Acht Experten haben kürzlich den Innovationsrat für Deutschland gegründet. In ihrer ersten Sitzung formulierten die Gründungsmitglieder „Fünf Impulse für den Innovationsstandort Deutschland“ und fordern eine klare Strategie für Wettbewerbsfähigkeit, Wohlstand und technologische Souveränität.
Der Innovationsrat für Deutschland. Auf der Hannover Messe haben die Experten fünf Impulse für den Standort vorgelegt.
(Bild: Julian Huke Photography)
Deutschland steht an einem Wendepunkt: Bleibt das Land eine führende Innovations- und Industrienation oder wird es zum Nachzügler im globalen Wettbewerb? Innovation entscheidet über wirtschaftliche Stärke, Wohlstand, Beschäftigung und gesellschaftliche Stabilität. Als größte Volkswirtschaft Europas prägt Deutschland damit auch die Zukunft unseres Kontinents. Der von Industrie und Parteien unabhängige Innovationsrat der Initiative Zukunft Deutschland 2050 warnt vor den negativen Folgen des Verlusts an Wettbewerbsfähigkeit und legt konkrete Handlungsempfehlungen vor. „Wir dürfen nicht riskieren, dass Schlüsseltechnologien hier erfunden und entwickelt, aber anderswo skaliert werden“, heißt es aus dem Innovationsrat. „Wer Innovation nicht aktiv gestaltet, wird technologisch, wirtschaftlich und geopolitisch abgehängt.“
Fünf Impulse für mehr Innovation
Der Innovationsrat fordert in seinen „Fünf Impulsen für den Innovationsstandort Deutschland“ eine ganzheitliche Betrachtung des Themas Innovation und dessen Auswirkungen auf den Wirtschaftsstandort Deutschland: „Wer jetzt nicht handelt, riskiert, dass Deutschlands Zukunft durch andere entschieden wird.“Alle Informationen unter: www.innovationsrat.de
Innovationen dürfen in unserem Land nicht länger im Takt der Legislaturperioden betrachtet werden. Deutschland braucht eine faktenbasierte, langfristig angelegte Innovationsstrategie mit klaren Prioritäten hinsichtlich Schlüsseltechnologien, Infrastruktur, Ressourcen und Fachkräften - und eine Haltung des Gestaltens.
Der regulatorische Rahmen in Deutschland und Europa muss im internationalen Vergleich attraktiver werden und stärker auf Vertrauen setzen: mit schnelleren Genehmigungen, digitalisierten Verfahren, klaren Zuständigkeiten und mehr Freiräumen für Innovation. Die Vorgaben insbesondere in Deutschland sind an vielen Stellen zu restriktiv. Europa benötigt mehr Experimentierräume für Innovatoren, z.B. in Form von klug definierten Reallaboren und Experimentierklauseln. Goldplating sollte zurückgefahren werden, indem man sich an Ländern orientiert, die europäische Regulierung innovationsfreundlicher umgesetzt haben. Gleichzeitig sollte Deutschland auf europäischer Ebene eine aktivere Rolle einnehmen und sich für den Abbau unnötiger Regulierung sowie eine innovationsfreundlichere Ausgestaltung von EU-Vorgaben einsetzen.
Deutschland braucht mehr Courage und strategische Investitionen statt Kaskodenken und kurzfristigen Maßnahmen. Die Entwicklung von Schlüsseltechnologien kostet Zeit und Geld. Dies bedarf neuer Formate der Förderung in Wissenschaft und Wirtschaft, die Innovation und Kooperation stärken. Die Investitionsbereitschaft von Unternehmen als auch die Rahmenbedingungen für Start-ups und Scale-ups müssen verbessert werden, damit Zukunftstechnologien in Deutschland erfunden und hier auch skaliert werden können.
Mit einer fundamentalen Reform des Bildungssystems und des Arbeitsmarkts gilt es, die Begeisterung für Innovationen, Unternehmertum und für die Gestaltung unserer Zukunft neu zu entfachen. Nur so können die Potenziale von KI in allen Lebensbereichen systematisch erschlossen werden, wozu neben Neugier und Gestaltungswillen auch eine produktive Fehlerkultur beiträgt. Dies beginnt in der frühkindlichen Bildung über die Schulen, die berufliche und akademische Bildung bis ins Erwerbsleben, das durch konsequentes Up- und Re-Skilling gekennzeichnet werden muss. Dabei kommt es entscheidend darauf an, Talente in der gesamten Breite der Gesellschaft zu heben - unabhängig vom familiären Hintergrund und den dort verfügbaren Unterstützungsressourcen. Nur wenn vorhandene Potenziale systematisch erschlossen werden, können Fachkräfteengpässe gemildert und Innovationsfähigkeit nachhaltig gestärkt werden.
