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Corona-Krise Schaeffler will 4400 Stellen abbauen

| Redakteur: Juliana Pfeiffer

Der Autozulieferer Schaeffler verschärft aufgrund der Corona-Krise sein Sparprogramm. Bis Ende 2022 sollen 4.400 Mitarbeiter gehen. Betroffen seien zwölf Standorte in Deutschland und zwei in Europa. Das hat das Unternehmen mitgeteilt.

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Aufgrund der anhaltenden Krise in der Automobilbranche zieht Schaeffler die Konsequenz: Stellenabbau von 4.400 Jobs an zwölf deutschen und zwei europäischen Standorten.
Aufgrund der anhaltenden Krise in der Automobilbranche zieht Schaeffler die Konsequenz: Stellenabbau von 4.400 Jobs an zwölf deutschen und zwei europäischen Standorten.
(Bild: Schaeffler)

Schließtage, Abbau von Zeitkonten und Urlaubstagen sowie die Einführung von Kurzarbeit haben als Maßnahmen in der Corona-Krise nicht geholfen: Ein Abbau von 4.400 Stellen an insgesamt zwölf deutschen Standorten und zwei im europäischen Ausland bis Ende 2022, diesen Entschluss hat Autozulieferer Schaeffler aufgrund der anhaltenden Krise in der Automobilbranche getroffen. Durch dieses Maßnahmenpaket erhofft sich das Unternehmen ein Einsparpotenzial in Höhe von 250 bis 300 Millionen Euro jährlich. Dem gegenüber stehen Kosten für das Spar und Neuausrichtungsprogramm in Höhe von 700 Millionen Euro.

Wir haben frühzeitig alle notwendigen Schritte unternommen, um die aktuelle Krise zu bewältigen. Trotzdem sind angesichts der Marktentwicklung weitere Maßnahmen unvermeidlich, um die Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit der Schaeffler Gruppe langfristig zu verbessern

Klaus Rosenfeld, Vorstandsvorsitzender der Schaeffler AG

Bereits 2018 hatte Schaeffler angesichts der sich abzeichnenden technologischen und regulatorischen Veränderungen sowie geänderter Kundenanforderungen begonnen, seine Kapazitäten runterzufahren. So wurden im November 2018 drei Standorte in Großbritannien geschlossen. Im Rahmen des Effizienzprogramms RACE, das im Frühjahr 2019 startete, wurden seitdem unter anderem die drei Automotive-Standorte Hamm, Unna und Kaltennordheim verkauft.

Im September 2019 noch vor Ausbruch der Coronakrise startete das Unternehmen ein Freiwilligenprogramm aufgelegt, das aktuell noch umgesetzt wird und mit dem knapp 2.000 Stellen abgebaut werden sollen.

Die Zahl der Beschäftigten der Schaeffler Gruppe hat sich seit Ende 2018 um rund 8.250 Stellen von 92.478 auf 84.223 per Ende Juni 2020 verringert, was einem Rückgang um knapp 9 % entspricht. Die genannten Maßnahmen sind dabei bisher nur teilweise in den Beschäftigtenzahlen reflektiert.

-20 % weniger E-Fahrzeuge produziert

Trotz einer Belebung der Nachfrage in allen drei Sparten und vier Regionen in den letzten Monaten, bleibt die Unsicherheit über den weiteren Verlauf der Pandemie und die daraus resultierende Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage hoch. Zudem deuten die Markt- und Umsatzerwartungen für den Zeithorizont bis 2025 laut Schaeffler auf eine langsame Erholung hin, was strukturelle Unterauslastungen der Produktionswerke zur Folge hat.

Insbesondere der Automobilsektor, der sich bereits zuvor in einem Strukturwandel hin zur E-Mobilität befand, wird durch die Coronakrise hart getroffen. Die für das Jahr 2020 erwartete globale Produktion von Fahrzeugen liegt mit minus 20 Prozent signifikant unter Vorjahr. Ein Erreichen des Vorkrisenniveaus wird frühestens 2024 erwartet. Aber auch die globale Industrieproduktion wird im Jahr 2020 mit schätzungsweise minus 8 bis minus 12 % deutlich rückläufig sein.

In Anbetracht der wirtschaftlichen Lage sind daher neben temporären Maßnahmen, die auch weiterhin voll ausgeschöpft werden, zusätzliche strukturelle Maßnahmen zwingend erforderlich.

Das Maßnahmenpaket hat zwei Stoßrichtungen:

  • 1. Abbau von strukturellen Überkapazitäten und die Konsolidierung von Standorten in Europa mit dem Schwerpunkt Deutschland
  • 2. Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit und den Ausbau von lokalen Kompetenzen an ausgewählten deutschen Standorten

Diese Standorte sind betroffen

Neben den Großstandorten Herzogenaurach, Bühl, Schweinfurt, Höchstadt und Homburg sind vor allem Standorte mit einem technologisch auslaufenden Produktportfolio oder kleinteiligen Werksstrukturen vom Kapazitätsabbau und der Konsolidierung betroffen.

