Studie Online-Meetings nicht erschöpfender als Präsenz-Meetings

Quelle: Johannes Gutenberg-Universität Mainz 2 min Lesedauer

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Online-Meetings sind erschöpfend – diese These ging während der Covid-Pandemie unter dem Schlagwort „Zoom-Fatigue“ durch die Medien. Eine aktuelle Studie der Johannes Gutenberg-Universität Mainz zeigt allerdings: Sie sind nicht mehr erschöpfend als Präsenz-Meetings.

Online-Meetings sind nicht erschöpfender als Präsenz-Meetings – das ergab eine Studie der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.(Bild:  frei lizenziert /  Pixabay)
Online-Meetings sind nicht erschöpfender als Präsenz-Meetings – das ergab eine Studie der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.
(Bild: frei lizenziert / Pixabay)

„Zoom-Fatigue“ war das Schlagwort während der Covid-Pandemie. Die These: Online-Meetings erschöpfen Arbeitnehmer mehr denn je. „Und während des Lockdowns stimmte das auch“, sagt Juniorprofessorin Dr. Hadar Nesher Shoshan von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU). „Doch wir haben mit einer aktuellen Studie herausgefunden, dass dies unter heutigen Bedingungen nicht länger der Fall ist: Online-Meetings sind nicht erschöpfender als Präsenz-Meetings.“ Die Ergebnisse der Studie sind vor kurzem im Journal of Occupational Health Psychology veröffentlicht worden.

Juniorprof. Dr. Hadar Nesher Shoshan: „Wir hatten die Hypothese aufgestellt, dass es nach wie vor eine Zoom-Fatigue gibt. Schließlich sind alle bisherigen Studien zu diesem Ergebnis gekommen. Aber wir fanden nichts!“(Bild:  Miriam Diaz)
Juniorprof. Dr. Hadar Nesher Shoshan: „Wir hatten die Hypothese aufgestellt, dass es nach wie vor eine Zoom-Fatigue gibt. Schließlich sind alle bisherigen Studien zu diesem Ergebnis gekommen. Aber wir fanden nichts!“
(Bild: Miriam Diaz)

Zoom-Fatigue nicht mehr nachweisbar

Nesher Shoshan und ein Kollege von der Universität Maastricht hatten mithilfe von 125 Probanden untersucht, wie erschöpfend Online-Meetings im Vergleich zu Präsenz-Meetings wirken. Dazu ließen sie die Probanden zehn Tage lang folgende Fragen beantworten:

  • „Hatten sie ein Meeting, wenn ja in Präsenz oder Online?“
  • „Erledigten sie beim Meeting andere Dinge nebenher?“
  • „Gab es Zeit für eine Pause oder etwas Bewegung?“
  • „Wie steht es um den Erschöpfungslevel?“

Insgesamt sammelten die Forschenden auf diese Weise Informationen zu 945 Meetings, 62 Prozent davon Online-Meetings. „Im Vorfeld hatten wir die Hypothese aufgestellt, dass es nach wie vor eine Zoom-Fatigue gibt. Schließlich sind alle bisherigen Studien zu diesem Ergebnis gekommen – es gab also keinen Grund, daran zu zweifeln“, sagt Nesher Shoshan. „Wir fanden jedoch nichts! Nach unseren Ergebnissen sind Online-Meetings nicht erschöpfender als Präsenz-Meetings.“ Bei Online-Meetings, die kürzer als 44 Minuten sind, gelte sogar, dass sie weniger erschöpfend seien als Treffen in Präsenz.

Wir konnten das Argument, dass die Mitarbeitenden im Home-Office auch nach der Pandemie durch Online-Meetings in den Burn-Out laufen, mit unserer Studie zumindest teilweise entkräften.

Juniorprofessorin Dr. Hadar Nesher Shoshan, Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Bisherige Studien basieren auf Daten aus der Pandemie

Doch wie kommt es zu der Diskrepanz zwischen der neuen Studie und den bisherigen? Laut Nesher Shoshan ist der Grund, dass ihre Untersuchung auf aktuell erhobenen Daten basiert – während für die anderen Studien Angaben verwendet wurden, die während der Covid-Pandemie zusammengetragen wurden. „Die Gründe für die Zoom-Fatigue scheinen eher in der pandemischen Situation als in den Online-Treffen zu liegen“, sagt Nesher Shoshan. „Online-Meetings mussten sozusagen als Projektionsfläche herhalten, da sie eng mit dem Lockdown in Verbindung gebracht wurden: Die Menschen vermissten ihr altes Leben, ihre sozialen Kontakte und verloren den Spaß an der Arbeit. Unsere Untersuchung unterstreicht, wie wichtig es ist, Untersuchungsergebnisse der Sozialwissenschaften in die jeweiligen historischen Gegebenheiten einzuordnen.“

Die aktuellen Ergebnisse könnten laut Nesher Shoshan große Bedeutung für die Arbeitswelt haben, zahlten sie doch auf das „Vorteilskonto“ des Home-Office ein: „Wir konnten das Argument, dass die Mitarbeitenden im Home-Office auch nach der Pandemie durch Online-Meetings in den Burn-Out laufen, mit unserer Studie zumindest teilweise entkräften.“

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