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Automatisierung Verstärkt Industrie 4.0 das soziale Ungleichgewicht?

| Redakteur: Katharina Juschkat

Dass Roboter Arbeitsplätze gefährden, wird öfter diskutiert. Eine neue Modellberechnung von Wirtschaftswissenschaftlern bestätigt das nun - und kommt zu überraschenden Ergebnissen.

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Gefährden Roboter Arbeitsplätze? Aktuelle Rechenmodelle von Wirtschaftswissenschaftlern bestätigen das.
Gefährden Roboter Arbeitsplätze? Aktuelle Rechenmodelle von Wirtschaftswissenschaftlern bestätigen das.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Die Automatisierung bringt uns viele Vorteile – schnellere und individuelle Produkte, kostengünstigere Produktion, weniger monotone Arbeiten. Doch sie führt auch zu mehr wirtschaftlicher und sozialer Ungleichheit, vor allem Menschen mit geringer Qualifikation haben das Nachsehen. Zu diesen Ergebnissen kommen Wirtschaftswissenschaftler der Universität Hohenheim gemeinsam mit der Universität Göttingen in Stuttgart, die ein neues Rechenmodell entwickelt haben.

Automatisierung fehlte bisher in Wachstumsmodellen

Um langfristige Entwicklungen und Wirtschaftswachstum zu erklären, verwenden die Forscher Rechenmodelle, in die sie Eckdaten einspeisen. Wenn sie wissen wollen, wie sich bestimmte Maßnahmen oder Änderungen auswirken, ändern sie die entsprechenden Parameter in ihrem Modell – und können so einen Blick in die Zukunft werfen. Bisher jedoch fehlte die Automatisierung in diesen Wachstumsmodellen, die Basis-Modelle stammen aus den 1990er Jahren.

Das haben die Wissenschaftler jetzt korrigiert. Das heißt, dass es nicht wie bisher im Modell nur Maschinen und Arbeitskräfte gibt, welche in einem relativ starken Ausmaß komplementär sind, sondern jetzt auch die Automatisierung als Substitut für Arbeit mit einberechnet wird. Neu im Berechnungsmodell sind auch Bildungsentscheidungen: Ob man sich für eine Hochschule entscheidet oder nicht, hängt beispielsweise vom künftigen Einkommen ab.

Mehr Hochschulabsolventen, mehr Arbeitslose

Als Ergebnis sagt das modifizierte Modell voraus, dass die Automatisierung zu einem steigenden Anteil an Hochschulabsolventen führt. „Sie zwingt gewissermaßen die klügeren Köpfe, mehr in ihre eigene Bildung zu investieren“, erläutert Prof. Prettner. „Die anderen werden so jedoch immer mehr abgehängt.“ Das Ergebnis: Die Einkommensschere zwischen den Hochqualifizierten und den gering Qualifizierten klafft immer weiter auseinander, und die Arbeitslosigkeit bei Geringqualifizierten nimmt zu.

Mit einer Robotersteuer kann man Ungleichheit weniger wirksam bekämpfen als bisher gedacht.

Prof. Prettner

Um zu testen wie sich wirtschaftspolitische Gegenmaßnahmen auswirken, haben die Forscher auch eine Robotersteuer und eine progressive Einkommenssteuer in ihr Modell eingebaut, und berechnet, was geschieht, wenn man mit den Steuereinnahmen unterschiedliche Maßnahmen finanziert.

Modellrechnung zeigt überraschende Ergebnisse

Betrachtet wurde eine direkte Umverteilung an Menschen mit niedrigem Einkommen und eine Bildungssubvention. Die Ergebnisse überraschten die Forscher. Ein Beispiel: Eine Robotersteuer senkt die Innovationsbereitschaft in den Unternehmen. Dadurch sinken die Löhne der Hochqualifizierten im Vergleich zum Basisszenario, was wiederum die Investition in eine Hochschulausbildung uninteressanter macht. Zudem gibt es mehr Konkurrenz um die Arbeitsplätze für gering Qualifizierte, was deren Löhne senkt und potenziell deren Arbeitslosigkeit erhöht. „Mit einer Robotersteuer kann man Ungleichheit daher weniger wirksam bekämpfen als bisher gedacht“, sagt Prof. Prettner.

Durch eine Bildungssubvention wiederum lässt sich zwar der durchschnittliche Lohn steigern, sie führt jedoch zu höherer Ungleichheit: Sie wird von den Steuern aller bezahlt, es profitieren jedoch nur die gut Ausgebildeten. „Das Modell zeigt, dass einfache Lösungen nicht immer zu den gewünschten Effekten führen“, warnt Prof. Dr. Prettner. Seine Empfehlung: „Alle Politikmaßnahmen sollte man vorab genau überlegen und modellbasiert betrachten.“

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