Projektsteuerung

Der standardisierte Entwicklungsprozess

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Fallbeispiel MAN Diesel & Turbo SE

Der Bereich „Systems Engineering Gas Turbines“ ist bei der MAN Diesel & Turbo SE als eigenständige Einheit verantwortlich für Systemfragen im Bereich der Gasturbinen. Infolge der direkten Kopplung an die Kundenbedürfnisse ist eine reibungslose Abwicklung der Auftrags- und Bearbeitungsprozesse von zentraler Bedeutung. Die inhaltliche und zeitliche Priorisierung der Kundenbedürfnisse ist für einen späteren Erfolg bei der Umsetzung in einem nach Flexibilität fordernden Umfeld entscheidend. Aufgrund einer erwartenden Steigerung der durchzuführenden Projekte und des Wunsches nach einer besseren Projektkoordination wurde eine Verbesserung in der Projektbearbeitung hinsichtlich der zeitlichen Taktung, Priorisierung, Planbarkeit und der Möglichkeit des Multiprojekt-Managements angestrebt. Als grundlegende Methodik wurde die Übertragung des Konzepts der Synchronisation und Taktung zur Planung und Steuerung ausgewählt und an die Anforderungen im Bereich „Systems Engineering Gas Turbines“ angepasst.

Bevor detailliert auf die Umsetzung des Konzepts eingegangen werden kann, werden die vorliegenden Anforderungen kurz vorgestellt. Die Projektabwicklung im Bereich „Systems Engineering Gas Turbines“ basiert auf einem Prozessablauf mit definierten Meilensteinen und Arbeitspaketen. Dabei setzt sich jedes Projekt aus der Entwicklung der fünf Hauptkomponenten Filterhaus, Schallhaube, Kamin, Brenngas-Skid und Ölkühler einer Gasturbine zusammen. Die Reihenfolge und mit welcher Kapazität die einzelnen Aufgaben von welchem Mitarbeiter zu bearbeiten sind, wird projektspezifisch festgelegt.

Aufbauend auf der Prozessbeschreibung wurden zunächst die Synchronisationspunkte ermittelt. Die Analyse der zeitlichen Abstimmungstermine zeigt, dass mehrere, mit dem Kunden vertraglich fixierte Termine in der Prozessbeschreibung existieren. Ausgehend von diesen fixierten Terminen lassen sich die weiteren Synchronisationspunkte aus dem Prozessplan zur Einhaltung der fixierten Kundentermine ermitteln. Dazu wurden die Abhängigkeiten innerhalb der Tätigkeiten mit Bezug zu den fixierten Kundenterminen bewertet. Da nicht alle Tätigkeiten in der Prozessfolge von der Abteilung „Systems Engineering Gas Turbines“ durchgeführt werden, wurde bei der Bestimmung der Synchronisationspunkte zwischen internen und externen Prozessschritten unterschieden. Im vorliegenden Fall lag dabei der Fokus auf der Taktung und Steuerung der internen Projektmitglieder. Auf dieser Unterscheidung aufbauend konnte ein iterativer Projektfahrplan gestaltet werden, um die Projektsteuerung zu synchronisieren. Zur Identifikation der Synchronisationspunkte wurde somit primär die Analyse der zeitlichen Restriktionen angewandt, da sich die inhaltliche Definition aufgrund des hohen externen Anteils als nicht sinnvoll erwies. Die so ermittelten Synchronisationspunkte sind am Beispiel der Komponente Brenngas-Skid in Abbildung 5 dargestellt.

Abbildung 5: Beispielhafte Ermittlung der Synchronisationspunkte
Abbildung 5: Beispielhafte Ermittlung der Synchronisationspunkte
(Bild: RWTH Aachen)

Ausgehend von den vorgegebenen Prozessschritten und den ermittelten Synchronisationspunkten wurde die Taktung eingeführt. Als zugrunde liegende Länge des Taktes wurde eine Woche gewählt. Diese vergleichsweise kurze Taktlänge begründet sich zum einen aufgrund der Abhängigkeiten sowohl zwischen den Komponenten und den Teammitgliedern als auch der Arbeit mit anderen Abteilungen. Zum anderen ist gerade bei der Einführung der Taktung eine kurze Taktlänge hilfreich, um sich an diese Form der Projektsteuerung zu gewöhnen.

Zur Implementierung der Taktung und Vereinfachung der Taktplanung wurde ein der Taktlänge entsprechendes Task-Board entwickelt. Damit bei den Mitarbeitern kein Eindruck eines minütlichen Tätigkeitscontrollings entsteht, wurden in Zusammenarbeit mit den Gewerkschaftsvertretern des MAN Standorts drei Tätigkeitskategorien definiert und über den Farb-Code der Haftklebenotizen bestimmt. Ein roter Zettel entspricht einer Aufgabe, die den ganzen Tag einnimmt. Ein gelber Zettel entspricht einem halben Tag und ein grüner Zettel ca. einem viertel Tag Arbeitsaufwand. Zur Planung des Taktes werden zunächst von jedem Mitarbeiter selbstständig seine eigenen Tätigkeiten für den nächsten Takt geplant, priorisiert und für sich in den Takt eingelastet. Tätigkeiten, die mit anderen abgestimmt werden müssen, werden in den Bereich „Bestand“ geklebt. In dem kurzen wöchentlichen Regelmeeting werden die Tätigkeiten für den nächsten Takt mit dem Projektleiter festgelegt. Dabei wurden die offenen und abzustimmenden Tätigkeiten im Team diskutiert und entsprechend eingeordnet. Mithilfe der Diskussion können eigene Tätigkeiten unproblematisch umgeplant bzw. in Abstimmung mit dem Projektleiter in den nächsten Takt verschoben werden. Das Ergebnis einer Übung der Taktplanung zeigt Abbildung 6.

Abbildung 6: Planung der Aufgaben am Task-Board bei MAN Diesel & Turbo SE
Abbildung 6: Planung der Aufgaben am Task-Board bei MAN Diesel & Turbo SE
(Bild: RWTH Aachen)

Durch das beschriebene Vorgehen und die einfache Umplanung wird dafür gesorgt, dass stets das Fortschreiten des Gesamtprojekts im Vordergrund steht. Gleichzeitig greifen diese informellen Abstimmungen möglichen Problemen vor und wirken so potenziellen Konflikten entgegen.

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