Digitalisierung Was sich hinter dem Xcelerator-Portfolio von Siemens verbirgt

Im vergangenen Jahr hat Siemens Digital Industries Software die Plattform Xcelerator vorgestellt. Diese vereint das Kern-Softwareportfolio von Siemens mit der Multiexperience-Plattform für die Applikationsentwicklung von Mendix sowie der IoT Plattform Mindsphere zur Aufnahme und Auswertung von Daten aus der Produktion bzw. Produktanwendung. Welche Vorteile sich daraus ergeben, hat uns Dr. Erich Bürgel im Gespräch erklärt.

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Mit Xcelerator hat Siemens ein Portfolio entwickelt und zusammengestellt, das alle Werkzeuge zur Digitalisierung auf einer Plattform zusammenfasst.
Mit Xcelerator hat Siemens ein Portfolio entwickelt und zusammengestellt, das alle Werkzeuge zur Digitalisierung auf einer Plattform zusammenfasst.
(Bild: Siemens Digital Industries Software)

Siemens hat über die Jahre ein sehr breites und tiefgehendes Software-Portfolio für die verschiedenen technischen Disziplinen aufgebaut – von der Elektronik und Mechanik, Systemsimulation über die Fertigung bis hin zum Betrieb und Lifecycle-Analytics. Die Plattform Xcelerator vereint und integriert dieses Portfolio nun mit Embedded Tools, Datenbanken und verschiedenen Services und Beratungslösungen rund um das Thema Digitalisierung und Effizienzsteigerung. So sollen einzigartige Workflows entstehen, die durch ihre Interdisziplinarität den aktuellen Anforderungen, die über den kompletten Lebenszyklus eines Produktes be- und entstehen, Rechnung tragen.

Dr. Erich Bürgel, Vice President and CEO GSCS DACH (Germany, Austria and Switzerland) for Siemens Digital Industries Software: „Die Corona-Pandemie verschärft aktuelle Herausforderungen wie Komplexität, Kollaboration, zunehmende Compliance-Anforderungen und sorgt für eine nichtlineare Veränderungsgeschwindigkeit der Arbeitswelt.“
Dr. Erich Bürgel, Vice President and CEO GSCS DACH (Germany, Austria and Switzerland) for Siemens Digital Industries Software: „Die Corona-Pandemie verschärft aktuelle Herausforderungen wie Komplexität, Kollaboration, zunehmende Compliance-Anforderungen und sorgt für eine nichtlineare Veränderungsgeschwindigkeit der Arbeitswelt.“
(Bild: Siemens/Heike Skamper)

Dr. Erich Bürgel, Vice President and CEO GSCS DACH (Germany, Austria and Switzerland) for Siemens Digital Industries Software, erläutert dazu: „Früher haben wir Hochhäuser gebaut, um dann Brücken zu schlagen. Heute wissen wir, dass ein ganzheitlicher Ansatz und ein offenes Ökosystem nötig sind, um die Herausforderungen unserer Kunden und Interessenten zu meistern.“ Zudem verschärfe die Corona-Pandemie Herausforderungen wie Komplexität, Kollaboration, zunehmende Compliance-Anforderungen und sorge für eine nichtlineare Veränderungsgeschwindigkeit der Arbeitswelt.

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Ganzheitlich und durchgängig digitalisieren

Um die digitale Transformation mit dem Ziel „Holistic Digital Enterprise“ voranzutreiben und vor allem zu erleichtern, sind folgende Bausteine wichtig:

  • die Verknüpfung zwischen der physischen und der digitalen Welt über digitale Zwillinge, die den kompletten Lebenszyklus abdecken,
  • die Möglichkeit, dass jeder Nutzer der Software diese personalisiert anwenden kann und
  • ein offenes Ökosystem, da die IT-Landschaft heute sehr heterogen ist. Auch Multi-CAD-Fähigkeit zählt hierzu.

Dafür bündelt Xcelerator alle Bereiche auf einer Plattform und veredelt sie mit Serviceleistungen und Netzwerken. Denn, so Bürgel, „Technologie ist eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung für Erfolg. Sie steht im Zentrum von Xcelerator, ist aber nur Mittel zum Zweck, um eine Plattform zur Verfügung stellen zu können, die die Interessen der verschiedenen Nutzergruppen bedient.“

Personalisierte Softwareapplikationen einfach erstellen

Basis für die personalisierte Adaption ist die Low- und No-Code-Plattform Mendix, die es auch Anwendern ohne Programmierkenntnisse ermöglicht, Softwareapplikationen zu entwickeln. Dabei sind die Möglichkeiten sehr breit gefächert. So kann sich etwa der Konstrukteur, der heute laut Bürgel ja ein Generalist ist und nicht mehr den kompletten Arbeitstag mit CAD-Arbeiten verbringt, Reporting-Apps einfach erstellen oder spezielles Wissen, zum Beispiel rund um die konstruktionsbegleitende Simulation, seinen Kollegen per App zur Verfügung stellen. Ein weiteres Beispiel ist die Nutzung von Daten aus dem Betrieb eines Produkts und die Rückführung dieser Informationen in Konstruktion und Entwicklung, genauer gesagt in den digitalen Zwilling des Produktes. Xcelerator ermöglicht es Anwendern also, Apps zu erstellen, die Daten aus einer Vielzahl von IT-Systemen und -Anwendungen aufnehmen und bereitstellen. Unternehmen jeder Größe und an jedem Punkt der Lieferkette können ihr Geschäft so durch personalisierte Softwarelösungen digital transformieren.

