Komplexitätsdruck, KI & Kostentransparenz: Wie sieht das Engineering von morgen aus? Das Konstruktionsleiter-Forum 2026 zeigt echte Wege aus der Praxis auf – von agentischer KI bei Hansgrohe bis zum zeichnungslosen Konstruieren.
Zeichnungslos, KI-gestützt, vernetzt: Über die Zukunft der Produktentwicklung wird auf dem fünften Konstruktionsleiter-Forum am 29. Oktober in Würzburg diskutiert.
(Bild: VCG/Stefan Bausewein)
Die Spielregeln der Produktentwicklung verändern sich im Jahr 2026 rasanter denn je. Wo früher exzellente Hardware im Zentrum stand, verschmelzen heute physische Bauteile und digitale Systeme zu vernetzten, lernfähigen Einheiten. Dieser technologische Wandel erhöht jedoch die Komplexität im Entwicklungsalltag drastisch. Wie Konstruktionsleiter, Entwickler und Ingenieure diese Komplexität nicht nur beherrschen, sondern gezielt als strategischen Wettbewerbsvorteil nutzen können, steht im Mittelpunkt des Konstruktionsleiter-Forums 2026 am 29. Oktober in Würzburg.
Die aktuellen Herausforderungen in der Produktentwicklung zu meistern ist kein Kinderspiel.
(Bild: KI-generiert / Gemini)
Komplexität beherrschen: Die neuen Spielregeln der Produktentwicklung
Jede konstruktive Entscheidung hat heute weitreichende und oft intransparente Auswirkungen auf spätere Fertigungsschritte, Softwarearchitekturen und Systemfunktionen. In seiner Keynote verdeutlicht Prof. Dr.-Ing. Michael Riesener (RWTH Aachen University), dass Komplexitätsmanagement längst keine methodische Kür mehr ist, sondern zur absoluten Schlüsselkompetenz wird. Moderne Entwickler nutzen nicht mehr nur klassische CAD- und PLM-Tools, sondern integrieren datenbasierte Entscheidungshilfen und Automatisierungen in ihre Arbeitsprozesse. Dadurch lassen sich Geschwindigkeit und Qualität der Entwicklung steigern, ohne die Kontrolle über vernetzte Produktarchitekturen zu verlieren.
Highlight zur Abendveranstaltung: Bionik für Entscheider
Prof. Dr. Claus Mattheck, Karlsruher Institut für Technologie (KIT).
(Bild: Mattheck)
Prof. Dr. Claus Mattheck, einer der weltweit führenden Experten für Biomechanik, demonstriert in seinem Vortrag auf der Abendveranstaltung des Konstruktionsleiter-Forums (28. Oktober 2026), wie die Natur komplexeste statische Probleme mit verblüffend einfachen Prinzipien löst.
Er macht die Bionik als konkretes Werkzeug für den modernen Maschinenbau nutzbar – für intelligentes Design, das Materialverschwendung stoppt, das Gewicht reduziert und die Belastbarkeit von Bauteilen maximiert.
Ein inspirierendes Highlight für Entwicklungsentscheider beim informellen Abendausklang!
Ein zentraler Themenschwerpunkt des Forums ist der Übergang von KI-Prototypen hin zu verlässlichen, produktiven Werkzeugen im Engineering.
Agentische KI im Badspezialisten-Alltag: Bei Hansgrohe agiert agentische KI bereits als „virtueller Engineering-Mitarbeiter“. In Zusammenarbeit mit Synera übernimmt das System verlässlich Routineaufgaben wie Zeichnungsprüfungen und die technische Dokumentation. Dies entlastet Ingenieure von ungeliebten Verwaltungsarbeiten und schafft wieder Raum für kreative Entwicklungsarbeit.
Produktdaten-Intelligenz & Sollpreisberechnung: Über 70 Prozent der Herstellkosten werden bereits im Entwurfsstadium der Konstruktion festgelegt – doch verlässliche Kostenrückmeldungen treffen in vielen Betrieben erst Wochen nach dem Modellieren ein. Hans-Peter Gysel (Luminarity AG) demonstriert, wie die KI Luminarity hunderte kostentreibende Parameter autonom aus 3D-Modellen, Zeichnungen und ERP-Daten extrahiert. Das System berücksichtigt physikalische Fertigungsgesetze als harte Nebenbedingungen und liefert in Echtzeit belastbare Sollkostenprognosen direkt am CAD-Arbeitsplatz – ganz ohne langwierige Schleifen mit der Kalkulationsabteilung.
