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Corona-Pandemie Deutsche Gießereien verzeichnen 90 % Auftragseinbußen

| Redakteur: Juliana Pfeiffer

Die Coronakrise hat die deutschen Gießereien mit voller Wucht getroffen: Knapp 90 % verzeichnen Auftragseinbußen bzw. Stornierungen. Ein Drittel erwartet, dass die Krise mehr als ein Jahr lang andauern wird: Das sind zentrale Ergebnisse der dritten BDG-Umfrage.

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In der aktuellen Mitgliederbefragung des BDG im Mai stellen 99 % der Unternehmen „Auswirkungen auf den Betriebsablauf“ fest.
In der aktuellen Mitgliederbefragung des BDG im Mai stellen 99 % der Unternehmen „Auswirkungen auf den Betriebsablauf“ fest.
(Bild: Walzengießerei Coswig GmbH)

In seiner dritten Umfrage hat der Bundesverband der Deutschen Gießerei-Industrie (BDG) seine Mitglieder zu den Auswirkungen der Coronakrise befragt. Wesentliche Aussagen der Vorbefragungen haben sich in der aktuellen Befragung weiter zugespitzt: So hatten bei der Erstbefragung im März 76 % der befragten Unternehmen „Auswirkungen des Coronavirus auf den Betriebsablauf“ gespürt, 24 % hatten dies nicht. Bei der zweiten Befragung im April war die Verneiner-Quote auf 4 % geschrumpft, 96 % hatten Auswirkungen auf den Betriebsablauf festgestellt. Bei der aktuellen dritten Befragung ist der Wert weiter gestiegen. Im Mai stellen 99 % der Unternehmen „Auswirkungen auf den Betriebsablauf“ fest.

Planungssicherheit der abnehmenden Kunden ist entscheidend

Ein gravierender Punkt ist Auftragsmangel. Die Frage nach „Auftragseinbußen bzw. Stornierungen“ bejahen knapp 90 % der Befragten, 54 % registrieren sogar „gravierende“ Einbußen, lediglich 12 % „geringe“.

81 % führen Kapazitätsanpassungen durch. Dazu gehören:

  • Kurzarbeit (77 %)
  • Produktionsstopps (46 %)
  • Personalabbau (29 %)

„Entscheidend für die Unternehmen der Gießerei-Branche ist die Planungssicherheit der abnehmenden Kunden“, sagt BDG-Hauptgeschäftsführer Max Schumacher. „Es muss zu partnerschaftlichen und transparenten Festlegungen kommen, das Abnahmeverhalten darf nicht auf Kosten der zuliefernden Gießereien gehen.“

Knappe Minderheit von Liquiditätsengpässen betroffen

Bei der Frage nach aktueller oder künftig zu erwartender Inanspruchnahme von Krediten im Falle von Liquiditätsengpässen ist das Branchenbild heterogen. Mehr als die Hälfte (52 %) der befragten Unternehmen können die Coronakrise gut abfedern und sehen weder aktuell noch perspektivisch Liquiditätsbedarf durch Kredite. Eine knappe Minderheit von 44 % hat aktuell bereits Liquiditätsengpässe oder erwartet sie.

„Darunter sind Betriebe, die sich einer ihre Existenz bedrohenden Krise ausgesetzt sehen“, sagt Schumacher. „Die von der Bundesregierung beschlossenen Maßnahmen müssen so umgesetzt werden, dass sie bei den Unternehmen zügig und unbürokratisch ankommen.“

Krise hält mindestens ein halbes Jahr noch an

Welchen Zeithorizont sehen die Befragten als realistisch, um zur Normalauslastung zurückzukehren? Die Mehrheit der Betriebe (82 %) rechnet mit einer Krise von mindestens einem halben Jahr Dauer, darunter sind 32 %, die mit einer Dauer von mehr als einem Jahr rechnen. Mit einem Zeithorizont von 1 bis 3 bzw. 3 bis 6 Monaten rechnet nur eine Minderheit von 5 % bzw. 8 % der Befragten.

Die Branche erwartet für das laufende Jahr 2020 Umsatzrückgänge. Die meisten Unternehmen erwarten ein Umsatzminus im Bereich zwischen 20 und 30 %. Daher müssen neben der Vermeidung zusätzlicher Belastungen nun auch wirksame konjunkturelle Anreize gesetzt werden, die einen Neustart der deutschen mittelständischen Wirtschaft ermöglichen.

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