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Wälzlager Damals wie heute: Mut statt Angst ist gefragt

Redakteur: Juliana Pfeiffer

Die Dresdner WälzLagerTechnik GmbH (WLT) feiert in diesem Jahr ihr 25-jähriges Jubiläum. Damals ging Maschinenbauingenieur Michael Schwarz von Dresden nach Münster und kehrte als Unternehmer wieder.

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Michael Schwarz und seine Wälzlager: Hier ein Exemplar aus eigener Produktion.
Michael Schwarz und seine Wälzlager: Hier ein Exemplar aus eigener Produktion.
(Bild: Medienkontor/ Edwin Seifert)

An der Eisenbahn 9 im Dresdner Industriegebiet Nord: Das elegante Bürogebäude der Dresdner WälzLagerTechnik GmbH (WLT) neben der modernen Lagerhalle ist sichtbares Symbol der beeindruckenden Erfolgsgeschichte dieses „Hidden Champion“. 25 Jahre zuvor stand auf dem Grundstück noch eine leere, baufällige Baracke aus den 30er Jahren. Wie die WLT zu dem wurde, was sie heute ist, verriet WLT-Chef Michael Schwarz vor kurzem auf der 25-Jahr-Feier des High-Tech-Unternehmens im Coselpalais. Als frischgebackener Maschinenbauingenieur hatte er im März 1990 im Dresdner Rathaus eine Firmenkontakt-Börse besucht und den ausliegenden Info-Zettel eines Münsteraner Unternehmens mitgenommen. Mit diesem A4-Blatt nahm die Geschichte ihren Lauf.

Gesucht: Partner zum Aufbau eines ostdeutschen Vertriebsnetzes

Robert Braun, Geschäftsführer der Friedrich Braun GmbH war auf der Suche nach einem Partner zum Aufbau eines ostdeutschen Vertriebsnetzes 1990 von Münster nach Dresden gekommen. Seine Firmengruppe, Großhändler für Wälzlager aller Art sowie Alleinimporteur namhafter japanischer und amerikanischer Hersteller, wollte sowohl in der damals noch existierenden DDR Fuß fassen als auch von dort aus den osteuropäischen Markt erobern. Braun legte an seinem Firmenstand Info-Zettel aus. Neben einer Selbstbeschreibung des Unternehmens stand dort: „Gesucht wird: Ein Partner, der die Gegebenheiten für ein Handelsgeschäft in der DDR kennt und bereit ist, mit uns eine Vertriebsgesellschaft zu gründen. Geboten wird: Entsprechendes Branchen- und Organisations-Know-how zu transferieren mit einer intensiven Schulung in unserem Unternehmen.“

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Gefunden auf einer Firmenkontaktmesse

Michael Schwarz, 26 Jahre alt und frischgebackener Maschinenbauingenieur-Absolvent der TU Dresden, arbeitete zu diesem Zeitpunkt in der Dresdner Niederlassung des VEB Tisora, einem Rationalisierungsunternehmen für die Textilindustrie, und hatte nicht viel zu tun, denn die Wirtschaft der DDR brach gerade zusammen. Er war auf „Kurzarbeit Null“ gesetzt. „An diesem Tag machte ich einen Ausflug in die Dresdner Innenstadt und sah vor dem Rathaus zahlreiche Westautos stehen sowie bunte Firmenfahnen. Neugierig geworden ging ich hinein und landete in der Firmenkontaktmesse“, berichtete Schwarz bei der Jubiläumsfeier seiner Firma im Coselpalais. Schwarz nahm sich einen Info-Zettel der Friedrich Braun GmbH mit und rief wenig später bei Robert Braun in Münster an. Man war sich sympathisch und Schwarz reiste nach Münster.

„Mich reizte das Angebot. Außerdem wollte ich im Beruf nicht mehr von Parteikadern gesteuert werden, sondern mein eigener Herr sein“, erinnert sich Schwarz. Der Dresdner Maschinenbauingenieur blieb ein ganzes Jahr in Münster und absolvierte eine zusätzliche kaufmännische Ausbildung. „In Dresden machten damals viele besorgte Gesichter und hatten Angst vor der Zukunft. Ganz vergleichbar mit der heutigen Situation, doch auch im Westen war die Stimmung nicht überall rosig. Wusste man doch nicht wohin mit über einer Million Flüchtlingen aus der damaligen DDR.“ In der Firma Braun hingegen beeindruckte den jungen Dresdner Ingenieur die gute Laune der Mitarbeiter. Fit gemacht für die freie Marktwirtschaft kehrte Schwarz 1991 nach Dresden zurück. In der Tasche hatte er einen Gesellschaftsvertrag zur Gründung der WälzLagerTechnik GmbH - Geschäftsführende Gesellschafter: Michael Schwarz und Robert Braun.

"Kaufen Sie es und machen Sie los!“

Im Clubraum des VEB Tisora auf der Grenzstraße 20 in Dresden-Klotzsche nahm die WLT ihre Arbeit auf. Auf den 82 angemieteten Quadratmetern richtete Schwarz ein Lager für Wälzlager ein und startete mit einem weiteren Mitarbeiter den Geschäftsbetrieb. Die Geschäfte liefen gut, und so suchte Schwarz ab 1995 ein eigenes Grundstück. An der Straße „An der Eisenbahn“ wurde er fündig. „Ich ging also zum damaligen Bauaufsichtsamt und erkundigte mich, ob es bei dem Grundstück irgendetwas zu beachten gäbe. Herr Schwarz, war die Antwort, wollen Sie uns von unserer Arbeit abhalten? Es liegt im Gewerbegebiet. Kaufen Sie es und machen Sie los!“ Michael Schwarz legte los und musste dann aber doch feststellen, dass die Baugenehmigung zwei Jahre auf sich warten ließ. Die westdeutsche Bürokratie war auch in Dresden angekommen.

Der Anfang war steinig, denn Braun und Schwarz konnten dann doch nicht wie geplant das Fundament der alten Baracke verwenden, da die neue Halle parallel zur Straße ausgerichtet werden sollte, wie die Ämter es auf einmal forderten. Der Bau verteuerte sich und die Bank sprang ab. Zum Glück konnte eine andere Bank gefunden werden, und so bezog die WLT im Jahr 1997 die neue Halle. Seit Gründung hat das Unternehmen durchweg schwarze Zahlen geschrieben und überstand sogar die Finanzkrise 2008/2009 unbeschadet. „Wo andere Kurzarbeit machten, arbeiteten wir mehr und intensivierten so unseren Kundenservice“, erklärt Schwarz das Geheimnis des Erfolges der WLT. Mittlerweile handelt die Firma nicht nur mit Wälzlagern anderer Hersteller, sondern stellt selbst Wälzlager her, vor allem hochwertige Spezialanfertigungen. 2012 schließlich bezog die WLT das neue moderne Verwaltungsgebäude an der Eisenbahnstraße gleich neben der Lagerhalle. Die Belegschaft ist unterdessen auf 11 Mitarbeiter gewachsen.

„Gerade wenn alle Angst haben, muss man Mut beweisen und etwas wagen“, so Schwarz rückblickend. „Wenn man eine stabile Familie hat und einen verlässlichen Partner, bringt einen harte Arbeit und Qualität nach vorne.“ Seit Schwarz’ erstem Aufenthalt im Münsterland sind er und Robert Braun auch privat befreundet. „Wir haben beide seit 1990 nicht mehr in unseren Vertrag geschaut“, verriet schmunzelnd Braun bei der 25-Jahr-Feier im Coselpalais. (jup)

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