Wertschöpfung liegt im Gedanken: Marc Rogalsky und Max Alexew (Benteler Mechanical Engineering) zeigen, wie manuelle Tätigkeiten wie Datenübertragungen durch konsequente CAD-Automatisierung reduziert werden. Mit intelligenten Startbaugruppen und KI-unterstützter Makro-Erstellung konnten Durchlaufzeiten verkürzt, Fehlerquoten gesenkt und Kosten um 30 bis 40 Prozent reduziert werden.
KI-Agenten in der Simulation: Dr. Phillip Oberdorfer (Comsol Multiphysics GmbH) erläutert, wie KI-Agenten Automatisierungscode schreiben, Modelle aufbauen und Berechnungsabläufe beschleunigen. Die fachliche Bewertung und physikalische Validierung bleiben dabei weiterhin in der Hand des Ingenieurs.
Durchgängige digitale Prozessketten: Zeichnungslos und serverfrei
Medienbrüche zwischen Konstruktion, Fertigung und IT-Systemen bremsen viele Entwicklungsabteilungen aus. Das Forum präsentiert praxiserprobte Alternativen:
Model-Based Definition (MBD): Lucca Flum und Günther Probst von Bucher Hydraulics berichten über die Umstellung auf das zeichnungslose Konstruieren. Das 3D-CAD-Modell dient als zentrale Datenquelle („Single Source of Truth“), in der Bemaßungen, Toleranzen und Fertigungshinweise (PMI) direkt hinterlegt sind. Das reduziert den Konstruktionsaufwand um rund 30 Prozent und minimiert Übertragungsfehler in Fertigung und Qualitätssicherung.
Live-Migration ohne Server-Infrastruktur: Werner & Pfleiderer Lebensmitteltechnik tauschte bei laufendem Betrieb zeitgleich Solidworks gegen Onshape und ein veraltetes DOS-ERP gegen Odoo 18 aus. Martin Meingassner (allinbrowser.com) zeigt in einer ungeschönten Live-Demo, wie Stücklistenänderungen direkt per Webhook aus dem Browser-CAD ins ERP übertragen werden – völlig ohne eigene Server oder teure Middleware.
Exklusives Fachevent am Vortag
💡 Konstruktionsleiter-Forum SPOTLIGHT: Maschinenverordnung & Cyber Resilience Act 📅 Termin: 28. Oktober 2026 📍 Ort: Vogel Convention Center Würzburg
Das Konstruktionsleiter-Forum SPOTLIGHT am 28. Oktober widmet sich vertieft den rechtlichen und technischen Vorgaben der neuen EU-Maschinenverordnung (MVO 2027) sowie den Meldepflichten des Cyber Resilience Acts (CRA 2026). Experten erläutern dort die direkten Auswirkungen auf Risikobeurteilungen, Schwachstellenmanagement und Freigabeprozesse in der Konstruktion.
Vom Compliance-Tool zum zirkulären Engineering: Ab 2027 wird der Digitale Produktpass (DPP) schrittweise Pflicht. Christian Kürpick (Fraunhofer IEM) und Böllhoff demonstrieren am Beispiel des Forschungsprojekts iPassPro, wie Felddaten aus Nutzung, Wartung und Recycling mittels KI aufbereitet werden. So wird der DPP zum wertvollen Rückkopplungssystem für langlebigere und nachhaltigere Produkte.
Standortbestimmung per Capability Assessment: Josefine Meibert (Fraunhofer IEM) stellt ein pragmatisches Bewertungsschema vor, mit dem Unternehmen ihre tatsächlichen Effizienzfresser an den Schnittstellen von IT, Prozessen und Organisation identifizieren, bevor sie unüberlegt in KI-Werkzeuge investieren.
Smart Engineering im Mittelstand: Dirk Franzmann (Plasmatreat GmbH) teilt ehrliche Erfahrungen aus der Praxis und plädiert dafür, agile Methoden, 3D-Druck und KI gezielt zu kombinieren – mit dem klaren Fokus: „Machen geht vor Perfektion“.
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Das Konstruktionsleiter-Forum 2026 bietet Entwicklern, Konstrukteuren und Führungskräften am 29. Oktober 2026 in Würzburg konkrete Werkzeuge, ehrliche Erfahrungsberichte und wertvollen Austausch auf Augenhöhe– Gelegenheit dazu bietet zum Beispiel die Abendveranstaltung im Maschinenhaus des Bürgerbräu Würzburg. Auch während der Veranstaltung bleibt Zeit für den Austausch. Zudem präsentieren zahlreiche Aussteller ihre Produkte, Lösungen und Ansätze auf der Meet-the-Experts-Bühne.
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