I/O Safety Safety Komponenten sorgen für mehr Sicherheit auf der Kirmes

Redakteur: Dipl. -Ing. Ines Stotz

Fahrgeschäfte wie Karussells, Riesenräder oder Achterbahnen unterliegen besonderen Richtlinien und Normen. Betreiber müssen jetzt eine neu eingeführte Norm umsetzen. Schaustellerbetrieb Jörling & Söhne hat die Technik seines Twisters dementsprechend aktualisieren lassen.

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Vorbereitung für den Disco Swing von Jörling & Söhne für die erfolgreiche Tüv Abnahme nach DIN EN 13814.
Vorbereitung für den Disco Swing von Jörling & Söhne für die erfolgreiche Tüv Abnahme nach DIN EN 13814.
(Bild: Dennis König-Redaktion Der Komet)

Eine neue Norm, die DIN EN 13814, die jetzt verbindlich in Kraft getreten ist, soll für mehr Sicherheit für Kirmesbesucher sorgen und betrifft alle Fahrgeschäfte, die älter als drei Jahre sind. Der Schaustellerbetrieb Jörling & Söhne aus Diepholz hat sich frühzeitig darauf eingestellt und von Stockmann Elektromontagen aus Minden den kompletten Schaltschrank des Fahrgeschäftes nach der aktuellen Norm neu aufbauen lassen. Die Firma hat sich neben der Industriemontage und der Kabelkonfektionierung auf Fahrgeschäft-Technik und Steuerungsbau nach DIN 13814 spezialisiert.

Dabei darf man sich keinen klassischen Schaltschrank wie im Maschinen- und Anlagenbau vorstellen. Dieser ist vielmehr quer unter dem Fahrgeschäft verbaut und lässt nur das Öffnen eines bestimmten Bereiches – den der Sicherungen – zu. Der Bereich muss für die Bedienung des Fahrgeschäftes zugänglich bleiben.

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Sicherheitstechnik im Baubuch festgeschrieben

Der Disco Swing, ein Karussell der Bauart Twister, der Familie Jörling ist zwar aus dem Jahre 1977, technisch aber top modern ausgestattet und bereits nach neuer Norm zertifiziert. Das Highlight auf jedem Festplatz bietet so sicheren Fahrspaß für Kinder ab drei Jahren (in Begleitung Erwachsener).

Die Errichtung und die elektrische Ausrüstung von fliegenden Bauten wird für jedes Karussell in einem Baubuch festgeschrieben. Dieses überprüft der Tüv Süd regelmäßig und erklärt, ob und welche Änderungen am Fahrgeschäft notwendig sind.

„Bereiche, wie Sicherheitstechnik können schon mal 600 Seiten erreichen. Für den Twister mussten wir als Steuerungsbauer allein 180 DIN A4 Seiten für die neue Elektroplanung einreichen.“ erklärt Geschäftsführer Frank Stockmann. Nach Klärung und Prüfung durch den Tüv stand das neue Konzept für den Schaltschrank fest.

Netzwerk Maschinensicherheit

Erfahren Sie am 30. September 2021 auf der Fachkonferenz Netzwerk Maschinensicherheit in Würzburg, wie Sie die Sicherheit Ihrer Maschinen und Anlagen normengerecht gewährleisten: Die Konferenz unterstützt Konstrukteure, Entwickler, Hersteller und Betreiber dabei, die funktionale Sicherheit ihrer Maschinen und Anlagen so zu gestalten, dass sie den Anforderungen der Maschinenrichtlinie genügt, auch in einer smarten Fabrikumgebung.

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Remote I/O mit Webserver sorgt für schnelle Inbetriebnahme

Die Elektroplanung wurde mit einer speziellen Safety Steuerung von Siemens automatisiert. Das eingesetzte Bussystem – Profinet, wurde dabei mit den U-Remote Safety Komponenten von Weidmüller ergänzt. Das U-Remote I/O-Konzept ist, aufgrund des durchgängig steckbaren Systems und dem integrierten Webserver, intuitiv und fehlerfrei zu bedienen.

Das wusste auch Amon Stockmann zu schätzen: „Die einfachen Montage und vor allem der Webserver machten die Inbetriebnahme besonders einfach.“ Letzterer ermöglicht sektionsweise Inbetriebnahmen bereits vor der Gesamtinbetriebnahme.

