Durchstarten 2021 „Hybride Arbeitsweisen haben auch Vorteile“

Wie sehr man sich auf seine Mitarbeiter verlassen kann, hat Hänchen-Geschäftsführer Matthias Hänchen in der Pandemie wertschätzen gelernt. Nun gilt es, positiv in die Zukunft zu blicken und die neue Hybridkultur im Unternehmen auszubauen.

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„Das Homeoffice wird auch nach der Pandemie ein Bestandteil des Alltags bei Hänchen bleiben. Wir haben gelernt, dass diese Arbeitsweise in bestimmten Bereichen durchaus Vorteile bringt“, sagt Matthias Hänchen, Geschäftsführer der Herbert Hänchen GmbH & Co. KG und verantwortlich für den Bereich Fertigung und Entwicklung.
„Das Homeoffice wird auch nach der Pandemie ein Bestandteil des Alltags bei Hänchen bleiben. Wir haben gelernt, dass diese Arbeitsweise in bestimmten Bereichen durchaus Vorteile bringt“, sagt Matthias Hänchen, Geschäftsführer der Herbert Hänchen GmbH & Co. KG und verantwortlich für den Bereich Fertigung und Entwicklung.
(Bild: Hänchen/VCG)

Herr Hänchen, beschreiben Sie uns doch einmal das allgemeine Stimmungsbild im Unternehmen.

Matthias Hänchen: Im Moment sehen wir recht positiv in die Zukunft. Ob das auf lange Sicht auch nachhaltig ist, können wir allerdings im Moment noch nicht beurteilen, doch Aufträge und Umsatz entwickeln sich in die richtige Richtung.

Welche Herausforderungen gilt es in Ihrem Unternehmen während der Covid-19-Krise zu bewältigen?

Matthias Hänchen: Über das ganze vergangene Jahr betrachtet, waren sicherlich die räumlichen Veränderungen durch das vermehrte Homeoffice die bedeutendste Herausforderung. Die Umstellung von Präsenz zu Online verlief technisch bei uns recht gut. Bis auf Kleinigkeiten, dass mal ein Headset oder eine Kamera fehlte, ging alles relativ reibungslos. Was allerdings zu kurz kommt, ist das Zwischenmenschliche. Bei den Online-Konferenzen wird fast nur über Geschäftliches gesprochen. Der Small-Talk oder auch das kurze Abklären anderer Themen geht hier verloren. All dies ist aber wichtig, insbesondere für eine Atmosphäre des Vertrauens.

Ich kann dem Mitarbeiter in der Produktion nicht seine Maschine unter den Arm klemmen und ihn heimschicken.

Wie wirken sich diese Probleme auf Ihre eigene Arbeit aus?

Matthias Hänchen: Im Produktionsbereich, für den ich unter anderem ja verantwortlich bin, war eine räumliche Trennung kaum möglich. Hier lagen die Herausforderungen mehr im Organisatorischen als in räumlichen Distanzen. Homeoffice ist hier ja nicht möglich. Ich kann dem Mitarbeiter in der Produktion nicht seine Maschine unter den Arm klemmen und ihn heimschicken. Hier galt und gilt es noch, die Präsenz durch Hygieneregeln möglich zu machen.

Natürlich ist dabei die Angst vor Ansteckung größer. Was ist, wenn durch einen Coronafall eine ganze Abteilung schließen muss? Anfangs versuchten wir, Schichtgruppen einzuteilen, um möglichst wenig Berührungspunkte zu haben. Das ließ sich aber nicht durchhalten. Dazu ist unser Unternehmen nicht groß genug und auch bei den Lehrlingen gab es Betreuungsschwierigkeiten, da die Auszubildenden bei uns nicht in der Kurzarbeit sind. Deshalb haben wir beispielsweise bei der Schichtübergabe die radikalen Trennungen wieder aufgeweicht, natürlich unter strikter Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln sowie mit Mund-Nasen-Schutz.

Bis jetzt haben wir so die Coronazeit ohne große Schließungen bewältigt. Es gab zwar Fälle, aber hier ließen sich die Kontakte gut nachvollziehen und durch Quarantänemaßnahmen eine Ausbreitung verhindern.

Was meinen Sie – werden wir wieder zu einem „Normalzustand“ wie vor der Krise zurückkehren oder werden sich Prozesse und Abläufe künftig dauerhaft ändern?

