Kabel

Ein Kabel erobert Windkraftanlagen

Seite: 2/2

Anbieter zum Thema

Kupfersorten spielen bei Torsion eine Rolle

Auch die Kupfersorten spielen bei einer Torsion eine Rolle, hier muss die Litze speziell verseilt sein und eine bestimmte Schlaglänge haben. "Wenn eine Leitung um einen Radius gebogen wird, der dem 7,5-fachen seines Durchmessers entspricht, dann können sich die einzelnen Adern untereinander bis zu 7 mm verschieben. Dabei erwärmt sich die Leitung zusätzlich durch Reibung", sagt Struwe. Die Kabelnorm besagt, dass die Materialien einer Leitung bis zu 80° C standhalten. Doch eine solche Norm kenne keine Off- oder Onshore-Anwendungen, die kenne auch keine regionalen Unterschiede, gibt Struwe zu Bedenken. "Die Kabel können wegen der Stromlast und höheren Umgebungstemperaturen an warmen Standorten leicht über 80° C am Leiter erreichen. Die Norm wiederum fordert aber nur 80° C. In diesem Fall liegt die Entscheidung beim Hersteller, ob er das zusichern kann", meint Struwe. Bei Offshore-Anwendungen wurde auch bisher nie nach der Salzwasserbeständigkeit der Leitungen gefragt. Dennoch halten diese Leitungen über mehrere Jahre den Bedingungen im Meerwasser stand, weiß Struwe. "Und hier kommt man in die Diskussion: Was versteht man unter Salzwasserbeständigkeit? Bedeutet es, dass man die lose Leitung einfach ins Wasser legen kann? Und da müssen wir sagen: Nein, das kann man nicht", ergänzt der Betriebsleiter.

Brandfall ist ein kritischer Aspekt in einer Windkraftanlage

Bei der Materialauswahl der Kabel muss ebenfalls die Konstruktion einer Windkraftanlage berücksichtigt werden. Der Turm einer Windkraftanlage ist geschlossen, wie ein Schornstein. "Von der Gondel führen ganze Leitungsbündel zum Fundament der Windkraftanlage. Der im Brandfall daraus resultierende Kamineffekt stellt höchste Anforderungen an die Flammwidrigkeit der eingesetzten Produkte. Deshalb werden die Kabel in einem Test auf ihr Brennverhalten untersucht", beschreibt der Betriebsleiter Hansjörg Struwe.

Die Kabel werden in einem Test auf ihre Flammwidrigkeit untersucht. Dabei streicht ein Brenner 20 bis 40 Minuten mit einer blauen Flamme auf den unteren Teil von einem Kabelbündel. Anschließend sind die Kabel zwar oberflächlich beschädigt, brennen allerdings nicht weiter. Die Heluwind WK 137-T hat diese Prüfung, auch Bündelbrandtest FT4 genannt, bestanden. Neben seiner Flammwidrigkeit ist das Heluwindkabel auch halogenfrei. So werden in einem Brandfall keine korrosiven Brandgase freigegeben. "In einem Brandfall sterben die meisten Menschen nicht an Verbrennungen, sondern sie ersticken an den Salzsäuregase, die entstehen wenn eine PVC-Leitung verbrennt. Der im Brandfall freigesetzte Chlorwasserstoff im PVC reagiert mit Feuchtigkeit zu Salzsäure", beschreibt Struwe die Gefahr in einem Brandfall.

Windkraft-Kabel erfodern Paradigmenwechsel bei Betreibern

Struwe fordert deshalb einen Paradigmenwechsel. "Obwohl die Vorteile einer halogenfrei flammwidrigen Lösung offensichtlich sind, werden in diesem Bereich noch immer PVC-Kabel eingesetzt. Auch kleinere Anlagenbetreiber und -hersteller sollten erkennen, dass eine Windkraftanlage spezielle Kabel erfordert", gibt er zu Bedenken. Bei Wartungsarbeiten an den Leitungen muss die Anlage angehalten werden. "Leitungen sind nun einmal Verschleißteile. Hier lohnt die Investition in eine Windkraftleitung, denn diese hält einem Windkraftanlagen-Lebenszyklus auch stand", merkt Struwe an.

* *Juliana Schulze ist Redakteurin der konstruktionspraxis

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung.

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

(ID:22846810)