Suchen

Entmagnetisierung Blitz, schnell entmagnetisiert

| Redakteur: Ute Drescher

Schweizer Degaussing Spezialist macht Flugzeug im Eilverfahren wieder startklar.

Firmen zum Thema

Mindestens einmal im Jahr wird jedes Flugzeug von einem Blitz getroffen.
Mindestens einmal im Jahr wird jedes Flugzeug von einem Blitz getroffen.
(Bild: shutterstock: PhotonCatcher)

Der Anruf kam kurz vor Feierabend. Der Auftrag: ein gegroundetes Verkehrsflugzeug so schnell wie möglich wieder startklar machen. Das Problem: Magnetismus nach einem Blitzeinschlag. Der Start eines weiteren „Blitzeinsatzes“ für die Notfall-Spezialisten von Maurer Magnetic im Schweizerischen Grüningen.

Nach Angaben der US-Luftfahrtbehörde FAA wird jedes Flugzeug der Flotte mindestens einmal im Jahr von einem Blitz getroffen. Die meisten Blitzeinschläge, über 95 %, erfolgen beim Durchfliegen von Wolken in einer Höhe zwischen 1.500 und 4.500 m. Blitzeinschläge verkraftet ein Flugzeug ohne weiteres, und doch können Blitzeinschläge den Betreiber des Fliegers teuer zu stehen kommen. Um mögliche Schäden aufzudecken und zu beseitigen, ist eine Inspektion erforderlich. Und das kann dauern. Bei Kurzstreckenflugzeugen, die täglich bis zu acht Strecken absolvieren, ist jede Minute eines ungeplanten Bodenaufenthaltes ein erheblicher Kostenfaktor. So auch im vorliegenden Fall. Der Blitz war in den Rahmen des Cockpitfensters eingetreten. Äußerlich zeugte nur eine kleine schwarze Stelle vom Einschlag, doch der Standby Kompass wies danach eine Abweichung von 110 ° auf. Der Verdacht: erhöhter Magnetismus in ferromagnetischen Bauteilen in der Umgebung des Kompasses. Zeit für die Experten.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 5 Bildern

Degaussing-Spezialisten beseitigen erhöhten Magnetismus

Unmittelbar nachdem der Anruf bei der Maurer Magnetic AG eingegangen war, machte sich ein Degaussing-Spezialist auf den Weg. Mit im Gepäck ein mobiles Entmagnetisiergerät des Typs DM 200-PC sowie eine Auswahl an flexiblen Kabelspulen. Diese ermöglichen es, unterschiedlichste, auch große Bauteile direkt vor Ort zu entmagnetisieren. „Unser Einsatzfahrzeug ist stets startklar, deshalb können wir innert Tagesfrist zu jedem europäischen Flughafen aufbrechen“, kommentiert Betriebsleiter Christian Spiess die Flexibilität des mobilen Einsatzkommandos von Maurer Magnetic.

Time is money, und so musste alles blitzschnell gehen. Noch während der Anreise übermittelte der Mitarbeiter die Bezeichnungen, Maße und Gewichte der mitgeführten Ausrüstung sowie Kopien seines Passes und der Fahrzeugpapiere an das Sicherheitspersonal des Flughafens. Ein möglichst schneller Zugang zum Hangar war Voraussetzung, um eine ebenso schnelle Problemlösung zu gewährleisten. Nach einem reibungslosen Personen- und Equipment-Check ging es sogleich an die Fehlerdiagnose am Flugzeug.

Zuvor hatten Wartungstechniker der Fluggesellschaft mit den vorhandenen Entmagnetisiereinrichtungen diverse Versuche unternommen, dem Problem Herr zu werden. Wie sich zeigte, ohne Erfolg. Die Ausprägung des Magnetismus am Cockpit war ein weit streuendes Magnetfeld. Als Indikator, um die Lage dieser speziellen Situation optimal beurteilen zu können, diente ein Magnetkompass. Das Störfeld mit Spitzenwerten von 10 Gauss führte zur Missweisung des Kompasses. Nachdem die Messergebnisse ermittelt waren, wurde direkt mit der Entmagnetisierung begonnen.

Spezialspule schafft Abhilfe

Zur Erzeugung des magnetischen Wechselfeldes dient eine patentierte Spezialspule. Diese wurde mit Hilfe eines Krans Stück für Stück entlang der magnetisierten Rahmen der Cockpitfenster geführt. Auf einer Gangway stehend koordinierte der Maurer Magnetic Mitarbeiter die Positionierung der 20 Kilo schweren Kabelspule. Nur 30 Entmagnetisierpulse waren insgesamt nötig, um alle neun Cockpitfenster gründlich zu entmagnetisieren. Die Leistung des mobilen Entmagnetisiergerätes von Maurer Magnetic kann stufenlos der aktuellen Situation angepasst werden. Die magnetisierten Edelstahlrahmen wurden mit der vom Flugzeughersteller erlaubten Feldstärke für das Entmagnetisieren von Teilen im Umfeld des Standby-Kompasses behandelt. Der Kompass wurde zuvor vorschriftsgemäß ausgebaut, damit er nicht ebenfalls eine Entmagnetisierung erfährt.

„Die Entmagnetisierung mit dem Maurer Degaussing Pulsentmagnetisierer ist sehr sicher. Die Spule ist vollständig elektrisch isoliert und überträgt keine elektrischen Felder oder Wirbelströme, wie sie bei eisenbestückten Spulen auftreten. Das Gerät steuert die Entmagnetisierung elektronisch. Unser Verfahren hinterlässt keinen Restmagnetismus. Durch das großvolumige Feld und die hohe Taktrate ist unsere Entmagnetisierung auch effektiver und effizienter als bisherige Vorgehensweisen“, erläutert Geschäftsführer Albert Maurer das patentierte Maurer Degaussing Verfahren.

Verborgene „Magnetherde“ sind tickende Zeitbomben

Circa eine Stunde später: Abschließender Test auf dem Flugvorfeld. Die Cockpitfenster waren restlos von Magnetismus befreit, die Kompassnadel wies nun keine Missweisung mehr auf und konnte problemlos manuell einjustiert werden. „Es ist wichtig, alle lokalen Bereiche von Magnetismus in einer Baugruppe vollständig zu eliminieren. Bleibt Restmagnetismus zurück, kann es zu einer Re-Magnetisierung des Bauteils kommen“, erklärt Albert Maurer das Risiko einer unvollständigen Entmagnetisierung. Nach Aussagen des Experten sind verborgene ‚Magnetherde‘ tickende Zeitbomben. Oft genügen Erschütterungen und Vibrationen, wie sie beispielsweise auch bei der Landung erfolgen, um Bauteile zu re-magnetisieren. Doch nicht im vorliegenden Fall. Nahezu zeitgleich mit der Abreise des Entmagnetisier-Spezialisten begannen bereits die Vorbereitungen, um das Flugzeug für den weiteren Verkehrsbetrieb startklar zu machen. (ud)

(ID:44228438)