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Schnittstellen im Engineering, Teil 2 Wie aus Schnittstellen Nahtstellen werden

| Autor / Redakteur: Andreas Loebner / Dipl.-Ing. (FH) Monika Zwettler

Ein Begriff, vier Sprachen – im zweiten Teil unserer Serie wird gezeigt, dass alle vier Begriffe für das Thema „Schnittstelle im Engineering“ ihre Berechtigung haben.

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Schnittstellen machen im Engineering häufig Probleme. Unsere Serie dazu beleuchtet das Thema von verschiedenen Seiten - im zweiten Teil wird gezeigt, dass verschiedene Begriffe für das Thema „Schnittstelle im Engineering“ ihre Berechtigung haben.
Schnittstellen machen im Engineering häufig Probleme. Unsere Serie dazu beleuchtet das Thema von verschiedenen Seiten - im zweiten Teil wird gezeigt, dass verschiedene Begriffe für das Thema „Schnittstelle im Engineering“ ihre Berechtigung haben.
(Bild: gemeinfrei / CC0 )

In der ersten Folge dieser Serie haben wir überraschende Unterschiede in vier Sprachen für den Sachverhalt, der im Deutschen mit dem Wort „Schnittstelle“ beschrieben wird, festgestellt. Nun wollen wir anhand eines arbeitsteiligen Engineeringprojekts zeigen, dass die Wortwahl aller vier Sprachen sinnvoll ist und jedes Wort verschiedene Aspekte herausstellt.

In der frühen „Schnittstellenphase“ muss ein Projekt gedanklich aufgeteilt und organisatorisch zerlegt werden. Die verschiedenen Fachbereiche (Apparatebau, Prozessleittechnik, Stahlbau, …) müssen gegeneinander abgegrenzt werden. Die Aufteilung des Engineering- und/oder Lieferumfangs auf die einzelnen Subunternehmen hat zu erfolgen. In dieser Phase ist es unumgänglich gedanklich, organisatorisch und auch von der Termin– und Kostenseite her Schnittstellen im wahrsten Sinn des deutschen Wortes zu schaffen.

Schnittstellenphase mit allen Projektbeteiligten

Bei der Festlegung der internen Arbeitsteilung und den Verhandlungen mit den Unterlieferanten tritt das Projekt in die „Interface–Phase“. Mehr oder weniger ausführliche Verständigung zwischen den jeweils Beteiligten ist nötig um zu Abmachungen zu kommen, die dann in kaufmännisch und juristisch bindenden Vereinbarungen niedergelegt werden. Praktiker bemerken dazu, dass in dieser Phase durch das rechtzeitige Einbeziehen der Sublieferanten in die Erarbeitung der Vereinbarungen erhebliche Vereinfachungen im Projekt herausgefunden werden können, die sich in Kosten- und/oder Terminstraffungen niederschlagen.

Häufige Anpassungen während des Engineerings

Laufen dann die internen und externen Engineeringarbeiten, so muss häufig geändert und angepasst werden. Festlegungen der Interface-Phase werden in Frage gestellt. Die an der Abwicklung Beteiligten müssen sich arrangieren. Wenn sie klug sind, führt das südländische „punto di incontro Vorgehen“ oft schnell zu guten Kompromissen. Der Termindruck erzwingt schnelle Lösungen. Ein stures Beharren des Auftraggebers auf seiner „eingefrorenen“ Schnittstelle kann, muss aber nicht zum termin- bzw. qualitätskonformen Erfolg führen.

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Schnittstellen lösen sich langsam auf

Am Ende haben dann alle Beteiligten ihre Engineeringunterlagen fertiggestellt und das vergebende Unternehmen hat diese zu einem Paket zusammengeführt. Parallel dazu wird schon gefertigt und/oder die Anlage montiert. Zug um Zug lösen sich die Schnittstellen auf – „liaison“ tritt ein. Aus den Schnittstellen werden Nahtstellen. Wenn es sich um Schweißnähte handelt, mit denen zwei Gewerke miteinander verbunden werden, so findet die Verwandlung einer Schnittstelle in eine Nahtstelle nicht nur als Metapher, sondern als realer Arbeitsschritt statt.

Alle vier Begriffe haben ihre Berechtigung und an allen zeigen sich beachtenswerte Gesichtspunkte, die wir in den nächsten drei Folgen punktuell für Engineeringprojekte im Anlagenbau beleuchten werden.

(Die Literaturangaben finden Sie zusammengefasst in der fünften und letzten Folge unserer Serie).

* Andreas Loebner, freier Autor, Bern

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