Im Maschinen- und Fahrzeugbau sowie in der Schwerindustrie kommen häufig rotierende Wellen und Gehäuse zum Einsatz. Die Herausforderung besteht darin, Komponenten so abzudichten, dass Öl oder Fett nicht raus, Schmutz, Staub und Wasser aber nicht rein kommen.
CAD Zeichnung eines eingebauten Radial-Wellendichtrings (Schnittansicht); nummeriert; nach DIN 3760 A: Welle B: Gehäuse C: Flüssigkeitsseite D: Luftseite 1: Metallring 2: Dichtlippe 3: Schlauchfeder 4: Staublippe (optional)
Rotationsdichtungen wie beispielsweise Radialwellenringe sind so konzipiert, dass sie bei Rotationen Flüssigkeiten von innen sowie Schmutz und Wasser von außen sicher und dauerhaft trennen.
Welche Dichtung ist die richtige?
Diese Aufgabe übernehmen spezielle Rotationsdichtungen: ringförmige Dichtelemente aus Elastomeren wie Fluorkautschuk (FKM) und NBR (Acrylnitrilbutadien-Kautschuk) oder aus PTFE (Polytetrafluorethylen), besser bekannt unter dem Handelsnahmen Teflon. Die Wahl des Werkstoffs hängt vom jeweiligen Einsatzgebiet und den herrschenden Betriebsbedingungen ab.
Jetzt unser E-Paper kostenlos lesen
In Zeiten von Homeoffice und Coronakrise erreichen unsere Hefte nicht mehr jeden Leser. Damit Sie dennoch alle wichtigen Informationen zur Verfügung haben, bieten wir unsere E-Paper kostenlos zum Lesen an!
Entscheidende Faktoren sind die Umfangsgeschwindigkeit (Durchmesser und Drehzahl der Welle), die Temperatur und der Druck sowie der Schmutz- und Staubanfall von außen und innerhalb des abzudichtenden Aggregats. So eignet sich der Werkstoff NBR nicht zum Abdichten rotierender Wellen etwa in einem Kieswerk, da er Kies und Betonstaub, die zu Defekten der Welle führen können, nicht dauerhaft abhält.
Weitere Einflussfaktoren sind die Schwingungen, die bei der Rotation entstehen, sowie die Art der abzudichtenden Medien. So haben Schmieröle auf Mineralöl- und synthetischer Basis andere Anforderungen als flüssige, pastöse und gasförmige Medien. Chemische Wechselwirkungen wie die Ausdiffundierung von Weichmachern etwa können zu Defekten im Dichtkantenbereich führen.
Die Oberflächenbeschaffenheit der abzudichtenden Gegenlauffläche ist ebenfalls von entscheidender Bedeutung– sowohl für die Qualität der Abdichtung als auch für die Lebensdauer der Dichtung. Im Prinzip gilt: Je höher die Umfangsgeschwindigkeit, desto härter muss die Welle sein. Rundlaufabweichungen sollten grundsätzlich vermieden oder zumindest in Grenzen gehalten werden. Vor allem bei hohen Geschwindigkeiten besteht die Gefahr, dass die Dichtlippe der Welle nicht mehr folgen kann.
Vielfach bewährt: Radialwellenringe
Zur Abdichtung von rotierenden Standardanwendungen mit durchschnittlichen Umfangsgeschwindigkeiten haben sich vor allem so genannte Radialwellendichtringe (RWD) bewährt. Diese Rotationsdichtungen verfügen über eine gute statische Abdichtung und ein geringes Korrosionsrisiko. Und sie funktionieren auch dann noch, wenn die abzudichtenden Oberflächen eine gewisse Rauhigkeit aufweisen. Ein RWD setzt sich aus der Außenfläche, einem Versteifungsring sowie einer Feder zum Spannen der Dichtlippe zusammen. Der Versteifungsring gibt Stabilität.
Durch die Struktur der Dichtlippe im Kontaktbereich zur Welle kann kein Fluid austreten, Leckagen sind damit ausgeschlossen. Sichergestellt ist auch, dass es bei der Rotation immer ausreichend Schmierstoff im Dichtspalt gibt, so dass ein dauerhaftes Trockenlaufen der Dichtung vermieden wird. Das schützt vor einem vorzeitigen Verschleiß der Dichtlippe und verlängert die Lebensdauer der gesamten Dichtung.
Wissen ist Wettbewerbsvorteil!
Bleiben Sie auf dem Laufenden: Mit unserem Newsletter informiert Sie die Redaktion der konstruktionspraxis immer dienstags und freitags zu Themen, News und Trends aus der Branche.
Die Montage von Radialwellendichtringen ist verhältnismäßig einfach. Wichtig ist, die Einbauräume zu reinigen, scharfkantige Übergänge zu beseitigen und die Dichtung zentrisch sowie rechtwinklig zur Welle anzubringen. Zu beachten ist zudem, dass ein einmal demontierter Radialwellendichtring – etwa nach einer Wartung – aus Sicherheitsgründen nicht erneut verbaut werden sollte, auch wenn er äußerlich unbeschädigt ist.
Alternativen zu Radialwellenringen
Aufgrund der Verwendung von Schmierstoffen eigenen sich Radialwellenringe allerdings nicht für jeden Einsatz. Maschinen und Anlagen in der Lebensmittelindustrie – etwa die Drehdurchführung einer Getränkeabfüllanlage – sollten aus hygienischen Gründen nicht damit abgedichtet werden.
Auch bezüglich Temperatur, Umfangsgeschwindigkeit, Medium, Druck oder eine Kombination dieser Einflüsse sind die verschiedenen Elastomer-Qualitäten nicht für jeden Einsatzbereich geeignet. Die hohen Umfangsgeschwindigkeiten von Renngetrieben beispielsweise überfordern RWD-Dichtungen. Die hohe Reibungswärme führt zur Rissbildung an der Dichtkannte, eine verhinderte Wärmeabführung kann die Bildung von Ölkohle zur Folge haben. Hier sind spezielle Dichtlippen aus PTFE gefragt, die eine höhere physiologische und thermische Beständigkeit aufweisen. Für Einsätze unter Bedingungen, bei denen mit verstärktem Schmutz- oder Staubanfall von außen zu rechnen ist, werden Radialwellendichtringe mit spezieller Staublippe konzipiert. Diese verhindert, dass Partikel unter die Dichtkante gelangen und trägt damit zur Funktionssicherheit des gesamten Systems bei.
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel Communications Group GmbH & Co. KG, Max-Planckstr. 7-9, 97082 Würzburg einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von redaktionellen Newslettern nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung, Abschnitt Redaktionelle Newsletter.
Bei kürzeren Einsätzen sind auch X-Ringe oder Quad-Ringe geeignet, um rotierende Wellen abzudichten. Bei Umfangsgeschwindigkeiten ab 0,5 m/s wirkt sich allerdings das so genannte Roto-Prinzip aus: Da sich ein gedehnter Elastomer-Ring durch die Reibungswärme zusammenzieht (Joule-Effekt), kommt es zu einer höheren Anpressung auf die rotierende Welle, was eine Schmierfilmbildung der Dichtung verhindert und damit eine erhöhte Reibung zur Folge hat.
Eines haben Quad-Ring, RWD sowie andere Arten von Rotationsdichtungen gemeinsam: Die Auswahl des geeigneten Werkstoffes erfolgt immer in Abhängigkeit vom jeweiligen Einsatzgebiet. Wichtigste Einflussfaktoren sind dabei Temperatur, Druck und das abzudichtende Medium.