Service- und Beratungsleistungen runden das Portfolio ab

Da Software aber auch effektiv nutzbar sein muss, um den optimalen Nutzen nach der Implementierung sicherzustellen und Vorteile daraus generieren zu können, beinhaltet das Xcelerator-Portfolio auch Beratungs- und Serviceleistungen.

  • Im Rahmen der geschärften Digitalisierungsberatung wird in drei Schritten eine unternehmensspezifische Digitalisierungsstrategie mit Business Case erarbeitet. Dazu werden Beteiligte und im Besonderen Anwender interviewt und Workshops veranstaltet. Ziel ist es, passende Lösungen zu finden und in kleinen Paketen agil umzusetzen. Der Aufwand liegt bei durchschnittlich 10 bis 16 Tagen Beratung durch Siemens.
  • Das neue Programm Customer Success etwa zielt darauf ab, den Nutzungsgrad der Software nach der Implementierung weiter zu verbessern und weiterführende Potenziale zu heben. Dies geschieht durch eine gezielte Begleitung der Anwender.
Eine unserer Aufgaben ist es, die Anforderungen unseres Kunden zu verstehen. Denn mit den Investitionen in die Digitalisierung sollen ja bestimmte betriebswirtschaftliche Ergebnisse in kurzer Zeit zu erträglichen Kosten erreicht werden.

Dr. Erich Bürgel

Was Xcelerator enthält

Xcelerator ist die technische Softwarebasis für das Digital Enterprise. Das Portfolio setzt sich zusammen aus Anwendungen und Lösungen für die Produktentwicklung und -Simulation (CAx), Product Lifecycle Management (PLM), Electronic Design Automation (EDA), Application Lifecycle Management (ALM), Fertigungsplanung und -Simulation, Manufacturing Operations Management (MOM), Embedded Software, Low-Coding und Internet of Things (IoT). Es soll die Automatisierung eines Unternehmens von der obersten Ebene bis zur Produktion ermöglichen und organisiert den Informationsfluss zwischen allen Beteiligten des Xcelerator-Ökosystems. So entsteht ein nachvollziehbarer digitaler roter Faden für eine offene und kollaborative Umgebung.

Siemens erweitert das Portfolio stetig:

  • Erst kürzlich wurde die aktuelle Version der 3D-CAD-Software NX herausgebracht. NX Model Based Definition enthält Funktionen, mit denen Unternehmen einen regel- und wissensbasierten Ansatz zur modellbasierten Definition verwenden können. Dieser baut auf bewährten Verfahren auf und nutzt künstliche Intelligenz, um die Produktivität entscheidend zu steigern. Mit einem Datensatz, der eine Vielzahl von Merkmalen jenseits von Größe und Form definiert, lässt sich ein umfassender digitaler Zwilling konzipieren. Durch die Einbeziehung nicht-geometrischer Daten in das CAD-Modell können Ingenieure nun eine vollständige digitale Definition eines Produkts in annotierter und organisierter Form erstellen.
  • Das Siemens-Opcenter-Portfolio wurde um Valor erweitert, um kürzere Innovationszyklen sowie höherer Produktivität und Produktqualität bei der Fertigung elektronischer und mechanischer Komponenten zu ermöglichen.
  • Zudem hat Siemens vor kurzem mehrere Validierungstools für den Automotive-Bereich integriert, um die autonome PAVE360-Pre-Silicon-Validierungsumgebung zu erstellen. Diese offene Integration fördert Innovationen und eine zügige Validierung von Produkten und Prozessen. Dafür schafft sie einen sehr präzisen digitalen Zwilling, der modellbasierte Simulationen mit Testdaten und Analysen der realen Performance kombiniert.
  • Für die Entwicklung elektrischer und elektronischer Systeme wurde das Xcelerator-Portfolio um Capital erweitert. Damit stehen Funktionen für die Entwicklung von E/E-System- und Softwarearchitekturen, Netzwerkkommunikation und für Embedded Software zur Verfügung, die auch in der NX-Umgebung genutzt werden können.

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Über den Autor

Dipl.-Ing. (FH) Monika Zwettler

Dipl.-Ing. (FH) Monika Zwettler

Redakteurin, konstruktionspraxis – Alles, was der Konstrukteur braucht