Verbundwerkstoffe Composites-Index dreht ins Positive

Quelle: Composites Germany 6 min Lesedauer

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Zum 25. Mal hat die Wirtschaftsvereinigung Composites Germany aktuelle Kennzahlen zum Markt für faserverstärkte Kunststoffe (FVK) erhoben, um den Blick auf die kommende Lage zu wagen. Befragt wurden alle Mitgliedsunternehmen der Trägerverbände AVK und Composites United sowie des assoziierten Partners VDMA. Erster Einblick: Die Geschäfte verbessern sich leicht und die Zukunft sieht auch nicht mehr so schlecht aus, wie vormals.

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(Bild: SGL)

Erstmals seit der Erhebung im ersten Halbjahr 2022 zeigen die Befragungsergebnisse eine Trendumkehr festgestellt. (Diagramm 1). Die Bewertung der aktuellen generellen Geschäftslage dreht also ins Positive. Die Einschätzung zur generellen Geschäftslage bleibt dabei etwas optimistischer als die Einzelbewertung für die eigenen Unternehmen der Befragten, obwohl auch dabei mehr Licht am Horizont zu sehen ist, wie sich herausgestellt hat. Auffällig sei, dass jetzt die Einschätzung der generellen Marktsituation für Deutschland und Europa tendenziell optimistischer ist als der Blick auf die globalen Verhältnisse im Composite-Bereich. Noch deutlicher werde diese Tendenz bei der Bewertung des eigenen Unternehmens. Denn dabei zeigen sich für Deutschland und Europa positive Einschätzungen, wobei die weltweite Lage kritisch gesehen wird. Ob das aber eine generelle Entwicklung signalisiere oder es sich lediglich um eine Momentaufnahme im sonst eher negativen Marktumfeld handelt, müsse die Zukunft zeigen. Vergessen dürfe man nicht, dass dieser positivere Blick nach vorne von einem sehr niedrigen Niveau der Lage geworfen werde.

Diagramm 1(Bild:  Composites Germany)
Diagramm 1
(Bild: Composites Germany)

In Europa läuft das Marktvolumens in der Composite-Industrie in 2024 aber rückwärts. Dann ist eine starke Zunahme des Konkurrenzdrucks – vor allem aus Asien – zu spüren. Bekanntlich schwächelt die Weltkonjunktur und es herrschen Problemen in den beiden zentralen Anwendungsindustrien Transport und Bau-/Infrastruktur. Bedenke man das alles, scheine, dass es dem überwiegenden Teil der beteiligten Unternehmen gelungen ist, die eigene Marktposition – vor allem in Deutschland und Europa – dennoch zu festigen. Die kritische Bewertung der weltweiten Situation dürfte vor allem auf die sehr sprunghafte, oftmals das Exportgeschehen schädigende Politik in den USA zurückzuführen sein, sowie auf ein nach wie vor angespanntes weltpolitisches Klima. Die derzeitige schwache Marktsituation, die speziell den Transportbereich in Asien betrifft, untermauert die hier abgegebenen negativen Einschätzungen, so Composites Germany.

Die Composite-Zukunft wird derzeit auch positiver eingeschätzt

Die oben angesprochenen positiven Effekte zeigen sich bei den Annahmen zur zukünftigen generellen Marktentwicklung recht deutlich (Diagramm 2). Sowohl für Deutschland als auch für Europa ist der Verlauf nach oben zu erkennen, wobei das bereits angemerkte niedrige Niveau der Vorerhebungen auch dabei nicht übersehen werden darf.

Diagramm 2(Bild:  Composites Germany)
Diagramm 2
(Bild: Composites Germany)

Die Unternehmen schauten aber generell optimistischer auf die kommenden Zeiten, als bei den letzten Markterhebungen für Composites. Die generell etwas optimistischere Einschätzung macht sich auch bei den Erwartungen an die eigene Geschäftslage bemerkbar. Denn fast ein Drittel der Befragten geht diesmal von einer Verbesserung der eigenen Situation in Europa aus, wie es weiter heißt. Lediglich acht Prozent fürchten, dass sich die Situation weiter verschlechtert. Etwas niedriger sehen die Werte allerdings für das deutsche Marktgeschehen in Sachen FVK aus. Etwa ein Viertel der Befragten glaubt nämlich in dieser Hinsicht an eine positive Entwicklung, wohingegen neu Prozent mehr Probleme sehen. Weltweit sinkt der Anteil derjenigen, die für sich eine positive Zukunftserwartung mit Blick auf Composites haben, auf 20 Prozent (Diagramm 3).

Diagramm 3(Bild:  Composites Germany)
Diagramm 3
(Bild: Composites Germany)

Leichte Aufbruchstimmung bei Investitionen und Personalentwicklung

Die aktuell etwas optimistischere Bewertung der wirtschaftlichen Situation wirkt sich natürlich auch auf das Investitionsklima aus. Es zeigen sich deshalb sowohl hinsichtlich der Personalplanung als auch mit Blick auf die geplanten Maschinen- respektive Anlageninvestitionen leicht positive Verschiebungen. Der Anteil der Befragten, die Maschineninvestitionen für wahrscheinlich halten (oder wenigstens planen), nimmt von 42 Prozent (letzte Befragung) auf 50 Prozent zu. Dabei schrumpft aber der Anteil derjenigen, die bereits konkrete Investitionen planen (Diagramm 4).