Um zur Lösung der gravierenden Herausforderungen Europas beizutragen und langfristig eine tragende Rolle zu spielen, muss Deutschland in Forschung und wirtschaftlicher Umsetzung wieder exzellent werden. Historisch haben technische Innovationen beim Aufstieg Deutschlands zu einer führenden Industrienation eine zentrale Rolle gespielt. Bei der Erneuerung des Landes können sie dies erneut tun; mehr noch: Sie können eine wegweisende Rolle bei der Bewältigung globaler Probleme spielen - mit technischen Innovationen bspw. in der Biotechnologie, der Medizintechnik, der Mikroelektronik oder KI bis hin zu Cyber-physischen Systemen wie autonomen Fahrzeugen und humanoiden Robotern. Mehr Innovation und Unternehmertum sind ohne einen technologischen Beitrag nicht darstellbar. Durch die systematische Verbindung von Ingenieurwissenschaften, Informatik und Datenkompetenz haben wir die Chance, vertrauenswürdige KI-basierte Technologien und Produkte zu schaffen, die "Trained in Germany" zum neuen Gütesiegel und Innovationsversprechen machen.
Das Event für Konstruktions- und Entwicklungsleiter
Herausforderungen in der Produktentwicklung effizient lösen
(Bild: Bild: VCG)
Der Schlüssel für den Erfolg eines Unternehmens liegt in Konstruktion und Entwicklung. Hier entstehen innovative Produkte, die die Wettbewerbsfähigkeit sichern. Das Konstruktionsleiter-Forum sensibilisiert für die Herausforderungen der Produktentwicklung des 21. Jahrhunderts, und zeigt praxisorientierte Lösungen auf. Dazu zählen Tools und Methoden, um innovative Ideen strukturiert zu entwickeln und den Produktentstehungsprozess schlank und effizient zu gestalten.
Der Innovationsrat besteht aktuell aus folgenden Experten:
Prof. Dr. Lutz Eckstein ist Experte im Bereich Mobilität und automatisiertes Fahren. Seine Arbeit fokussiert sich auf die Entwicklung und Implementierung zukunftsfähiger Mobilitätslösungen, innovativer Fahrzeugkonzepte sowie auf die Vernetzung von Fahrerassistenz- und Fahrwerkregelsystemen für das automatisierte Fahren.
Prof. Dr. Veronika Grimm ist als Professorin an der Technischen Universität Nürnberg eine ausgewiesene Expertin für Wirtschafts- und Energiepolitik. In ihrer Forschung beschäftigt sie sich seit Jahren mit der Wettbewerbsfähigkeit technologiebasierter Volkswirtschaften und den Rahmenbedingungen für die deutsche Wirtschaft.
Prof. Dietmar Harhoff, PhD zählt zu den prägendsten Stimmen der Innovations- und Gründungsforschung in Deutschland und war langjähriger Vorsitzender der Expertenkommission Forschung und Innovation der Bundesregierung. Seine Forschungsschwerpunkte liegen insbesondere auf Innovation, Entrepreneurship, geistigem Eigentum sowie der Rolle von Technologie für wirtschaftliche Entwicklung und Wettbewerbsfähigkeit.
Prof. Dr. Jürgen Kühling ist als Professor für Öffentliches Recht, Immobilienrecht, Infrastrukturrecht und Informationsrecht an der Universität Regensburg ein ausgewiesener Experte für Regulierungs- und Wettbewerbsfragen, der bis 2024 als Vorsitzender der Monopolkommission die Bundesregierung beriet. Er befasst sich insbesondere mit der rechtlichen Ausgestaltung von digitalen Märkten und Infrastrukturen.
Dr. Anne Lamp ist Gründerin und Unternehmerin im Bereich Circular Economy. Mit traceless materials treibt sie die Entwicklung und Skalierung biobasierter Materialinnovationen voran und steht für die erfolgreiche Überführung nachhaltiger Technologien in marktfähige Anwendungen.
Dr. Melanie Maas-Brunner verfügt über langjährige Erfahrung in der industriellen Forschung und Entwicklung. Als ehemaliges Vorstandsmitglied und Chief Technology Officer von BASF steht sie für die strategische Verknüpfung von technologischer Exzellenz und industrieller Umsetzung und treibt Innovationen von der Idee bis zur Skalierung voran. Ihr Fokus liegt auf der Stärkung technologischer Souveränität in Europa.
Adrian Willig macht sichals Ingenieur für Luft- und Raumfahrttechnik und mit seiner langjährigen Tätigkeit in verschiedenen Wirtschafts- und Branchenverbänden für die Ingenieurinnen und Ingenieure in Deutschland stark. Er setzt sich für die Stärkung des Technologiestandorts, die Förderung von Ingenieurkompetenzen und bessere Rahmenbedingungen für neue Technologien ein.
Prof. Dr. Martin Wolf gilt als profilierter Vertreter der deutschen Informatik und verbindet wissenschaftliche mit wirtschaftlicher Expertise. Er engagiert sich für die Weiterentwicklung des Industriestandorts Deutschland durch Digitalisierung und intelligente Produktionssysteme. Dabei verbindet er technologische Expertise mit einem klaren Blick für wirtschaftliche Umsetzbarkeit.
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