Industrieunternehmen Sieben chinesische Unternehmen, von denen Sie bald mehr hören

Ein Gastbeitrag von Henrik Bork

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Chinesische Industrieunternehmen spielen eine immer bedeutendere Rolle auf dem Weltmarkt. Wir stellen die sieben heißesten „Shooting Stars“ vor.

Chinas Industrie hat es derzeit nicht leicht – die radikale Corona-Politik macht vielen Unternehmen zu schaffen. Dennoch gibt es einige, die aus der Masse herausstechen.
Chinas Industrie hat es derzeit nicht leicht – die radikale Corona-Politik macht vielen Unternehmen zu schaffen. Dennoch gibt es einige, die aus der Masse herausstechen.
(Bild: Engdao - stock.adobe.com )

Auch in China hat es die Industrie momentan nicht leicht, unter anderem wegen der radikalen Corona-Politik der kommunistischen Führung in Peking. Trotzdem gibt es eine Reihe von Unternehmen, die sich besser schlagen als die Konkurrenz. Vieles spricht dafür, dass wir in den kommenden Jahren noch viel von diesen Firmen hören werden.

Wer schon einmal die Namen BOE, BYD oder Midea gehört hat, wird sie aller Wahrscheinlichkeit nach noch öfter hören als bisher. Und wer noch nie die Namen Longi oder Mindray gehört hat, wird aller Voraussicht nach bald zum ersten Mal von diesen chinesischen Unternehmen hören.

Hier ist unsere aktuelle Liste der sieben heißesten „Shooting Stars“ der chinesischen Industrie:

1. BOE – Star der Bildschirm-Fertigung (Hauptquartier: Peking)

Das erst 1993 gegründete Unternehmen, das seit 1997 an der Börse in Shenzhen notiert ist, ist zu einem der erfolgreichsten Hersteller der internationalen Display-Industrie mit einem globalen Marktanteil von 25 Prozenz aufgestiegen (diese Zahl stammt aus dem Jahr 2020).

Kein anderer Konzern – auch nicht unter den bis vor kurzem noch den Weltmarkt dominierenden Japanern, Südkoreanern und Taiwanesen – verkauft heute so viele Bildschirme für Handys, Tablets, Laptop-Computer, Computer-Bildschirme und Fernsehgeräte wie BOE.

Der kometenhafte Aufstieg von BOE (allein 2021 wuchsen der Umsatz um 72 Prozent und der Reingewinn um 708 Prozent) hat mit einem damals wenig beachteten industriepolitischen Dokument namens „Chip-Display Integration“ der Stadtregierung von Hefei begonnen. Die kommunistischen Kader förderten BOE („Display“) und Hefei Nexchip Semiconductor („Chip“) massiv mit Subventionen und lagen richtig mit ihrer Annahme, dass es da lukrative Synergien gibt.

2. Cosco Shipping – Star der Container-Schifffahrt (Hauptquartier: Shanghai)

Was für den Großteil der globalen Fertigungsindustrie seit Beginn der Corona-Lockdowns der heftigste Kopfschmerz ist, entpuppte sich für Cosco, Chinas größte Container-Reederei, als die Chance des Jahrhunderts: Angespannte Lieferketten und turmhohe Frachtraten ließen den Börsenwert der Cosco Shipping Holding im vergangen Jahr um 99 Prozent nach oben schießen.

Mit Blick auf eine Steigerung des Reingewinns um das 16,5-fache ist es wohl fair, die „China Ocean Shipping Company” als einen der größten Krisengewinner des Corona-Lockdown-Zeitalters zu bezeichnen. Während manche Reedereien kämpfen mussten, konnte das chinesische Konglomerat erst kürzlich wieder neue Containerschiffe für rund 1,37 Milliarden Euro in Auftrag geben.

Allein im ersten Jahr nach Beginn der Corona-Maßnahmen und der weltweiten Lieferengpässe, also im Jahr 2020, kaufte sich Cosco zwölf neue Container-Schiffe mit einer Kapazität von 23.000 TEU. 74 weitere Containerschiffe hat Cosco geleast. Mit mehr als 1310 Schiffen (Stand März 2020) war Cosco schon zu Beginn der Pandemie eine der größten Reederein der Erde. In den vergangenen zwei Jahren aber gab es dann nur noch Rückenwind auf allen Weltmeeren.

3. Mindray – Star bei medizinischen Geräten (Hauptquartier: Shenzhen)

Vor 30 Jahren, im Jahr 1991, war Mindray bei seiner Gründung im Hafenbezirk Shekou von Shenzhen einer von vielen Anbietern von medizinischen Geräten im Dunstkreis von Hongkong. Heute ist das Unternehmen der unbestrittene Marktführer in seiner Industrie in China.

Mindray Medical International Limited, so der komplette Name, ist in den drei Geschäftsfeldern Lebensinformation, In-Vitro-Diagnose and Medizinisches Imaging unterwegs und stellt unter anderem Monitore, Anästhesie-Maschinen, Ventilatoren, Geräte für die Blutzellen-Analyse und Ultraschall-Apparate her.

Die 12.000 Angestellten des Unternehmens produzieren medizinische Geräte für mehr als 110.000 Krankenhäuser in China. Auch die Mayo Clinic, das Johns Hopkins Hospital und andere weltberühmte Krankenhäuser zählen zu den Kunden.

4. Longi – Star der Photovoltaik (Hauptquartier: Xian)

Das im Jahr 2000 gegründete und seit 2012 an der Börse in Shanghai notierte Unternehmen ist heute seinem Börsenwert von rund 66 Mrd. Euro zufolge der größte Photovoltaik-Konzern der Erde. Es ist auch mit Abstand der weltgrößte Hersteller von Silizium-Wafern und Solarmodulen.

