Virtuelle Rekonstruktion 3D-Simulation lässt Heidelberger Schloss wiederauferstehen

Redakteur: Katharina Juschkat

Blitzeinschläge, Brände, Kriege – das Heidelberger Schloss hat über die Jahrhunderte viel aushalten müssen. Jetzt hat ein Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) die Burg in ihrer einstigen Gestalt wiedererstehen lassen – als dreidimensionale virtuelle Rekonstruktion.

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Prächtige Residenz: Rekonstruktion des Heidelberger Schlosses um 1683.
Prächtige Residenz: Rekonstruktion des Heidelberger Schlosses um 1683.
(Bild: KIT)

Einst pries Martin Luther die Schönheit und Wehrhaftigkeit des imposanten Heidelberger Schlosses – der Reformator war zu einer Verteidigung seiner Thesen nach Heidelberg gekommen. Später, nach der Sprengung der Wehranlagen durch die Truppen des französischen Sonnenkönigs Ludwig XIV., wurden ihre Überreste zum Inbegriff der Deutschen Romantik.

Wo heute leere Fensterhöhlen auf das Tal blicken und Mauerreste in den Himmel ragen, kann der Besucher in der Simulation von Julian Hanschke vom Institut für Kunst- und Baugeschichte am KIT den einst wuchtigen und heute zur Hälfte weggesprengten Dicken Turm besteigen oder den 360-Grad-Blick durch den Schlosshof des Jahres 1683 schweifen lassen.

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Jedes Detail am Computer virtuell rekonstruiert

Die Rekonstruktion des Architekturhistorikers soll durch seinen Detailreichtum bestechen, den vorherige Rekonstruktionen historischer Wahrzeichen wie in der Computerspielreihe Assassins Creed nicht erreichten. Der Aufwand für den digitalen Wiederaufbau ist beträchtlich: Anhand historischer Pläne, Ansichten und Zeichnungen muss am Computer jedes Detail nachmodelliert werden.

„Es ist nicht so, dass man ein paar Bilder einscannt und der Rechner den Rest erledigt“, erklärt Hanschke. Zwar ähnelt sich die Arbeitsweise der Erbauer imaginärer Spielwelten und des Architekturhistorikers damit in gewisser Weise. Allerdings sei seine Rekonstruktion keine Fantasiewelt, sondern ein wissenschaftlich akkurater Nachbau, der bis in die kleinste Einzelheit auf historischen Quellen fuße, betont Hanschke.

Virtueller 360°-Rundgang durch den Innenhof

Er konnte bei seiner fünfjährigen Forschungsarbeit auf viele Bildquellen zurückgreifen, da es vor 100 Jahren die Bestrebungen gab, das Heidelberger Schloss wieder aufzubauen. „Wie die Hohkönigsburg im Elsass,“ erklärt der Wissenschaftler. Dazu sei der komplette Baubestand dokumentiert und vermessen sowie hunderte Pläne gezeichnet worden. „Das ist die wohl vollständigste Bauaufnahme eines deutschen Schlosses“, sagt Hanschke. Auch bei der digitalen Rekonstruktion sind große Datenmengen angefallen – in der Realität dehnt sich das Schloss auf 270 m x 280 m aus, auf der Festplatte auf immerhin 3 Gb Speicherplatz.

Hier können Sie einen virtuellen Rundgang im Innenhof des Heidelberger Schlosses erleben:

Es geht Hanschke jedoch nicht darum, das Schloss wieder aufzubauen. Er will lediglich die Ergebnisse der historischen Forschungsarbeit, die den Löwenanteil seines Vorhabens ausgemacht habe, unmittelbar erlebbar machen. Frank Thomas Lang von den Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg ist begeistert von Hanschkes Projekt: „Die Rekonstruktionen sind außerordentlich eindrucksvoll und lassen auch für Laien sichtbar werden, was das Heidelberger Schloss zu seiner Glanzzeit war – ein unschätzbarer Vorteil.“

Die Computersimulationen hat Hanschke mit einer rund 500 Seiten starken Publikation unterfüttert, die auch seine Habilitationsschrift darstellt. Der reich bebilderte Band enthält neben den suggestiven Schlossansichten viele Fotos und historische Ansichten sowie eine an den Quellen ausgerichtete, erschöpfend recherchierte Schlossgeschichte. (kj)

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