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Kabeltechnologie

Leitungen für weltgrößten Photovoltaik-Anlagenpark

| Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Sandra Häuslein

Die Prysmian Group liefert Solarleitungen und weitere Energiekabel nach Ägypten zum Bau des weltweit leistungsfähigsten Photovoltaik-Anlagenparks. Das soll er zumindest werden. Geplant ist, dass die Anlage nach Fertigstellung 1,8 GW Strom erzeugen kann.

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Die starke UV-Strahlung der Sonne und die Temperaturschwankungen in der ägyptischen Wüstenregion können Leitungen mit der Zeit porös werden lassen. Daher müssen die Solarleitungen extrem robust und beständig sein.
Die starke UV-Strahlung der Sonne und die Temperaturschwankungen in der ägyptischen Wüstenregion können Leitungen mit der Zeit porös werden lassen. Daher müssen die Solarleitungen extrem robust und beständig sein.
(Bild: Conecon)

Die ägyptische Regierung plant bis zum Jahr 2022 den Anteil der erneuerbaren Energien auf 20 % zu erhöhen. Auf einem abgelegenen Wüstengelände in der südägyptischen Region Benban soll daher der leistungsfähigste Photovoltaik-Anlagenpark der Welt errichtet werden. Die Anlage soll nächstes Jahr fertiggestellt werden und bis dahin 1,8 GW Strom erzeugen. Seit Ende Januar baut die Conecon GmbH in Benban drei Photovoltaik-Anlagen mit einer Gesamtleistung von 166,5 MW. Das Unternehmen verantwortet das Projektmanagement, die Baustellenlogistik und Bauarbeiten. Bis zur Inbetriebnahme der drei Anlagen sollen auf einem Gebiet von 270 Hektar insgesamt 500.000 Solarmodule installiert werden.

Solarleitungen bergen größtes Fehlerpotenzial

„Kritisch bei dem Solarpark in Benban sind die extremen Umweltbedingungen in der Wüste und die lange Betriebsdauer. Die Kraftwerke sollen über 20 Jahre Strom produzieren – da müssen wir uns hundertprozentig auf die Qualität der ausgewählten Komponenten verlassen können“, sagt Sergej Michaelis, der für Conecon das Projektmanagement der drei Photovoltaik-Anlagen verantwortet. „Ein wichtiger Faktor sind die Solarleitungen: Sie stellen den größten Anteil der verwendeten Leitungen dar und bergen somit das größter Fehlerpotenzial. Funktionieren die Leitungen nicht, funktioniert der Solarpark nicht.“

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Die starke UV-Strahlung der Sonne und die Temperaturschwankungen in der ägyptischen Wüstenregion können die Leitungen mit der Zeit porös werden lassen. Auch bei der Verlegung von Leitungen in der Erde treten Probleme auf, wenn diese mit einem minderwertigen oder ungeeigneten Material isoliert oder ummantelt sind. Die Gefahr für Komplettausfälle der Anlagen mit hohen Ertragseinbußen und aufwändigen Reparaturen steigt dadurch beträchtlich.

Conecon entschied sich für Prysmian als Lieferant der Solarleitungen und weiterer Energiekabel. So liefert das Unternehmen seit Februar dieses Jahres exklusiv die rund 1300 km Solarleitungen Tecsun der Serie H1Z2Z2-K an Conecon. Diese Leitungen lässt Prysmian an seinem deutschen Kompetenzzentrum für Photovoltaik in Neustadt bei Coburg produzieren. Außerdem versorgt das Unternehmen das Solarkraftwerk in Benban mit rund 400 km Kabel für Nieder- und Mittelspannung der Serien NYY-J, NA2YY-O, NA2XS2Y aus dem deutschen Werk in Schwerin. Bei der Serie NYY-J handelt es sich um Verteilungs-, Anschluss- und Installationskabel. Diese sollen gegenüber kurzweiligen Einwirkungen von Ölen und Kraftstoffen, wie Spritzer, unempfindlich sein. Die Kabel sind UV-beständig, flammwidrig und lassen sich vielseitig verlegen, beispielsweise in die Erde, das Wasser, in Beton oder im Freien. Der längswasserdichte Schirmbereich der Verteilungskabel der Serie NA2XS2Y begrenzt bei einem beschädigten Außenmantel den Einfluss von Wasser auf die Fehlerstelle. Die Kabel werden an die Häfen Hamburg und Bremerhaven transportiert und von dort an den Zielhafen nach Alexandria verschifft.

„Die ägyptischen Einfuhrbestimmungen und Regelungen sind im Vergleich zu anderen Ländern kompliziert und aufwändig. Die Behörden legen bei den Lieferungen viel Wert auf lückenlose Dokumentationen und Zertifizierungen“, sagt Peter Knogler, Regional Sales Manager bei der Prysmian Group. „Bei dementsprechend komplexen Bauprojekten müssen alle Verantwortlichen zuverlässig Hand in Hand arbeiten – das hat mit Conecon sehr gut funktioniert.“

Zuverlässige Leitungen dank EVA-Gummiisolierung

Alle Photovoltaikleitungen von Prysmian sollen aufgrund der qualitativ hochwertigen Materialien von Isolation und Ummantelung erdverlegbar und hochflexibel sein. Die Zuverlässigkeit der Leitungen stellt das Unternehmen durch eine doppelwandige Gummiisolierung des hochbeständigen Werkstoffs Ethylenvinylacetat (EVA) sicher. Auf dem Photovoltaikmarkt werden Polyolefine (thermoplastische Elastomere, TPE-O) häufiger eingesetzt. Auf lange Sicht ist dieses Material dem Kabelspezialisten zufolge nicht hitzebeständig, sodass im Laufe der Jahre Schwachstellen entstehen können.

Als europäischer Hersteller produziert Prysmian die Photovoltaikleitungen Tecsun (PV) am deutschen Standort Neustadt bei Coburg. Seit 2003 wurden dort mehr als eine Million Kilometer Leitung produziert. Die Solarleitungen widerstehen extremen Umweltbedingungen wie besonders tiefen oder hohen Temperaturen von –40 °C bis 120 °C und intensiver ultravioletter Strahlung. Die Leitungen sind für die Erdverlegung geeignet und können fest oder beweglich in Kabelrinnen, Rohren oder auf und in Wänden installiert werden. Die vernetzten LSOH-Gummimischungen, die für die Isolierung und den Außenmantel der Leitungen verwendet werden, sind mechanisch robust und beständig gegen Chemikalien, wie etwa Alkali, Säure und Ammoniak. Laut Hersteller erfüllen die Tecsun-Leitungen alle relevanten Industriestandards (z. B. EN 50618) und sind durch TÜV, VDE und UL-Zulassungen anerkannt.

Die für den ägyptischen Solarpark gelieferte Serie Tecsun (PV) H1Z2Z2-K verfügt Prysmian zufolge über die bislang branchenweit einzige Solarleitung mit der Zeichnungsgenehmigung des VDE nach DIN-Norm EN 50618. Die Mischung der Materialien der H1Z2Z2-K ist bereits seit 2003 erprobt. Bislang soll es keine Reklamationen aufgrund von Materialfehlern geben.

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