Sehr früh hatte Longi auf monokristalline Siliziumscheiben gewettet. Dann begann die neue Technologie, die zuvor dominanten polykristallinen Wafern zu ersetzen. Von 2015 bis 2019 stieg der Marktanteil von „mono“ von 19 auf 90 Prozent. Seither ist auch Longis Stern nur noch gestiegen.

Seine Spürnase für neue, lukrative Märkte hat Longi offenbar trotz seines raschen Wachstums noch nicht verloren. Seit kurzem setzt das Unternehmen stark auf grünen Wasserstoff. Im Mai dieses Jahres, nur ein Jahr nach der Gründung der Unternehmenstochter Longi Hydrogen, hat es den bislang größten Auftrag der Erde für die Produktion von sauberem Wasserstoff erhalten. Mit Hilfe von Solarzellen wird dieses Projekt mit einer Investitionssumme von 420 Millionen Euro ab 2023 per Elektrolyse 20.000 Tonnen völlig emissionsfrei produzierten Wasserstoff produzieren.

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5. Midea Group – Star der Elektro-Haushaltsgeräte (Hauptquartier: Beijiao)

In Deutschland ist Midea in manchen Zirkeln schon als der Käufer der Robotikfirma Kuka bekannt geworden. Da läuft wohl nicht alles ganz so wie geplant und es gab hier und da auch negative Schlagzeilen.

Bei elektronischen Haushaltsgeräten aber, seinem Hauptgeschäft, baut Midea in China seit einigen Jahren seine Führung immer weiter aus. Das Unternehmen ist 1968 von einer Gruppe von Bewohnern des Dorfes Beijiao südlich von Kanton gegründet worden. Zuerst stellte man Kronkorken für Bierflaschen her. Seit Beginn der wirtschaftlichen Öffnung Chinas Anfang der 80er Jahre bauen die umtriebigen Unternehmer schon elektrische Ventilatoren.

Inzwischen baut Midea so ziemlich alles, was im Haus einen Stecker braucht. Und die bislang weitgehend erfolgreiche Diversifizierung wird stetig weiter vorangetrieben. Erst im März dieses Jahres hat Midea bekannt gegeben, dass es in die Produktion von Chips für die Automobilindustrie investiert.

6. BYD – Star der E-Mobilität (Hauptquartier: Shenzhen)

Spätestens seit Berkshire Hathaway, die Investment-Firma von Warren Buffett, in BYD investiert hat, ist dieser Firmenname international nicht mehr völlig unbekannt. Doch erst in jüngster Zeit hat das Unternehmen, das sowohl Autobatterien wie E-Autos und Hybride herstellt, zu einem einzigartigen Höhenflug angesetzt.

Allein im vergangenen Monat, allen Corona-Lockdowns und Lieferengpässen bei Chips und anderen Autoteilen zum Trotz, hat BYD 113.768 E-Autos und Hybride verkauft – und damit die gesamte Konkurrenz deklassiert.

Ein schlauer Produktmix, darunter besonders viele Hybride, die in China sehr beliebt sind, weil es auch dort noch nicht genug Ladesäulen für reine Elektroautos gibt, sowie eine starke vertikale Integration der Produktion (eigene Batterien, eigene Halbleiter, et cetera) werden von Analysten als Gründe für diesen Erfolg genannt.

Mittlerweile hat der Börsenwert von BYD nicht nur den von Volkswagen überholt. BYD ist – mit seinen Verkäufen von E-Autos und Hybriden – jetzt auch schon zum zweitgrößten chinesischen Autohersteller insgesamt aufgestiegen – also für Benziner und „New Energy Vehicles“ wie Elektroautos und Hybride zusammen. Das Gemeinschaftsunternehmen FAW-Volkswagen führt dieses Ranking für alle Autos in China derzeit noch an, aber seine Verkäufe sinken, während die von BYD gerade von Monat zu Monat stark steigen.

7. CATL – Star für Autobatterien (Hauptquartier: Ningde)

Die erst 2011 gegründete Firma ist seit 2017 der größte Hersteller von Autobatterien in China und weltweit. 2021 kontrollierte das in der Stadt Ningde in der chinesischen Küstenprovinz Fujian beheimatete CATL – ausgeschrieben Contemporary Amperex Technology Co. Ltd. – einen globalen Marktanteil von 32,6 Prozent an Autobatterien für E-Autos, berichtet die Marktforschungsfirma SNE Research.

Chinas Regierung hat früh mit der systematischen Förderung der E-Mobilität begonnen und hat nun ähnlich anderen Ländern ehrgeizige Klimaschutzpläne veröffentlicht, in deren Folge staatliche Subventionen für E-Autos und damit der Bedarf für Batterien für die kommenden Jahre gesichert sind.

CATL expandiert und expandiert, unter anderem auch in Thüringen, wo das Batteriewerk der Chinesen noch in diesem Jahr eine Produktionskapazität von 14 GW erreichen will. Langfristig sollen an dem Standort 100 GW an Autobatterien pro Jahr hergestellt werden. Nach dem geeigneten Ort für eine zweite CATL-Fabrik in Europa wird gerade gesucht.

* Henrik Bork ist Managing Director bei Asia Waypoint, einer auf China spezialisierten Beratungsagentur mit Sitz in Peking. „China Market Insider“ ist ein Gemeinschaftsprojekt der Vogel Communications Group, Würzburg, und der Jigong Vogel Media Advertising in Beijing.

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