firmeneigenen Hafen, der auf der Längsverfahrung über 260 m mit einer Energieführungskette inklusive Spezialkabeln ausgestattet werden sollte. Die Anlage dient zur Beladung von Schiffen. Pupuk Kaltim entschied sich für eine Zusammenarbeit mit Tsubaki Kabelschlepp.

Wenig Gewicht und hohes Leistungsvermögen

„Für den Kunden war unter anderem ausschlaggebend, dass wir Energieführungskette und Kabel aus einer Hand liefern können“, erläutert Dipl.-Ing. Winfried Sambale, Produktspezialist Leitungen bei der Tsubaki Kabelschlepp GmbH. „Das können nur wenige Anbieter leisten, zumal hier spezielle Mittelspannungsleitungen zum Einsatz kommen sollten.“ Es handelt sich um hochbiegeflexible 10.000-V-Schleppkettenleitungen, die speziell für lange Verfahrwege konzipiert sind. Gewicht und Leistung der Kabel sind optimiert: Im Vergleich zu 1000-V-Leitungen ist das stromführende Kabel bei gleichem Gewicht nur wenige Millimeter dicker, kann jedoch bis zum 10-fachen der elektrischen Leistung übertragen.

Je leichter die Elektroleitungen sind, desto weniger Antriebsleistung wird benötigt. Die hierbei verwendeten speziellen Einzeladern machen es zudem möglich, den Kettenradius zu reduzieren und so die Bauhöhe des gesamten Energieführungssystems niedrig zu halten. Diese Spezialkabel haben wesentlichen Anteil an der Performance des gesamten Systems: Die Haupt-Komponenten Kette und Kabel sind detailliert aufeinander abgestimmt, der Kunde bekommt von Kabelschlepp sozusagen eine einbaufertige „Blackbox“ geliefert. Der Kunde hat für Kabel und Leitungen nur einen Ansprechpartner, der bei Wartungsaufgaben schnell reagieren kann und somit eine größtmögliche Betriebssicherheit über lange Zeit gewährleistet.

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Rollende Kettenanwendung

Die passende Energieführungskette zum Hochleistungs-Kabelpaket war bei Tsubaki Kabelschlepp schnell gefunden: „Aufgrund der geforderten Verfahrwegslänge in Kombination mit dem dazugehörigen Leitungspaket fiel bei uns sofort eine Entscheidung für eine rollende Kettenanwendung“, erklärt Thorsten Serapinas, Manager Project Engineering bei Kabelschlepp. „Unser RSC-System sowie die Kette-Traxline-Dauertests auf dem firmeneigenen Outdoor-Prüfstand konnten auch Pupuk Kaltim überzeugen.“ Es folgte eine detaillierte technische Abstimmung sowohl mit dem Kunden in Indonesien als auch dem Krananlagenbauer in Schweden, um die Position des gesamten Energiekettensystems und die Mitnehmergestaltung und -anbindung festzulegen.

Roller Supported Chains sind eine optimale Lösung für höhere Zusatzlasten bei langen Verfahrwegen. Im Gegensatz zu bereits auf dem Markt existierenden kombiniert gleitenden/rollenden Systemen berührt das Obertrum des RSC-Systems zu keinem Zeitpunkt das Untertrum. Dabei läuft das Ober- trum der Energieführungskette mit kugelgelagerten, wartungsfreien Rollen auf einem Führungsprofil. Weil dadurch nur geringe Zug-/Schubkräfte benötigt werden, verringert sich der Verschleiß innerhalb der Bolzen-/Bohrungsverbindungen der Energieführungskette auf ein Minimum. Eine unerwünschte Auslängung im Gesamtsystem wird dadurch nahezu ausgeschlossen und die geführten Leitungen erfahren keine zusätzliche Belastung. Die Basis für alle RSC-Systeme sind Standard-Energieführungsketten von Kabelschlepp in Kombination mit Traxline-E-Leitungen, in diesem Fall fiel die Wahl auf die MC1300 – eine speziell für Krananwendungen konzipierte, multivariable Energieführung, die sich unter anderem durch seewasserbeständige Aluminiumstege für eine extrem hohe Stabilität auszeichnet.

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Umsetzung durch internationales Projektteam

Für die Umsetzung des Projekts stellte Tsubaki Kabelschlepp ein internationales Team zusammen: Die Projektplanung und -leitung erfolgte in Deutschland, bei der Koordination half das Tsubaki-Team in Singapur. Aus Gründen der Kosteneffizienz und der Nachhaltigkeit wurden alle Blech- und Stahlbauteile lokal gefertigt. Dazu wurden alle erforderlichen Zeichnungen sowie Qualitätssicherungs-Dokumente von Tsubaki Kabelschlepp zur Verfügung gestellt – so konnte die Fertigung in Indonesien nach den vorgegebenen Qualitätsstandards umgesetzt werden. Nur das Traxline-Leitungspaket und die Energieführungskette selbst kamen in Einzelteilen (in vormontierten Rollensegmenten bzw. aufgetrommelt) aus Deutschland. Der indonesische Projektpartner ATI übernahm die Installation des Systems. „Letzteres war unabdingbar für den Erfolg und die Kosteneffizienz des Projektes“, betont Thorsten Serapinas. „Die Reisezeit von Deutschland bis zur Baustelle beträgt ca. 30 Stunden. Ohne unsere Partner vor Ort war die Aufgabe unmöglich innerhalb des Budgets zu bewältigen.“

Im September 2015 erfolgte die finale Inbetriebnahme und erfolgreiche Abnahme der Anlage durch Kabelschlepp. Seitdem bewährt sich das RSC-System im Hafen von Pupuk Kaltim. „Bei den 260 Metern handelt es sich um einen der längeren von uns bisher realisierten Verfahrwege mit einem rollenden System und den Traxline-Elektroleitungen“, sagt Thorsten Serapinas abschließend. „Das Projekt ist aber auch deshalb ein solcher Erfolg, weil wir es als internationales Team über große Distanzen hinweg erfolgreich und kosteneffizient umsetzen konnten.“ (sh)

Ergänzendes zum Thema
 
Praxistests bei Tsubaki Kabelschlepp

* Peter Sebastian Pütz ist Key Account Manager Business Development bei der Tsubaki Kabelschlepp GmbH in Wenden-Gerlingen.

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