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Definition Was ist ein Digital Thread?

| Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Monika Zwettler

Unter dem Digital Thread versteht man einen digitalen roten Faden, der sich durch ein Labyrinth von Daten aus unterschiedlichen Quellen zieht und diese zusammenführt, um Prozesse zu optimieren. Wie das funktioniert.

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Wie ein roter Faden zieht sich der Digital Thread idealerweise durch die verschiedensten Daten, die im Zuge der digitalen Transformation entstehen.
Wie ein roter Faden zieht sich der Digital Thread idealerweise durch die verschiedensten Daten, die im Zuge der digitalen Transformation entstehen.
(Bild: Adobe Stock/fotomek)

Ein digitaler Thread beschreibt das Rahmenwerk, das Datenflüsse verbindet und eine ganzheitliche Ansicht der Daten eines Assets über den gesamten Produktlebenszyklus hinweg erstellt. Der digitale rote Faden schafft Homogenität und universellen Zugriff auf Daten. Er zieht sich entlang verketteter Datenmengen, webt sich so durch Geschäftsprozesse und Funktionen und schafft damit Durchgängigkeit: Ein wesentliches Ziel von Digital Threads besteht darin, die richtigen Informationen zur richtigen Zeit an die richtige Person zu bringen.

Warum ist der Digital Thread wichtig?

In Zeiten des digitalen Wandels entstehen Unmengen an Daten, deren Bedeutung für effiziente Prozesse weiter wachsen wird. Durch die Verfügbarkeit aller benötigten Daten können Geschwindigkeit und Agilität von Entscheidungsprozessen erhöht werden. Der Digital Thread beseitigt Bottlenecks und erhöht die Transparenz entlang der Wertschöpfungskette.

Er beschreibt die Verfügbarkeit verstreuter Daten und sorgt so dafür, dass neue analytische Methoden und Mittel der Entscheidungsfindungen entstehen. Zudem weist er nach, dass und wie alle Schritte in einer Produktentstehung geleistet wurden, was speziell bei der Entwicklung sicherheitskritischer Produkte relevant ist. Der Nutzen des Digital Thread sind Schnelligkeit, Agilität und Effizienz in der Produktentwicklung und in Betriebsprozessen sowie in all den einzelnen Aufgaben, die daran gekoppelt sind.

Ein Digital Thread beschafft und kontextualisiert die benötigten Daten aber nur. Er selbst liefert keine Werte unabhängig von anderen Datenquellen. Um einen Mehrwert zu generieren, muss das Ergebnis dieser Datenbeschaffung und -einordnung dem Anwender so präsentiert werden, dass es seine Entscheidungen verbessert.

Welche Digital Threads gibt es?

Wie bei der digitalen Transformation selbst gibt es keine universelle Digital-Thread-Technologie. Vielmehr benötigen Unternehmen häufig eine Mischung aus verschiedenen Anwendungen, die ihren spezifischen Anforderungen und Strategien entsprechen.

Digital Threads gibt es für unterschiedlichste Dinge und Prozesse. Im einfachsten Fall folgt der Digital Thread eines Produktes seinem Lebenszyklus von den Anforderungen über das Design und seine Umsetzung in der Konstruktion über das Lebenszyklusmanagement bis hin zu Fertigungsanweisungen, Lieferantenmanagement und weiter durch die Service-Historien bis hin zu Vorkommnissen bei Kunden. Dank des roten Fadens können Unternehmen Vorhersagen treffen und in beide Richtungen entlang dieses Lebenszyklus effektiv kommunizieren. Es werden Zusammenhänge ausgetauscht, es wird deutlich, wo im Lebenszyklus sich welche Version des Produktes gerade befindet, es wird sichergestellt, dass alle Beteiligten auf aktuelle Daten zugreifen und dass sie schnell auf eintretende Ereignisse oder Änderungen zugreifen können oder aufmerksam gemacht werden.

Es gibt zwei Gruppen von Daten, die ein Digital Thread miteinander verknüpft:

  • Zum einen gibt es digitale Definitionen von Produkten und Prozessen. Diese werden häufig von PLM-Systemen bereitgestellt.
  • Zum andere gibt es konkrete "physikalische Erfahrungen" mit Produkten und Prozessen. IIoT-Plattformen liefern von Sensoren gemessene Aktivitätsdaten sowie Daten zu Fertigungshistorie, Felddispositionen oder Garantieansprüchen.

Experten zufolge sind PLM, IIoT und AR die für Industrieunternehmen relevantesten Digital-Thread-Technologien, da sie Lösungen für die akutesten Herausforderungen des digitalen Wandels bieten und dazu beitragen, Produkte zu differenzieren, Prozesse zu optimieren und Mitarbeitern zu befähigen.

Wie hängen Digital Thread und Digital Twin zusammen?

Um das volle Potential von digitalen Zwillingen ausschöpfen zu können, müssen Unternehmen bei den Daten anfangen: Sie müssen in der Lage sein, die richtigen Daten aus hochintegrierten Systemen über Anlagen und Abteilungen hinweg abzurufen und in Echtzeit zu analysieren. Basis dafür ist optimalerweise ein umfassende Digital Thread, um den Datenfluss entlang des Lebenszyklus' zu vereinheitlichen - vom Design über Konstruktion und Produktion bis hin zu Betrieb und Wartung.

Damit schaffen Hersteller einen ganzheitlichen Einblick in die Eigenschaften und das Verhalten eines Produktes und können beides so analysieren und optimieren. Und nur so können sie gewährleisten, dass alle Funktionen in der Organisation stets mit der aktuell gültigen Information arbeiten.

Wird ein Digital Thread oder die Definition eines Produktes auf ein 2D- oder 3D-Abbild angewandt und Informationen zum Produkt bzw. Prozess aus der realen Welt an diesem Modell gespiegelt, um dessen Eigenschaften zu verstehen und das Verhalten zu prognostizieren, entsteht ein digitaler Zwilling.

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