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Agile Methoden

Software-Entwicklung und Fahrzeugtechnik: Sprints treffen auf Integrationsstufen

| Redakteur: Juliana Pfeiffer

Wie funktioniert die Kommunikation zwischen einem Konstrukteur und einem Softwareentwickler? Für das Internet der Dinge verschmelzen oft deren Welten. So treffen Abteilungen aufeinander, die vorher nur wenig Schnittstellen hatten. Dennoch sind sie innovativ.

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Im Automobilbau gibt es eine wichtige Gemeinsamkeit in der Arbeitsweise von Konstrukteuren und Softwareentwicklern: Der Fokus auf die ständige Erlebbarkeit des Produkts.
Im Automobilbau gibt es eine wichtige Gemeinsamkeit in der Arbeitsweise von Konstrukteuren und Softwareentwicklern: Der Fokus auf die ständige Erlebbarkeit des Produkts.
(Bild: Gorodenkoff Productions OU)

Das agile Arbeiten in 2- oder 10-wöchigen Sprints ist nicht vergleichbar mit den Konstruktionsprozessen eines maschinellen Produkts – könnte man meinen. Die Schnelllebigkeit und hohen Innovationsraten in der IT stehen den Herausforderungen der Automobilbranche gegenüber und machen Unterschiede in Vorgehensweisen, aber auch im Tempo sichtbar. So gibt es im klassischen Fahrzeugbau momentan die Phase der Serien-Entwicklung mit 36 bis 48 Monaten bis zur Serien-Produktion. Sei es bei einer kompletten Neuentwicklung oder einem Derivat, davor müssen auch verschiedene Stufen der Vorentwicklung durchschritten werden, bis das erste Fahrzeugkonzept steht. Die Stufen der Serien-Entwicklung für die Integration der Teil- und Vollaufbauten sind als genereller Zeitplan für alle Beteiligten klar spezifiziert. Der lange Takt der Automobilentwicklung trifft auf kurz getaktete Software-Entwicklungsgruppen. Längst arbeiten die Konstrukteure mit virtuellen Werkstücken, die ständig ins virtuelle Fahrzeug integriert werden. Was früher in akribischer Spezifikationsarbeit aufgeschrieben und vertraglich festgehalten werden musste, wird heute vorab bereits virtuell erlebbar. So entscheidet der Konstrukteur die nächsten Produktionsschritte nicht mehr vorab aufgrund seiner Vorstellungskraft, sondern erlebt das gemeinsame virtuelle Werkstück. Software-Entwickler sind gerade dabei, Continuous Integration als Stand der Technik in ihre Prozesse zu integrieren. Wer ist hier eigentlicher agiler?

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Neue Formen der Flexibilität erfinden

Die Entwicklung von Software stellt sich unterschiedlichsten zeitlichen Vorgaben. Software für Steuergeräte und die Mensch-Maschine-Schnittstelle (Navigations-System) sind fest im Fahrzeug verbaut und müssen mit den zeitlichen Vorgaben der Steuergeräte und damit der maschinellen Konstruktion einhergehen. Und immer mehr Komponenten werden mit Software gesteuerten Geräten versehen. Selbst Scheinwerfer wurden als „adaptive Scheinwerfer“ neu erfunden. Um das vorausfahrende Fahrzeuge zu erkennen, dessen Konturen zu verarbeiten und im Anschluss den Lichtkegel anzupassen, werden Daten benötigt. Auf Basis der Auswertung mit Hilfe von Software können Scheinwerfer entsprechend des Lichteinfalls oder -ausfalls gesteuert werden. Der aktuelle Evolutionsschritt wird hier der Remote-Update sein, um sich aus diesem Korsett befreien zu können und neue Formen der Flexibilität zu finden. Die Smartphone-Industrie hat es vorgemacht. Die Software außerhalb des Fahrzeugs wurde längst an Internet basierte Prozesse angepasst. Beide Entwicklungswelten befinden sich in ihren eigenen Change-und Innovationsprozessen und haben oft Schwierigkeiten zu erkennen, wer sich jetzt wem anpassen sollte: Software-Entwickler gehen oft davon aus, dass gerade sie auf dem aktuellen Stand der neuesten Entwicklungs-Prozesse sind. Automobil-Entwickler sind nicht bereit, ihre bereits auf Erlebbarkeit getrimmten Prozesse und den festen Takt der Serien-Produktion aufzugeben, da sie um den Qualitätsverlust fürchten und ein Kommunikations-Chaos vermeiden wollen. Tatsächlich ist die Skalierung von agilen Software-Entwicklungs-Prozessen ein oft unterschätztes, oder vernachlässigtes Thema. Nun, es gibt Gründe, dass beide Seiten aufeinander zugehen und Best Practices voneinander lernen.

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Ständige Erlebbarkeit des Produkts

Eine wichtige Gemeinsamkeit gibt es in der Arbeitsweise von Konstrukteuren und Softwareentwicklern: Der Fokus auf die ständige Erlebbarkeit des Produkts. Die einen arbeiten am virtuellen Werkstück, dessen Eigenschaften man jeden Tag aktuell simulieren kann. Bei der Software wird mit Continuous Integration ebenfalls täglich integriert, so dass sämtliche Weiterentwicklungen von Programmierern und Dienstleistern erlebbar sind. Auf beiden Ebenen gibt es das Ziel, dass Entwickler nicht mehr einfach eine Spezifikation runter-entwickeln, sondern täglich den Fortschritt und die Änderungen der anderen Teams sehen können. Und das Wichtigste dabei: Sie können darauf reagieren.

Verschiedene Beiträge in die Teamarbeit integrieren

Früher gab es große Prozessmodelle mit klaren Richtlinien zur Entwicklung einer Software. Dabei lag der Gestaltungsspielraum hauptsächlich beim Software Architekten. Die Freiheitsgrade eines Entwicklers waren stark eingeschränkt. Diese klaren Strukturen erzeugen wenig Spielraum für Innovationen. Bei einer gleichmäßigeren Verteilung der Freiheitsgrade dagegen entstehen neue Wege und Entwicklungen, aus denen Ideen entstehen. Der Fokus auf Gruppenarbeit und eine damit verbundene vereinfachte Kommunikation bilden dabei die Basis von agilen Methoden. Eine dieser agilen Methoden des Projektmanagements ist der sogenannte Scrum-Ansatz. Um die Effizienz bei den Scrum-Teams zu steigern, wurde das Scaled Agile Framework (SAFe) entwickelt. Schwerpunkt des Konzeptes ist, die verschiedenen Beiträge in die Teamarbeit zu integrieren. Momentan ist es noch nicht Stand der Technik, dass die Welt der Software in die virtuelle Welt der Fahrzeug-Entwicklung ständig integriert wird. Dafür spannt die Software den Bogen zu anderen technischen Plattformen und erhöht den Vernetzungsgrad immer weiter. Dennoch gilt: Auch diese Form der Software muss unabhängig vom Alter des Fahrzeugs zu jeder Zeit funktionieren. Die Herausforderung liegt darin, die Software weiter zu entwickeln und dabei alle Sachzwänge der unterschiedlichen Modelle über die Jahre mit zu berücksichtigen. (jup)

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