Hydraulikbremse Hydrobremse mit Verzögerungsschlitten erweitert Crashtestanlage

Redakteur: Juliana Pfeiffer

Messring hat das Crashtestcenter von PMG (Eigentum des kanadischen Verkehrsministeriums) in Blainville/Kanada projektiert und ausgestattet. Neben dem bereits installierten Beschleunigungsschlitten, bestellte PMG nun zusätzlich einen Verzögerungsschlitten bei den Crashtestspezialisten aus Bayern.

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Der Verzögerungsschlitten mit dem montierten Testobjekt wird über ein Schienenantriebssystem beschleunigt und durch die Hydrobremse kontrolliert abgebremst.
Der Verzögerungsschlitten mit dem montierten Testobjekt wird über ein Schienenantriebssystem beschleunigt und durch die Hydrobremse kontrolliert abgebremst.
(Bild: Messring)

Das Crashtestzentrum mit einer Größe von 5300 m² wurde von der Münchner Firma Messring projektiert und ausgestattet und gilt seit seiner Fertigstellung 2012 als eine der modernsten und präzisesten Crashtestanlagen der Welt. Neben dem bereits installierten Beschleunigungsschlitten, bestellte PMG nun zusätzlich einen Verzögerungsschlitten bei den Crashtestspezialisten aus Bayern. Der Vorteil der Verzögerungs-Crashtechnik liegt unter anderem darin, dass die Bewegungsrichtung synchron zum Crash verläuft und nicht invers wie bei Beschleunigungsversuchen.

Zerstörungsfreie Crashversuche mit einer Hydrobremse genauer simulieren

Schlittensysteme werden rund um den Globus eingesetzt, um Fahrzeugkomponenten auf ihre Sicherheit zu testen. Beide Systeme (Beschleunigung und Verzögerung) haben ihre Vorteile. Allerdings können manche zerstörungsfreien Crashversuche mit einer Hydrobremse (Verzögerungsschlitten) viel genauer oder ausschließlich auf einer Verzögerungsanlage simuliert werden. Dies gilt vor allem für Pre-Crash-Braking-Szenarien die auf einer Beschleunigungsanlage praktisch nicht darstellbar sind. Außerdem erreicht man mit diesem System eine genaue Reproduzierbarkeit der Crashtestergebnisse, eine hohe Testfrequenz und ein präzises Abbremsen des Schlittens.

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Die Hydrobremse kann dabei relativ einfach ohne Ausfallzeit des Gesamtsystems in praktisch jede existierende Crashtestanlage integriert werden – aufwändige und kostenintensive Bauarbeiten sind in der Regel unnötig. Der Einbau des Upgrades in Blainville dauerte eine Woche bis die ersten Versuche durchgeführt werden konnten. Die Hydrobremse wird von Messring in zwei Versionen angeboten - mit 2.0 MN und mit 3.2 MN Bremsstärke. Beide Modelle garantieren einen niedrigen Serviceaufwand und eine im Vergleich zur ähnlichen Beschleunigungsanlage günstige Anschaffung.

Abbremsvorgang durch die Regulierung des Ölabflusses aus dem Zylinder steuern

Das Prinzip der Hydrobremse ist relativ einfach. Der Verzögerungsschlitten mit dem montierten Testobjekt wird über ein Schienenantriebssystem beschleunigt und durch die Hydrobremse kontrolliert abgebremst. Hierfür ist ein Bremskeil am Vorderteil des Schlittens befestigt. Dieser Leichtbaukeil mit Edelstahlspezialbelag schiebt sich zwischen die zwei Bremsbacken der Hydrobremse und drückt dabei den oberen Bremskolben in den hydraulischen Zylinder. Der Abbremsvorgang des Schlittens wird durch die Regulierung des Ölabflusses aus dem Zylinder genauestens gesteuert. Eine digitale Kontrolleinheit errechnet die Steuerkurve für das servohydraulische Ventil der Hydrobremse. Über die Druckeinstellung wird der Bremsvorgang überwacht und genau entsprechend der Vorgaben des Anwenders gesteuert. Die einfache Kontrolle über den PC am Leitstand vereinfacht die unterschiedlichen Versuchsvarianten der Hydrobremse und spart den Testingenieuren sehr viel Zeit. Dabei können gespeicherte Testläufe immer wieder verglichen, wiederholt und optimiert werden. Das gesamte Hydrobrake-System ist von einer Person bedienbar und Crashsimulationen können in wenigen Minuten wiederholt werden.

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