Matthias Hänchen: Das Homeoffice wird auch nach der Pandemie ein Bestandteil des Alltags bei Hänchen bleiben. Wir haben gelernt, dass diese Arbeitsweise in bestimmten Bereichen durchaus Vorteile bringt. Unsere Zukunft liegt in einer Hybridkultur. Präsenz ist vor allem notwendig, wenn keine andere Möglichkeit besteht.

Beispielsweise für Außendienstmitarbeitern bei der Akquise ist anfangs der Kontakt zu den Neukunden äußerst wichtig. Man muss die Anforderungen des Kunden oft auch sehen, um sie richtig zu verstehen und entsprechend zu beraten. Es hilft, gemeinsam zu einer Maschine zu gehen oder ein Bauteil in die Hand zu nehmen. Sobald man dann aber eine Zeichnung als Grundlage hat, kann auch in Online-Gesprächen gearbeitet werden. Eine solche Hybridisierung der Arbeitsweisen hat für Hänchen Vorteile. Zum Beispiel können Reisezeiten geringer gehalten werden.

Gibt es positive Aspekte, die Sie für Ihren Arbeitsalltag aus der Covid-19-Krise mitnehmen?

Matthias Hänchen: Neben den Lerneffekten durften wir entdecken, wie sehr wir uns bei Hänchen auf unsere Mitarbeiter verlassen können. Hut ab, wie flexibel und unkompliziert sie auf die neue Situation reagiert haben. Nicht nur im Homeoffice lief es bisher sehr gut. Auch die Produktionsmitarbeiter haben sich schnell und flexibel auf geänderte Schichten und Kurzarbeit eingestellt.

Hut ab, wie flexibel und unkompliziert unsere Mitarbeiter auf die neue Situation reagiert haben.

Welchen Herausforderungen abseits von der Covid-19-Krise sehen Sie sich in Ihrem Arbeitsalltag derzeit ausgesetzt?

Matthias Hänchen: Die wirtschaftliche Situation ist weiterhin angespannt. Auch wenn es verhalten aufwärts geht, bleiben für die Zukunft noch viele Fragen. Zum Beispiel: Welche Konsequenzen hat die Krise in der Automobilbranche langfristig auch auf den Maschinenbau? Das sind nach wie vor Themen, die uns beschäftigen.

Wie hat sich Ihre Arbeit in den vergangenen Jahren verändert?

Matthias Hänchen: Ganz klar ist hier die Automatisierung zu nennen. Diese ist auch in der Hydraulik selbst bei den kleinen Stückzahlen angekommen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. In unserem Werk in Oettingen nutzen wir jetzt beispielsweise ein neues 6-Achs-Bearbeitungszentrum mit vorgeschaltetem Roboter. Oder ein Fräs-Drehzentrum mit Palettenwechsler. Hier steht nicht mehr ein Mitarbeiter dauernd an der Maschine, sondern die Maschine wird bestückt und läuft dann 8-10 Stunden automatisch. Der Mitarbeiter kann in der Tagschicht solange andere Dinge erledigen. In der Nachtschicht läuft die Maschine alleine durch.

Selbst in der Fertigung von Einzel- oder Kleinteilen geht der Blick in Richtung neuer Möglichkeiten. Was früher in der Einzelfertigung kaum denkbar war, wird möglich. Man lernt dazu. Da helfen uns auch neue Mitarbeiter, die den Blick für Neues öffnen.

Wenn Sie einem/-r Einsteiger*in Ihr Arbeitsgebiet schmackhaft machen wollen, wie machen Sie das?

Matthias Hänchen: Die Arbeit in der Hydraulikbranche ist sehr viel vielfältiger als früher. Im Konstruktionsbereich kommt zur Hydraulik inzwischen auch die Elektronik hinzu – gerade im Bereich Ratio Drive, unserem Sondermaschinenbau. Aber auch in der Fertigung geht es nicht mehr ausschließlich um das Bestücken von Maschinen. Die nötigen Qualifikationen der Mitarbeiter steigen durch die Automation. Die Aufgaben werden interessanter. Gleichzeitig wird die körperliche Belastung geringer.

Abschließend gerne noch ein paar persönliche Worte an Kolleg*innen in Ihrer Branche.

Matthias Hänchen: Mein Fazit aus den letzten Jahren ist: Man sollte das Potenzial für Veränderungen abgreifen. Wenn die Zeit reif ist, sollte man prüfen, ob Veränderungen notwendig sind – und diese dann auch umsetzen.

Vielen Dank Herr Hänchen.

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