Diagramm 4(Bild:  Composites Germany)
Diagramm 4
(Bild: Composites Germany)

Auch in diesem Bild zeigt sich aber eine optimistische Grundtendenz, bei einer aber noch eher abwartenden Haltung. Das ist der Punkt, der unterstreicht, dass noch abzuwarten ist, ob es sich bei der derzeitigen Entwicklung um eine generelle Trendumkehr oder nur um ein kurzes optimistisches Aufflackern handelt, wie Composites Germany zu bedenken gibt. Ein vergleichbares Bild zeigt sich bei der Personalplanung. Nachdem in der letzten Markterhebung noch 19 Prozent der Befragungsteilnehmer von einem Anstieg der Personalkapazität ausgegangen waren, liegt dieser Wert aktuell zwar bei 15 Prozent, doch demgegenüber steht ein Rückgang derjenigen, die einen Personalabbau für wahrscheinlich halten (Absinken von 29 auf 27 Prozent).

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Buntes Composite-Bild bei den Erwartungen an die Anwendungen

Der Composite-Markt ist, wie die Wirtschaftsvereinigung hierzu anmerkt, durch eine starke Heterogenität geprägt, die sowohl material- als auch anwendungsseitig gilt. In der Befragung wurden die Teilnehmer deshalb gebeten, ihre Einschätzung hinsichtlich der Marktentwicklung unterschiedlicher Kernbereiche zu geben. Die Erwartungen malen auch ein äußerst differenziertes Bild (Diagramm 5).

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Diagramm 5(Bild:  Composites Germany)
Diagramm 5
(Bild: Composites Germany)

Der wichtigste Anwendungsbereich für Composites ist demnach die Mobilität, wegen dem Leichtbaueffekt. Dieser Bereich befindet sich derzeit in starken Umbrüchen und steckt in Europa und Deutschland nicht zuletzt in einer massiven Krise. Das spiegeln auch die Antworten wider. Und was Wachstum betrifft, so wird das vor allem im Bereich Luftfahrt sowie Bau-/Infrastruktur erwartet, auch wenn sich Deutschlands Baubereich derzeit nicht gut entwickelt. Für die nächsten Monate 2025 erwarten die Experten deshalb allenfalls ein geringes Wachstum. Erst für 2026 wird wieder von einer deutlichen Belebung ausgegangen. Für Europa zeigt sich ein vergleichbares Bild.

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Das könnten Wachstumstreiber im Composite-Geschäft sein

Wirft man einen analytischen Blick auf die Wachstumsimpulse für den Composite-Bereich, so zeigt sich in der aktuellen Befragung leichte Bewegung. Denn hinsichtlich ihrer Einschätzung, aus welchen Bereichen zukünftig die maßgeblichen Wachstumstreiber für die Composite-Industrie kommen werden, konnte das Hightech-Material CFK, also carbonfaserverstärkte Kunststoffe, leicht zulegen. Glasfaserverstärkte Faserverbundwerkstoffe (GFK) sind demnach als eigentlich zweitstärkste Materialgruppe am Schwächeln. Regional kommt es zu einer leichten Verschiebung. Denn die wesentlichen Wachstumsimpulse werden aus Asien und Europa erwartet. Die Bedeutung Nordamerikas als Motor für die Composite-Industrie geht jetzt deutlich zurück, wohingegen Deutschland als mögliche Wachstumsregion stärker in den Fokus rückt, wie bei der 25. Markterhebung herauskam. Wie bereits im laufenden Text angedeutet wurde, dreht der Composite-Index erstmals seit 2022 weitgehend ins Positive. Lediglich die Bewertung der eigenen derzeitigen Geschäftslage über alle Regionen hinweg bleibt noch verhalten (Diagramm 6).

Diagramm 6(Bild:  Composites Germany)
Diagramm 6
(Bild: Composites Germany)

Das kann man aus der aktuellen Markterhebung für Composites ableiten:

Es bleibt abzuwarten, ob es gelingt, auf die derzeit optimistischere Grundstimmung aufzubauen. Politisch werden derzeit ja viele Maßnahmen zur Stärkung der deutschen respektive europäischen Wirtschaft unternommen. Dabei müssen dann aber (Finanzierungs-Ideen und -Vorhaben auch in die Umsetzung kommen. Vor allem der Bau- und Infrastrukturbereich könnte maßgebliche Impulse durch das deutsche Wachstumspaket genießen, meint Composites Germany. Aber nur gemeinsam wird es möglich sein, den Wirtschaftsstandort Deutschland zu stärken, um ihn zu erhalten. Für Composites als Materialgruppe generell zeigen sich, aufgrund des speziellen Eigenschaftsportfolios, nach wie vor sehr gute Chancen zum Ausbau der Marktposition. Das gilt sowohl für neue als auch für bestehende Märkte. Die Abhängigkeit von gesamtwirtschaftlichen Entwicklungen jedoch bleibt bestehen, muss man feststellen. Der Weg, der jetzt gemeinsam zu gehen ist, heißt: Über Innovationen neue Marktfelder zu erschließen, Chancen konsequent zu nutzen und gemeinsam daran zu arbeiten, Composites weiter in bestehenden Märkten zu implementieren. Composites Germany bietet dazu mit seinem hervorragenden Netzwerk vielfältige Ansatzpunkte. Wir sind gespannt, wie es weitergeht. Die nächste Markterhebung für Composites wird dann im Januar 2026 erscheinen.

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