Definition Was ist eigentlich Design Thinking?

Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Monika Zwettler

Design Thinking ist eine systematische Herangehensweise an komplexe Problemstellungen. Design Thinker setzen die Nutzer-Brille auf und stellen Nutzerbedürfnisse sowie nutzerorientiertes Erfinden ins Zentrum des Prozesses. Wie das funktioniert.

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Design Thinking ist eine Methode, um Probleme zu lösen und auf neue Ideen zu kommen. Im Zentrum steht der Nutzer des Produkts.
Design Thinking ist eine Methode, um Probleme zu lösen und auf neue Ideen zu kommen. Im Zentrum steht der Nutzer des Produkts.
(Bild: Visual Generation)

Die Methode Design Thinking basiert auf der Annahme, dass Probleme besser gelöst werden können, wenn Menschen unterschiedlicher Disziplinen in einem die Kreativität fördernden Umfeld zusammenarbeiten, gemeinsam eine Fragestellung entwickeln, die Bedürfnisse und Motivationen von Menschen berücksichtigen und dann Konzepte entwickeln, die mehrfach geprüft werden. Der Prozess zielt darauf ab, möglichst unterschiedliche Erfahrungen, Meinungen und Perspektiven hinsichtlich einer Problemstellung zusammenzubringen. Design Thinker schauen durch die Brille des Nutzers auf das Problem und begeben sich dadurch in die Rolle des Anwenders. Damit kann sich die Methode für die Entwicklung innovativer Produkte in wettbewerbsintensiven Märkten eignen.

Design Thinking vereint die drei grundlegenden Aspekte:

  • Nutzen,
  • Umsetzbarkeit und
  • Marktfähigkeit.

Wie ein Design-Thinking-Prozess abläuft

Design Thinking lebt von der Iteration. Ein wesentliches Element ist der klar strukturierte Prozess, der sich in iterativen Schleifen vollzieht. So wird früh prototypisiert und Einsichten werden wiederholt rekapituliert. Es gibt verschiedene Vorgehensmodelle für den Design-Thinking-Prozess. Im Folgenden wird das Modell nach der D-School des Hasso-Plattner-Instituts vorgestellt. Dieses klassische Prozessmodell umfasst sechs Phasen:

  • Understand: Zunächst geht es darum, das Problemfeld zu verstehen. Alle Teammitglieder sollen zu Experten werden. Dafür wird ein Glossar angelegt und ein gemeinsamer Arbeitsplatz eingerichtet. Zudem werden Recherchemaßnahmen eingeleitet.
  • Observe: In diesem Schritt erfolgt eine umfassende, vorurteilsfreie Auseinandersetzung mit der Zielgruppe durch Beobachten, Befragen und Interagieren. Es gilt, die Zielgruppe und deren Bedürfnisse zu erfassen und zu verstehen. Auch der offene Dialog mit Menschen außerhalb der Zielgruppe kann Inspiration liefern. Außerdem gilt es analoge Problemsituationen und deren Lösungen zu studieren. Wichtig ist, die Büroräume zu verlassen und in den Lebensalltag relevanter Interessensgruppen einzutauchen.
  • Point-of-view: Die gewonnen Einsichten werden nun in einem gemeinsamen Standpunkt zusammengeführt. Dazu tauschen sich die Teammitglieder aus. Durch sogenanntes Storytelling erzählen sie sich ihre Erkenntnisse und Erfahrungen. Durch Fragen und Dialog werden die Einsichten zu einem gemeinsamen Gesamtbild verknüpft. Anhand von Abstraktion werden Informationen zusammengefasst und Muster identifiziert. Dabei können auch widersprüchliche Beobachtungen der Teammitglieder auftauchen. Ziel ist ein gemeinsamer Wissenstand.
  • Ideate: Nun erfolgt die Ideengenerierung. Hierfür kann prinzipiell jede beliebige Kreativitätstechnik wie zum Beispiel Brainstorming angewendet werden. Ziel ist das Produzieren von möglichst vielen Ideen. Aus dieser Menge an Ideen werden die vielversprechendsten bezüglich Attraktivität, Umsetzbarkeit und Wirtschaftlichkeit ausgesucht. Aufgrund der Orientierung am Nutzer ist Attraktivität etwas stärker zu gewichten als Umsetzbarkeit und Wirtschaftlichkeit.
  • Prototype: Die ausgewählten Ideen müssen nun schnell anhand von Prototypen auszuprobieren. Dabei können Prototypen viele verschiedene Formen annehmen: vom Papiermodell über ein Rollenspiel bis hin zu Storytelling. Es geht darum, die Idee zu verstehen und weiterzuentwickeln.
  • Test: Sobald die Prototypen konkrete Formen annehmen, erfolgt ein offener Dialog mit der Zielgruppe. Das daraus entstehende Feedback gibt weitere Ansatzpunkte für Verbesserungen und Alternativen.

Häufig wird Design Thinking auch in diese fünf Schritte eingeteilt.
Häufig wird Design Thinking auch in diese fünf Schritte eingeteilt.
(Bild: ©Dmitry - stock.adobe.com)

Design Thinking sorgt für praxisnahe Ergebnisse

Design Thinking fordert eine stetige Rückkopplung zwischen dem Entwickler einer Lösung und seiner Zielgruppe. Design Thinker stellen dem Endnutzer Fragen, nehmen seine Abläufe und Verhaltensweisen genau unter die Lupe. Lösungen und Ideen werden in Form von Prototypen möglichst früh sichtbar und kommunizierbar gemacht, damit potentielle Anwender sie – noch lange vor der Fertigstellung oder Markteinführung – testen und ein Feedback abgeben können. So schafft Design Thinking praxisnahe Ergebnisse.

Wer hat's erfunden und wofür wird es eingesetzt?

Design Thinking wurde von David Kelley, Gründer der Design-Agentur Ideo im Silicon Valley, entwickelt und ist maßgeblich von den Professoren Terry Winograd und Larry Leifer der amerikanischen D.School an der Stanford University geprägt worden. Der Begriff Design Thinking lehnt sich an die Arbeit von Designern an, die scheinbar intuitiv dem oben beschriebenen Rahmenwerk folgen.

Das Framework mit seinem Methodenbaukasten kann prinzipiell für Problemstellungen jeder Art eingesetzt werden – seien es komplexe technische Fragestellungen, neue Wege in der Produktentwicklung oder auch für die Entwicklung von Dienstleitungen und Services.

Voraussetzungen für erfolgreiches Design Thinking

Team, Raum, Prozess – das sind die drei wesentlichen Elemente von Design Thinking. Der Erfolg wird maßgeblich durch eine gemeinschaftliche Arbeits- und Denkkultur bestimmt. Innovation und Antworten auf komplexe Fragestellungen entstehen am besten in einem heterogenen Team aus fünf bis sechs Personen. Unterschiedliche fachliche Hintergründe und Funktionen sowie Neugier und Offenheit für andere Perspektiven sind das Fundament der kreativen Arbeitskultur.

Damit ein Team seinen Kreativprozess entwickeln kann, benötigt es dafür optimierte räumliche Gegebenheiten. Dazu gehören flexibel bewegbare Möbel, Platz für Whiteboards und Präsentationsflächen sowie Materialien zur prototypischen Gestaltung von Ideen, beispielsweise Legosteine, Stoffe und Bilder.

Quellen:

Hasso-Plattner Institut

www.kreativitätstechniken.info

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