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Mechatronik Wittenstein wechselt Rechtsform zu Europäischer Aktiengesellschaft

| Redakteur: Katharina Juschkat

Der Mechatronikkonzern Wittenstein hat seine Rechtsform in Societas Europaea (SE) geändert. Als Europäische Aktiengesellschaft soll die Firma weiterhin ein innhabergeführtes Familienunternehmen bleiben. Der Rechtsformwechsel ist Teil der Globalisierungsstrategie von Wittenstein.

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Die Innovationsfabrik am Firmenhauptsitz der Wittenstein SE.
Die Innovationsfabrik am Firmenhauptsitz der Wittenstein SE.
(Bild: Wittenstein)

Wittenstein, die familiengeführte Unternehmensgruppe mit Hauptsitz im baden-württembergischen Igersheim, folgt nun ihrer Globalisierungsstrategie auch in der Rechtsform: Seit dem 29. September 2016 firmiert die bisherige AG als SE und wird damit als Europäische Aktiengesellschaft geführt.

Wittenstein bleibt inhabergeführtes Familienunternehmen

„Mit der Umwandlung in eine SE stellen wir bewusst weitere Weichen für unsere Gruppe als global agierendes Unternehmen“, erklärt Vorstandssprecherin und Aktionärin Dr. Anna- Katharina Wittenstein. „Mit der neuen Rechtsform wollen wir unser Selbstverständnis als moderne, internationale Unternehmensgruppe mit einer Exportquote von rund 60 % zum Ausdruck bringen. Die SE als supranationale Rechtsform soll uns helfen, unsere Marke in der Gewinnung und Bindung von Kunden und Mitarbeitern im europäischen Raum und auch global stärker zu machen.“

Auch nach der Umwandlung in eine Europäische Aktiengesellschaft bleibt das Unternehmen ein inhabergeführtes Familienunternehmen, dessen Aktien nicht an der Börse gehandelt werden. Wie bisher liegen 100 % der Aktien in den Händen der Familie Wittenstein. Die rechtliche Identität der Gesellschaft bleibt unverändert, auch bei den Tochtergesellschaften ergeben sich keine Änderungen. Der Sitz des Unternehmens und der Tochtergesellschaften bleiben nach dem Formwechsel unverändert dieselben. „Unser Firmenhauptsitz ist und bleibt Igersheim“, bestätigt Dr. Wittenstein. Verträge mit Kunden, Lieferanten, Finanzierungspartnern und Arbeitsverträge der Mitarbeiter bleiben unverändert gültig.

Rechtsformwechsel trägt zur interkulturellen Struktur im Unternehmen bei

Die Wittenstein SE wird weiterhin durch den Vorstand geführt. Diesem gehören seit dem 1. Oktober 2016 neben Dr. Wittenstein auch Dr. Dirk Haft, Erik Roßmeißl und Dr. Bernd Schimpf an. Dr. Dieter Spath, der als Vorstandsvorsitzender den Formwechsel in die SE zusammen mit den Arbeitnehmern maßgeblich gestaltet hatte, war am 29. September 2016 bei einem Festakt aus dem Vorstand verabschiedet worden.

Der Rechtsformwechsel soll insbesondere der wachsenden interkulturellen Struktur innerhalb der Unternehmensgruppe Rechnung tragen: Voraussetzung dafür ist eine speziell auf das Unternehmen zugeschnittene Beteiligungsvereinbarung für die zukünftige Beteiligung der Arbeitnehmer im SE-Betriebsrat sowie im Aufsichtsrat. Diese Beteiligungsvereinbarung wurde in den vergangenen Monaten von einem „Besonderen Verhandlungsgremium“ (BVG) – bestehend aus Mitarbeitervertretern aller Länder in der Europäischen Union, Gewerkschaftsvertretern und dem Vorstand, vertreten durch Prof. Dr. Dieter Spath, ausgearbeitet und verabschiedet. Die Vereinbarung bezieht neben allen Betrieben im EU-Raum, unabhängig von der Zugehörigkeit zu politischen Bündnissen, auch die Tochtergesellschaften in der Schweiz und in der Türkei ein. Die Betriebe in Großbritannien verbleiben daher auch über den Austritt Großbritanniens aus der EU hinaus in diesem Kreis.

SE-Betriebsrat soll international aufgestellt werden

„Die Vereinbarung ist individuell und passt zu unserem Unternehmen. Da wir insbesondere die konzerninterne Kohäsion weltweit stärken wollen, haben wir von Beginn an den Kreis der Länder, die Mitglieder in unseren künftigen SE-Betriebsrat entsenden, größer angelegt und auch das Thema Brexit mitbedacht“, erklärt der inzwischen ausgeschiedene Verhandlungsführer des Vorstands, Prof. Dr. Dieter Spath. Berücksichtigt sei in angemessener Form die künftige potentielle Unternehmensentwicklung, zumal es eine weitere Besonderheit gibt: Alle übrigen Wittenstein-Tochtergesellschaften weltweit können grundsätzlich ebenfalls beitreten, beispielsweise die USA, China oder Japan.

Die Vereinbarung regelt auch die Beibehaltung der bisherigen Zusammensetzung des Aufsichtsrats, dem neben vier Aktionärsvertretern weiterhin zwei Arbeitnehmervertreter angehören. Aufsichtsratsvorsitzender ist seit 2014 Dr. Manfred Wittenstein. Mark Farny, BVG-Vorsitzender und Betriebsratsvorsitzender für den Teilkonzern Deutschland, zeigt sich ebenfalls zufrieden mit der abgeschlossenen Mitbestimmungsvereinbarung. „Wir haben fair, ausführlich und intensiv verhandelt und dabei auf beiden Seiten das langfristige Wohl der Firma im Auge gehabt”, sagt Farny. „Mit dem Formwechsel in die SE ist die Chance genutzt, für die grenzüberschreitende Beteiligung der Arbeitnehmer zusätzlich einen SE-Betriebsrat einrichten zu können.” Dieser soll zusätzlich und neben den bisherigen nationalen Arbeitnehmervertretungen gebildet werden und seine Rechte und Pflichten engagiert und mit Verantwortung wahrnehmen. (kj)

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