Produktentstehungsprozess Optimierung der Produktentwicklung mit Scrum

Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Monika Zwettler

Bei manchen Projekten ist es einfach so: Obwohl Zeit und Kosten davon galoppieren, bleiben die Resultate eine Enttäuschung – und der Druck nimmt immer weiter zu. Ein großer Landmaschinenhersteller hat dies bei der Entwicklung einer neuen Pflanzmaschine durchlebt – bis zu dem Punkt, an dem das Projekt in vier Schritten auf neue und agile Füße gestellt wurde.

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Da war der Wurm drin: Ein komplexes Produktentwicklungsprojekt eines Ladndmaschinenherstellers drohte aus verschiedenen Gründen zu scheitern. Der Umstieg auf Scrum war schließlich ein Erfolg.
Da war der Wurm drin: Ein komplexes Produktentwicklungsprojekt eines Ladndmaschinenherstellers drohte aus verschiedenen Gründen zu scheitern. Der Umstieg auf Scrum war schließlich ein Erfolg.
(Bild: ©littlewolf1989 - stock.adobe.com)

Keine Seltenheit: Ein wichtiges Entwicklungsprojekt bei einem Landmaschinenunternehmen drohte zu scheitern. Verantwortlich dafür war eine ungute Mischung mehrerer Faktoren:

  • ein hohes Maß an organisatorischer und technischer Komplexität,
  • nicht realisierbare Termin- und Kostenplanungen,
  • sich verändernde Anforderungen und
  • ein inzwischen frustriertes Entwicklerteam.

Vor allem wegen der Unübersichtlichkeit des Projektes schien es auch nicht mehr möglich, konkrete Ursachen für den schlechten Verlauf zu identifizieren. Es musste sich also etwas ändern. In dieser Lage entstand daher der Gedanke, das Projekt mit agilen Methoden neu anzugehen.

Agilität: auch eine Frage der Unternehmenskultur

Der Landmaschinenhersteller wandte sich unter anderem an die Experten von CO Improve, ein Beratungsunternehmen spezialisiert auf die agile Entwicklung komplexer mechatronischer Produkte. Im Rahmen eines „Agile Awareness Days“ wurde dem Thema „Agile Unternehmenskultur“ zunächst ein Arbeitstag gewidmet, um es mit allen Mitgliedern der Geschäftsleitung zu diskutieren. Ziel war es, allen Beteiligten bewusst zu machen, was ein agiles Pilotprojekt für das gesamte Unternehmen und das Topmanagement in der Konsequenz bedeutet.

Unsere Erfahrung hat gezeigt, dass sich viele Unternehmen zwar für agiles Arbeiten interessieren, aber nicht wirklich bereit sind, die nötigen Rahmenbedingungen zu schaffen. Damit wäre ein Scheitern vorprogrammiert. Stattdessen sollten alle Verantwortlichen schon im Vorfeld genau verstehen, welche Ansätze sie in ihr Unternehmen einführen und wie sich Führung und Arbeitskultur verändern werden.

CO-Improve-Projektleiter Gerrit Gerland

Das Management des Landmaschinenherstellers hat das Konzept der agilen Methodik Scrum überzeugt. So konnte das Projekt Schritt für Schritt umgesetzt werden.

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Schritt eins: Implementierung des Veränderungsteams

Um festzustellen, wo genau welcher Veränderungsbedarf besteht und wie sich die Hindernisse beseitigen lassen, wurde zunächst ein übergeordnetes Projektteam „Veränderung“ gebildet. Dieses Team wurde als erstes mit der iterativen Vorgehensweise bei Scrum vertraut gemacht. „Zentrale Elemente von Scrum sind klar definierte Rollen für alle Team-Mitglieder und die Organisation der Arbeit in so genannten ‚Sprints‘, die immer wieder zu einem nutzbaren Ergebnis führen“ ergänzt Gerland.

  • Als Orientierung dient das „Product Backlog“, das sämtliche Anforderungen an das Produkt und die Ziele des Projekts definiert.
  • Die Entwickler ziehen sich aus diesen umfassenden Anforderungen in Abstimmung mit dem so genannten „Product Owner“ für jeden Sprint die Aufgaben heraus, die sie erfahrungsgemäß in der vorgegebenen Zeit bewältigen können.
  • Unterstützt wird das Team vom „Scrum Master“, der die Aufgabe hat, dem Team bei der richtigen Anwendung der Scrum Praktiken zu helfen, Hindernisse aus dem Weg zu räumen und dem Team die Ressourcen und Mittel zu verschaffen, die es benötigt.

Ergänzendes zum Thema

Hier finden Sie weitere Informationen zur Agilen Arbeitsweise mit Scrum und zum Agilen Manifest als Grundlage.

Die Scrum-Spielregeln

Die Prinzipien hinter dem Agilen Manifest

Schritt zwei: Reduzierung der Komplexität

Sehr schnell identifizierte das Veränderungsteam die bereits überbordende Komplexität des geplanten Projektes als ein entscheidendes Hindernis. „Deshalb ist im Gesamtprojekt eine Aufteilung erfolgt. Fortan beinhaltete das Projekt eine Reihe an Modulen und funktionalen Baugruppen“, so Gerland weiter. Module und Baugruppen wurde dann von Modulteams und einem Funktionsteam bearbeitet, sodass die Entwicklungsaufgabe pro Team erheblich überschaubarer und klarer definiert wurde. Die übergeordnete Steuerung übernahm ein Team mit der Verantwortlichkeit für die Gesamtmaschine.

