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Getriebe Standardisiertes Getriebemodell für den einfachen Austausch von Getriebedaten

| Redakteur: Ute Drescher

Mit Rexs stellt die FVA der Industrie eine frei zugängliche, standardisierte Schnittstelle zum Austausch von Getriebedaten zur Verfügung.

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In Zukunft soll der Austausch zwischen unterschiedlichen Software-Tools für die Getriebeentwicklung einfach möglich sein. Im Bild: 3-stufiges Parallelwellengetriebe von SEW in Bearinx und der FVA-Workbench.
In Zukunft soll der Austausch zwischen unterschiedlichen Software-Tools für die Getriebeentwicklung einfach möglich sein. Im Bild: 3-stufiges Parallelwellengetriebe von SEW in Bearinx und der FVA-Workbench.
(Bild: FVA)

In einer Zeit, in der die Vernetzung auf allen Ebenen der Gesellschaft und Industrie immer wichtiger wird, bildet die Software-Landschaft, die im Bereich der Getriebeentwicklung, -berechnung und -fertigung eingesetzt wird, ein sehr heterogenes Bild. Obwohl diese Programme unterschiedliche Aufgaben zu erfüllen haben, ist ihre Datenbasis zu großen Teilen identisch. Es hat sich aber bis zur heutigen Zeit kein industrieweiter Standard zum Austausch von Getriebedaten etabliert. Dies führt zu vielen kosten- und pflegeintensiven Sonderlösungen sowie zu vermeidbarer Doppelarbeit.

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„Ziel ist es, die unterschiedlichen Systeme mit ihren eigenen Berechnungsschwerpunkten effizient und effektiv nutzen zu können, zum Beispiel Bearinx, Simpack oder FVA-Workbench“, erklärt Dr. Heinrich Bolz, Leiter Berechnung und Simulation in der Entwicklung Getriebe der SEW-Eurodrive GmbH & Co KG.

Dass eine konsequente Standardisierung wesentlich zum Erfolg beiträgt, beweist die Historie des deutschen Maschinenbaus, der bereits 1918 mit der Normung von Maschinenelementen startete. Was vor über 100 Jahren mit der Normierung von Kegelstiften begann, muss in Zeiten der Digitalisierung und Industrie 4.0 auf Softwareebene fortgeführt werden.

Die Lösung: ein Standard

Die Forschungsvereinigung Antriebstechnik e.V. hat sich zum Ziel gesetzt, einen industrieweiten Standard zum Austausch von Getriebedaten zu etablieren. Unter dem Namen Rexs (Reusable Engineering EXchange Standard) wird die Schnittstelle in enger Zusammenarbeit mit Industrie und Forschung entwickelt.

Rexs definiert normübergreifend und branchenweit eine einheitliche Modellierung und Nomenklatur des Getriebes und seiner Bestandteile und basiert auf der detaillierten Begriffswelt von 25 projektbegleitenden Ausschüssen der FVA. Aufgrund ihrer langjährigen Erfahrung und der breiten Verwurzelung in Industrie und Forschung ist die FVA in der Lage, einen branchenweiten Standard zu etablieren. „Ein wesentlicher Meilenstein für die Industrie 4.0 ist die Verbreitung und Etablierung von Standards. Das Rexs-Format hat das Potenzial dieses Ziel zu erreichen“, erklärt Hartmut Rauen, Geschäftsführer der FVA.

Für die FVA-Partner SEW Eurodrive und Schaeffler liegt der Fokus vorrangig auf dem Austausch von Getriebedaten im Rahmen der Lagerberechnung. Anstelle jedoch eine weitere spezialisierte Sonderlösung zu entwickeln, engagieren sich beide Unternehmen für das FVA-Vorhaben mit dem Namen „Standardisierung der Getriebemodellierung“ und haben damit den Grundstein für die Schnittstelle gelegt. Die langjährige Erfahrung der Industriepartner im Bereich Getriebesoftware soll die Praxistauglichkeit der entwickelten Konzepte im industriellen Umfeld gewährleisten.

„Wir haben uns zu diesem Zweck bewusst für die Entwicklung eines gemeinsamen Standards mit der FVA entschieden, da dieser Ansatz enormes Potenzial für die Zukunft birgt“, sind sich Dr. Heinrich Bolz und Stephan Evert, Leiter CAE Application Development, R&D Processes, Methods and Tools der Schaeffler Technologies AG & Co. KG, einig. Als erste praktische Anwendung wurde der Datenaustausch zwischen der FVA-Workbench, Bearinx von Schaeffler und Wesilab von SEW mit Hilfe von Rexs realisiert.

