Elektromotoren Nachhaltigkeit mit System ausbauen

Autor: Ute Drescher

ATE, Hersteller kundenspezifischer Einbau- und kompletter Elektromotoren, will seine Systemkompetenz ausbauen. Ziel: Das Unternehmenswachstum nachhaltig sichern.

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Aus Holz hat ATE die neue 2500 m² große Produktionshalle errichtet, besonders gut an der Dachkonstruktion zu erkennen.
Aus Holz hat ATE die neue 2500 m² große Produktionshalle errichtet, besonders gut an der Dachkonstruktion zu erkennen.
(Bild: U. Drescher/konstruktionspraxis)

Grund zum Feiern für die ATE Antriebstechnik und Entwicklungs GmbH & Co. KG: Seit 20 Jahren entwickelt und fertigt das Unternehmen aus Leutkirch im Allgäu kundenspezifische Spezialmotoren sowohl als Einbau- als auch als komplette Elektromotoren – so erfolgreich, dass eine Erweiterung der Produktionskapazitäten dringend erforderlich wurde. Mit einer neuen Halle, die eine Produktionsfläche von 2500 m2 bietet, haben die Leutkircher im Jubiläumsjahr ihre Fertigungskapazität nun nahezu verdoppelt.

Wichtig beim Bau der neuen Produktionshalle war ATE-Geschäftsführer Herbert K. Sutter die Nachhaltigkeit des Gebäudes sowie der eingesetzten Materialien. So wurde die neue Werkshalle komplett aus Holz errichtet, darüber hinaus eine Holzpellet-Heizung sowie eine PV-Anlage installiert. Neben Büroräumen für die Abteilungen Import/Export sowie Buchhaltung und Personal finden dort nun die mechanische Bearbeitung der Elektromotoren sowie Qualitätssicherung und Versand statt.

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Nachhaltigkeit liegt Herbert Sutter am Herzen, nicht nur beim Bau der neuen Fertigungshalle. Dass fünf Elektroautos zum Fuhrpark gehören und die Mitarbeiter Dienstfahrräder für den Weg zur Arbeit nutzen können, ist daher nur konsequent. Doch dem Geschäftsführer geht es vor allem darum, die Firma auch wirtschaftlich nachhaltig weiterzuentwickeln.

Inzwischen beschäftigt die ATE 125 Mitarbeiter, davon allein neun in Entwicklung und Konstruktion sowie elf als Applikationsingenieure im technischen Vertrieb, die Fluktuation geht gegen Null. Im Engineering kommen Programme zur Magnetkreis- und Festigkeitsberechnung zum Einsatz, die ATE teilweise selbst entwickelt hat. Darüber hinaus stehen die Elektrotechnik- und Mechanik-Ingenieure im direkten Austausch mit führenden Universitäten und Hochschulen, um so auch die neuesten Erkenntnisse in die Entwicklung einfließen zu lassen.

Als Anbieter kundenspezifischer Lösungen haben die ATE-Ingenieure in den vergangenen Jahren die unterschiedlichsten Elektromotoren entwickelt, angefangen bei einem Teleskop-Motor mit 1 Umdrehung am Tag bis hin zu einem Motor, der 1 Mio. min-1 erreicht und es damit sogar ins Guinessbuch der Rekorde brachte. Diese außergewöhnlichen Entwick­lungen belegen die Kompetenz der ATE auf dem Gebiet der Elektromotoren, sind aber nicht die Regel. Denn auch bei der Entwicklung kundenspezifischer Lösungen strebt Herbert Sutter Nachhaltigkeit an: „Natürlich produzieren wir lieber Serien als Einzelstücke“.

Baukasten legt Basis für Flexibilität

Die Grundlage für die Serienproduktion hat ATE mit einem Baukasten-System gelegt. Faktoren wie Motorquerschnitt, Länge und Windungszahl oder verbaute Sensorik lassen sich so einfach skalieren und der jeweiligen Anwendung anpassen. Darüber hinaus hat das Unternehmen über die Jahre viel Know-how in der Fertigung aufgebaut.

Die meisten der ATE-Motoren werden in Werkzeugmaschinen verbaut. Die Anforderungen in diesem Markt nach Einbaukomponenten mit hoher Leistungsdichte auf kleinem Bauraum kann die ATE gut bedienen. Weitere Einsatzgebiete sind der Rennsport sowie die Luftfahrt. Doch gerade die Werkzeugmaschinen-Branche steht vor großen Herausforderungen, nicht allein aufgrund der Corona-Pandemie. „Die Schwierigkeiten hängen eng mit dem Technologiewandel in der Automobilbranche zusammen“, glaubt Sutter.

Anwendertreff mechatronische Antriebstechnik

Im Fokus des Anwendertreffs mechatronische Antriebstechnik stehen die mechanischen Komponenten Getriebe, Kupplungen und Bremsen sowie deren Auslegung, Dimensionierung und Zusammenspiel im mechatronischen Gesamtsystem.

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Mit Partner Kompetenzen ausbauen

Grund genug für die ATE, sich auch nach 20 erfolgreichen Firmenjahren weiterzuentwickeln. „Unsere Kernkompetenz haben wir bei den Stator- und Rotorkompomenten erarbeitet“, erklärt Geschäftsführer Stefan Heinz. Jetzt soll zusätzlich Systemkompetenz aufgebaut werden, um zunehmend komplette Elektromotoren für unterschiedliche Anwendungen anbieten zu können. Herbert Sutter denkt dabei unter anderem an Anwendungen in der Elektromobilität oder der Logistik. Auch Marine-Anwendungen haben aus seiner Sicht ein enormes Potential, sie reichen von Sportbooten bis hin zu großen Frachtern.

Für den Anfang setzen die Leutkircher vor allem auf die Zusammenarbeit mit Partnern, deren Kompetenzen unter anderem in der Lagertechnik oder der Leistungselektronik liegen. Ein Beispiel ist die Entwicklung von Prüfstandmotoren mit Partner GTW aus Schweinfurt. „Der Trend zur Elek­tromobilität erfordert Prüfstandmotoren mit hoher Drehzahl und hoher Leistung“, erklärt Sutter. Das könnten schon einmal 30.000 min-1 bei einer Leistung von 600 kW sein.

Von diesen Maßnahmen versprechen sich die beiden Geschäftsführer nachhaltigen Erfolg – und freuen sich schon heute auf das 40-jährige Firmenjubiläum.

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Über den Autor

 Ute Drescher

Ute Drescher

Chefredakteurin, konstruktionspraxis – Alles, was der Konstrukteur braucht