Schritt drei: Fokussierung und Priorisierung

Um allen beteiligten Entwicklern die Möglichkeit zu geben, sich auf die anstehenden Aufgaben zu fokussieren, musste das Projekt im Gesamtunternehmen klar priorisiert werden. In der Konsequenz heißt das, dass alle Team-Mitglieder mindestens 80 % ihrer Ressourcen, also mindestens vier Tage pro Woche ausschließlich auf das Projekt verwenden. Um diese Fokussierung in der Praxis durchzusetzen, wurde eine räumliche Trennung vollzogen: Die Entwicklungsteams wurden in einem separaten Gebäude untergebracht.

Doch alleine damit war es nicht getan. Tatsächlich hatte die Priorisierung erhebliche Auswirkungen auch auf andere Unternehmensteile. Schon die 80-%-Regel führte dazu, dass andere Mitarbeiter „alte“ Aufgaben der Teammitglieder übernehmen mussten. Diese Regelung sorgte bei Abteilungsverantwortlichen und Kollegen für nicht geringen Unmut. Gemeinsam mit dem Beratungspartner erarbeitete das Veränderungsteam ein Kommunikationskonzept, um auf allen Unternehmensebenen intensive Überzeugungsarbeit zu leisten und alle Stakeholder mit ins Boot zu holen.

Schritt vier: Das eigene Rollenverständnis neu definieren

Ein gewisses Maß an Überzeugungsarbeit war auch gegenüber der Geschäftsleitung geboten. Auch wenn sich deren Mitglieder bewusst für das agile Projekt entschieden hatten, fiel es in der Umsetzung nicht immer leicht, im Rahmen agiler Kultur die üblichen Kontrollimpulse und -routinen beiseite zu lassen, dem Team Vertrauen und Wertschätzung entgegen zu bringen und klares und konstruktives Feedback zu geben.

Hilfreich war in diesem Zusammenhang die Vereinbarung, dass auch die Führungsetage ausschließlich in den regelmäßigen so genannten ‚Sprint Reviews‘ über den aktuellen Projektstatus informiert wurde und nur hier die Gelegenheit bekam, Rückmeldungen an das Team zu geben. Als ebenso entscheidend wie das Feedback an das Team erwies sich dabei das Feedback aus dem Team an die Führungsverantwortlichen.

CO-Improve-Projektleiter Gerrit Gerland

Schließlich übernimmt die Führungsebene in einer agilen Kultur vor allem die Rolle, Mitarbeiter zu befähigen, dass sie ihre Aufgaben lösen können. „Damit war das Aufgabensetting der Führungsriege des Unternehmens klar umrissen“, erläutert Gerland. „Diese lautet: Die Eigenverantwortlichkeit der Mitarbeiter stärken, ihnen Hindernisse aus dem Weg räumen und für sie möglichst optimale Rahmenbedingungen schaffen.“

Agiler Erfolg ist gemeinsamer Erfolg

Im Ergebnis läuft das Projekt nun reibungsarm im realistischen Zeit- und Kostenrahmen. Der unrealistische, ursprüngliche Termin für die Präsentation des neu entwickelten Produkts musste nur um ein knappes halbes Jahr verschoben werden. Noch erfreulicher ist, dass sich aufgrund der gelungenen agilen Zusammenarbeit inzwischen alle Beteiligten, also Teammitglieder und Stakeholder, zu 100 % mit dem Projekt und der neuen Produktentstehungsweise identifizieren können. Das Unternehmen plant, auch in Zukunft weitere Aufgaben agil zu bearbeiten. Insgesamt wird eine hybride Struktur angestrebt, in der „einfache“ Aufgaben konventionell und komplexe Herausforderungen agil bearbeitet werden.

Über das Beratungsunternehmen CO Improve

CO Improve versteht sich als „Beratungsboutique“ für alle Themen der Produktentstehung und verbindet Fach-, Branchen- und Beratungskompetenz mit professionellem Veränderungsmanagement. Mit seinem ganzheitlichen Lösungsangebot positioniert sich das Unternehmen zwischen den großen Beratungshäusern und den Spezialisten für Einzelthemen der Produktentstehung.
CO Improve arbeitet vor allem für größere mittelständische Unternehmen und Konzerneinheiten und richtet sich konsequent an den Erfolgsfaktoren für eine nachhaltige Beratung aus:

  • den Menschen in den Mittelpunkt stellen
  • wertschätzend und auf Augenhöhe miteinander umgehen
  • die gleiche Sprache sprechen
  • unternehmensspezifische Lösungen erarbeiten
  • über spezielles Expertenwissen verfügen
  • deutsch denken, aber global agieren
  • die Spielregeln der eigenen Branche beherrschen und zugleich Erfahrungen aus anderen Branchen mitbringen
  • organisatorische Umsetzung begleiten

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