So ließen sich Teile des Karussells einzeln prüfen und deren Funktion testen, inklusive Fehleridentifikation mit Klartextdiagnosen. Mit einer LED direkt am Kanal und Statusanzeigen an jedem Modul lassen sich Fehler auch unmittelbar vor Ort lokalisieren.

Die Bedienung erfolgt intuitiv und fehlerfrei.

Spezifische Sicherheitsstandards

Wenn es darum geht, Risiken zu vermindern und Gefahr für Mensch und Umwelt zu vermeiden, sind Lösungen gefragt, die hohen Anforderungen und gesetzlichen Vorgaben entsprechen.

Die U-Remote Safety-Module besitzen wesentliche Features wie die Einbindung von Not-Aus-Kreisen und Drahtbruch- bzw. Kurzschlusserkennung. Sie erfüllen sämtliche Anforderungen nach SIL 3 gemäß IEC 62061 und EN ISO 13849-1, Kategorie 4, PL e. Die nachfolgenden Ausgangsmodule lassen sich gefahrlos abschalten.

Alle Eingangssensoren werden über getrennte Spannungspfade autark versorgt und signalisieren der Steuerung den aktuellen Zustand des Fahrgeschäftes. Die Safety-Module verringern zudem Wartungs- und Servicezeiten und verbessern Reaktionszeiten im Notfall – transparent umgesetzt, etwa durch OSSD-Ausgänge.

„Durch die Automatisierung mit den U-Remote Komponenten konnten wir die Steuerkabel, die das Karussell mit dem Kassenhaus verbinden, von drei auf eines reduzieren,“ freuen sich Amon und Frank Stockmann.

Über das besonderes gesicherte Steuerkabel wird aus dem Kassenhaus heraus das gesamte Karussell gesteuert. So werden alle Aktivitäten wie der Karussell-Start, das Heben, das Drehen und das Absenken über die Siemens Safety Steuerung in Kombination mit den sicheren I/O- und Einspeisemodulen von U-Remote gesteuert.

Auch der Fahrgastwechsel, der nur erfolgen darf, wenn das Karussell komplett abgebremst ist, wird darüber überwacht. „Besonders begeistert hat uns die Zusammenarbeit mit Weidmüller. Ob es Fragen zur Programmierung waren oder der Besuch vor Ort, wir haben mit Alexander Wiersbowsky und Eike Schmidt immer eine passende Lösung gefunden. Das hat uns die Arbeit schon sehr erleichtert“, ist Frank Stockmann überzeugt.

Steuerpult: außen Retro, innen topaktuell

Im Kassenhaus steht das Steuerpult für den Twister. Es mag etwas nostalgisch anmuten, aber da täuscht die Optik. „Wir haben das Steuerpult extra im Retro-Look gelassen, das passt besser zum Karussell. Dafür haben wir das ‚Innenleben‘ aber auf den aktuellen, technischen Stand gebracht. Hier kommt auch U-Remote zum Einsatz, das nicht nur die Bedienung des Karussells, sondern auch die Lichttechnik steuert“ ist Amon Stockmann, der die gesamte Steuerungstechnik programmiert hat, sichtlich stolz.

Gondel- und Rückwandbeleuchtung sind mit energieeffizienten LEDs ausgerüstet. „Wir legen Wert auf besonderen Fahrspaß, aber auch auf den besonders umweltfreundlichen Betrieb unserer Fahrgeschäfte,“ sagt Franz Karl Jörling.

Weniger Fehler durch neue Technik

Aufbauzeiten von zwei Tagen für den Twister müssen vom Betreiber einkalkuliert werden. Dabei minimiert die neue Automatisierungstechnik mit nur einem Steuerkabel die Fehlerquote erheblich. Aber auch die eingesetzte Verbindungstechnik, die A-Reihe von Weidmüller, lässt sich leicht bedienen.

Amon Stockmann, der seine Leidenschaft für die Automation von Fahrgeschäften entdeckt hat, freut sich über die gelungene Tüv Abnahme des Twister. Zwei weitere – kleinere Kinderkarussells – wollen zwar nicht so hoch hinaus, werden aber auch nach neuer Norm sicherheitsgeprüft umgerüstet.

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