Stoßdämpfer Sicher Joggen im Weltall

Redakteur: Jan Vollmuth

Damit Astronauten im All fit bleiben, sind Raumfähren und Raumstationen mit speziellen Laufbändern ausgestattet. Die Antriebe dieser Astronauten-Laufbänder werden mit Strukturdämpfern von ACE gesichert.

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Im ZERO G getauften, für Parabelflüge umgebauten Airbus A300 der ESA testen Ingenieure und ein Astronaut das Laufband namens T2-Rack von QinetiQ Space nv, in dem auch TUBUS Strukturdämpfer von ACE zum Einsatz kommen.
Im ZERO G getauften, für Parabelflüge umgebauten Airbus A300 der ESA testen Ingenieure und ein Astronaut das Laufband namens T2-Rack von QinetiQ Space nv, in dem auch TUBUS Strukturdämpfer von ACE zum Einsatz kommen.
(Bild: ACE / QinetiQ Space nv)

Effektiveres Training für Astronauten zu geringeren Kosten. Das hat sich die britische Qinetiq Group auf die Fahnen geschrieben. Seit 2005 gehört mit der Verhaert Space in Kruibeke das führende belgische Unternehmen für die Integration von Weltraumsystemen zum Bereich Qinetiq Space. Zu dessen Kunden zählen neben dem britischen Verteidigungsministerium auch die ESA und andere namhafte Organisationen wie etwa die NASA.

Kunden wie diese verlangen nach High-end-Lösungen. Darauf hat sich das mit größtem technischem Wissen arbeitende Team der belgischen Tochterfirma spezialisiert. So gehört das Konstruieren eines speziellen Laufbandes für Astronauten wegen seines speziellen Zubehörs zu den Projekten von Qinetiq Space.

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Laufen im Weltall

Zunächst einmal ist Laufen nichts Außergewöhnliches. Im Gegenteil: Für sich genommen, ist es eine der leichtesten Betätigungen des Menschen überhaupt. In der Schwerelosigkeit ist es ohne Hilfsmittel jedoch nicht mehr möglich zu laufen. Denn wenn man einmal den Boden verlassen hat, gibt es buchstäblich kein Halten mehr. In Raumfähren und Raumstationen sind Astronauten deshalb beim Trainieren auf Laufbändern mit starren Formteilen verbunden.

Mit dem häufigen, intensiven Training werden die negativen Auswirkungen der Schwerelosigkeit auf Muskeln und Knochen der Astronauten minimiert, so dass sie auch bei längeren Ausflügen ins Weltall keine gesundheitlichen Probleme bei der Rückkehr zur Erde bekommen. Da die Fixierung an kaum dehnbarem Gummi von den Astronauten während Testreihen als unangenehm beschrieben wurde, bekam Qinetiq Space den Auftrag, eine neue Laufbandgeneration zu entwickeln. Den Raumfahrtspezialisten schwebte dabei ein Modell vor, das auf Bungeeseilen basiert, so dass die Trainierenden quasi über ihr eigenes Gewicht am Boden gehalten werden können.

Der belgische Astronaut Frank de Winne verbrachte 2010 sechs Monate auf der Raumstation ISS. Ihm waren die Bedingungen auf dem bisher verwendeten Laufband also bestens vertraut. Dies war ein Grund, warum ihn die belgische Tochter der Qinetiq Group als Proband auswählte. Der andere war, dass die Schwerelosigkeit auf der Erde nicht so ohne weiteres herzustellen ist.

Tests im umgebauten Airbus A300

Frank de Winne musste ein Flugzeug besteigen. Aber nicht irgendeins, sondern einen als ZERO G getauften, für besondere Flüge umgebauten Airbus A300. Mit diesem wurden zahlreiche Tests ausgeführt.

Eine Woche lang absolvierte das Team pro Tag 31 so genannte Parabelflüge. Bei dieser die Form einer Parabel nachzeichnenden Art des Fliegens wird für die Dauer von 22 Sekunden Schwerelosigkeit erzeugt. Der gesamte Vorgang eines Parabelfluges dauert zwei Minuten, in denen der Körper des Probanden auch immer wieder bis zu 2 G, also das Doppelte der Schwerkraft, aushalten muss. Bei Normalsterblichen kann dieser ständige Wechsel zu Übelkeit führen. Ein Astronaut ist durch seine Übung hingegen in der Lage, selbst unter diesen Bedingungen noch zu trainieren und wertvolle Testergebnisse zu liefern. Denn schließlich soll das T2-Rack getaufte Laufband der zweiten Generation demnächst in der ISS zum Einsatz kommen.

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