Zu den Standorten mit kleinteiligen Werkstrukturen gehören die Produktionsstandorte Wuppertal, Luckenwalde (Brandenburg) und Eltmann, der Schaeffler-Engineering-Standort in Clausthal-Zellerfeld sowie die Aftermarket-Betriebsstätten Hamburg und Köln.

Standort Wuppertal:

  • eine Standortschließung sei nach mehrjähriger Prüfung sämtlicher Optionen eine nicht mehr auszuschließen
  • die Produktion soll teilverlagert werden, um so viele Arbeitsplätze wie möglich in Deutschland zu erhalten

Standort Luckenwalde

  • hier sollen Aktivitäten teilverlagert werden
  • gleichzeitig wird nach alternativen Nutzungs- und Verkaufsmöglichkeiten gesucht

Standort Eltmann

  • Produktion wird nach Schweinfurt integriert
  • überwiegender Anteil der Arbeitsplätze bleibe damit in geographischer Nähe erhalten

Standort Clausthal-Zellerfeld

  • wird geschlossen, sofern sich kurzfristig keine Verkaufsmöglichkeit ergibt

Den Beschäftigten der Aftermarket-Betriebsstätten Hamburg und Köln wird angeboten, soweit möglich, künftig aus dem Home-Office heraus zu arbeiten.

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Verwaltungsbereiche werden reduziert

An den Standorten Herzogenaurach, Schweinfurt, Bühl sowie Homburg sollen die Verwaltungsbereiche der Zentralfunktionen und der Sparten reduziert werden.

Genauere Angaben zu den Planungen an den jeweiligen Standorten werden in lokalen Mitarbeiterversammlungen vorgestellt. Finale Ergebnisse können dabei erst nach dem Abschluss der Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern über die notwendigen Interessenausgleiche kommuniziert werden.

Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit und Ausbau von lokalen Kompetenzen

Als zweiter Bestandteil des Maßnahmenpakets bündelt die Schaeffler Gruppe lokale Technologie- und Produktionskompetenzen an den Standorten Herzogenaurach, Höchstadt, Bühl und Schweinfurt und stärkt damit die Wettbewerbs-fähigkeit des Unternehmens sowie ausgewählte Standorte in Deutschland.

Der Sitz der Sparte Automotive Aftermarket in Langen wird zudem durch Personal-transfers ausgebaut.

Am Standort Herzogenaurach, dem Hauptsitz der Schaeffler Gruppe, soll ein hochmodernes Zentrallabor aufgebaut und zukünftig das Kompetenzzentrum für Wasserstofftechnologie angesiedelt werden.

Buchtipp

Das Buch Praxishandbuch Antriebsauslegung hilft bei der Auswahl der wesentlichen Bestandteile elektrischer Antriebssysteme: Motor, Getriebe, Stellgerät, Netzversorgung sowie deren Zusatzkomponenten. Auch auf die Berechnung wird intensiv eingegangen.

Höchstadt wird zum reinen Automobil-Standort

Höchstadt erhält ein Kompetenzzentrum für den Werkzeugbau, das die vorhandenen Kapazitäten aus Herzogenaurach übernimmt. Im Gegenzug werden die Aktivitäten der Sparte Industrie von Höchstadt nach Schweinfurt verlagert, so dass Höchstadt ein reiner Automobil-Standort wird.

Der StandortBühl, Sitz der Sparte Automotive OEM, wird als Kompetenzzentrum für E-Mobilität und die Serienfertigung von Elektromotoren ausgebaut. In diesem Zusammenhang werden zusätzlich 500 Stellen in Bühl entstehen, die in der ursprünglichen Planung zunächst für den Standort Szombathely in Ungarn vorgesehen waren. Der Aufbau des Werkes in Ungarn ist davon nicht betroffen.

Standort Schweinfurt, Sitz der Sparte Industrie, wird durch die Bündelung der Wertschöpfung für die klassischen Lagerprodukte im mittleren- und großen Durchmesserbereich eine klare Stärkung der Kompetenz erhalten. Gestärkt werden soll auch die Hauptentwicklungsaktivität für Zukunftsfelder der Sparte Industrie, wie zum Beispiel der Bereich Robotik. Zudem wird ein Innovationszentrum für gruppenweite Industrie-4.0-Themen errichtet. Zusätzlich ist der Ausbau des Bereichs Aerospace-Spezialprodukte vorgesehen.

Daneben steht das AKO-Logistik-Zentrum in Halle kurz vor der Inbetriebnahme. In Halle werden mit Unterstützung der Schaeffler Gruppe bei einem externen Dienstleister rund 600 Arbeitsplätze mit Tarifbindung geschaffen.

Derzeit befindet sich Schaeffler mit den Arbeitnehmervertretern in einem konstruktiven Dialog mit dem Ziel, die strukturellen Maßnahmen mithilfe eines Mix von unterschiedlichen Instrumenten zu realisieren.

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