Ein Plus an Effizienz und Qualität

Die Vorteile der Rexs-Schnittstelle liegen auf der Hand: Die Schnittstelle reduziert Fehler beim Datenaustausch und minimiert den Pflegeaufwand bei der Kommunikation zwischen verschiedenen Programmen. Die Entwicklung neuer Schnittstellen ist in der Regel sehr aufwendig. Dadurch ist die Hemmschwelle hoch, neue Verknüpfungen zwischen bestehenden Softwaretools zu schaffen. Mithilfe einer einheitlichen Schnittstelle lässt sich eine solche neue Verknüpfung sehr effizient umsetzen, um den Produktentwicklungszyklus zu beschleunigen und zu verbessern.

„Mit Rexs können Getriebedaten schnell und fehlerfrei übermittelt werden. Damit liefert die Schnittstelle einen wesentlichen Beitrag zur Optimierung unseres Innovationsprozesses“, so Bolz. „Mit Hilfe von Rexs können wir den Aufwand für die softwaretechnische Kopplung von CAE-Werkzeugen reduzieren und dabei gleichzeitig die IT-Architekturen vereinfachen“, ergänzt Stephan Evert.

Schema beschreibt Getriebe

In Rexs werden die Komponenten eines Getriebes auf Basis üblicher Parameter beschrieben. Die Rexs-Spezifikation beinhaltet alles, was zur Definition eines Getriebemodells benötigt wird. Im Wesentlichen sind das Maschinenelemente, deren Attribute und Relationen die Beziehungen untereinander definieren. Durch die einfache und generische Struktur von Rexs ist es möglich, sowohl Einzelkomponenten als auch Baugruppen und komplexe Getriebestrukturen abzubilden.

Die Schnittstelle hat eine offene Architektur, sodass Firmen auch eigene Erweiterungen definieren können, ohne den Standard zu beeinflussen. Somit eignet sich die Schnittstelle sowohl zum Datenaustausch mit Standardprogrammen als auch für den internen Einsatz in eigenen Softwarelösungen.

„Rexs definiert eine sehr einfache, erweiterbare Datenstruktur, die bereits bei der Konzeption als Standard angelegt wurde und über die freie Lizensierung ihre Verbreitung finden wird.“, ist sich Stephan Evert sicher.

Während der Fokus der aktuellen Version der Schnittstelle noch auf der Beschreibung von Getrieben für Berechnungsprogramme liegt, sind die Weiterentwicklungsmöglichkeiten vielfältig. Nach dem Motto „Wer Großes erreichen will, muss sich hohe Ziele setzen“, hat die FVA die Vision, mit Rexs eine Schnittstelle für alle CAE-Anwendungen im Bereich Antriebsstrang zu etablieren. „Rexs ist ein richtiger Schritt in Richtung neuer Geschäftsmodelle auf Basis digitaler Services und kann hier als standardisierter Datencontainer für Digital Twins genutzt werden“, erklärt Stephan Evert.

Rexs in der FVA-Workbench 5.0

Die FVA-Workbench ist der Rahmen, in dem bereits während der Weiterentwicklung von Rexs neue Konzepte implementiert und auf Praxistauglichkeit getestet werden. Ab der Version 5.0 wird die FVA-Workbench mit jedem neuen Release stets den aktuellsten Stand der Rexs-Schnittstelle unterstützen und damit einen wesentlichen Beitrag zum effizienten Datenaustausch leisten. Dem Anwender steht somit eine Referenzsoftware für die Implementierung der Schnittstelle zur Verfügung.

„Um die Vorteile der Digitalisierung zu nutzen ist es zwingend, Daten über Systemgrenzen hinweg auszutauschen. Hier helfen proprietäre Datenformate nicht, da diese den Aufwand in einer digitalen Welt multiplizieren. Daher sehen wir die FVA-Workbench nicht nur als Berechnungsplattform für die Community, sondern viel mehr als gemeinsamen Datenhub und Enabler für die Digitalisierung in der Antriebstechnik“, erklärt Norbert Haefke, Geschäftsführer der FVA GmbH. (ud)

Hannover Messe 2018: Halle 23, Stand B19/1

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