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Werkstoffe Neuer Superzug für Deutschland

| Redakteur: Karl-Ullrich Höltkemeier

In Krefeld-Uerdingen entsteht der neue Superzug Velaro D von Siemens. IAb Ende 2011 soll er auch in Deutschland fahren. Die Deutsche Bahn hat insgesamt 15 Garnituren des Hochgeschwindigkeitszugs bei Siemens bestellt.

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( Archiv: Vogel Business Media )

In Krefeld-Uerdingen entsteht er gerade der neue Superzug Velaro D von Siemens – aus Deutschland, für Deutschland. In Spanien, China und Russland ist die Velaro-Familie bereits erfolgreich auf den Schienen unterwegs. Ab Ende 2011 soll die neueste Generation mit einer Geschwindigkeit von bis zu 320 Kilometer pro Stunde auch in ihrem Heimatland fahren. Die Deutsche Bahn (DB) hat im Dezember 2008 insgesamt 15 achtteilige Garnituren dieses neuen ICE 3 der Baureihe 407 bei Siemens bestellt. Er wird das neue Flagschiff der DB. Der Auftrag ist rund 500 Millionen Euro wert und sichert allein in Deutschland etwa 2.000 Arbeitsplätze. Die Produktion läuft auf Hochtouren.

Sicher, effizient und schnell

Für die Deutsche Bahn baut Siemens in Krefeld-Uerdingen 15 neue Hochgeschwindigkeitszüge. Ab Ende 2011 soll der Velaro D als ICE-3-Nachfolger mit bis zu 320 Kilometer pro Stunde unterwegs sein. Die Velaro-Zugfamilie von Siemens ist sehr energie-effizient: Auf 100 Kilometer verbraucht der Velaro pro Sitzplatz nur 0,33 Liter Benzin-Äquivalent – das ist gerade mal so viel, wie in eine Coladose passt. Entsprechend gering ist sein CO2-Ausstoß: Gegenüber dem Flugzeug produziert sein Betrieb rund 90 Prozent weniger Treibhausgas pro Person und Kilometer.

Aluminium macht den Anfang

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Am Ende ist das Ganze mehr als die Summe seiner Teile. Am Anfang stehen trotzdem rund 190 große Aluminiumprofile, die zusammen einen Wagenkasten des Velaro D formen: Die größten Profile sind etwa 21 Meter lang und bis zu 640 Kilogramm schwer. Mit einem Kran heben Siemens-Mitarbeiter die Alu-Teile auf die Schweißanlage. Insgesamt hat die Deutsche Bahn 15 Hochgeschwindigkeitszüge mit je acht Wagen bei Siemens bestellt. Das macht zusammen 120 Wagenkästen, die allein für den Velaro D in Krefeld-Uerdingen produziert werden.

Schweißen für Profis bei über 2.000 Grad

(Archiv: Vogel Business Media)

Aus etwa 16 einzelnen Aluminiumprofilen besteht eine Seitenwand des Velaro D. Bei über 2.000 Grad Celsius schweißen Siemens-Mitarbeiter die Teile im Rohbau zusammen – eine Spezialaufgabe für hoch qualifizierte Fachleute: Das perfekte Verschweißen von Aluminium ist eine Herausforderung, die nur erfahrene und exzellent ausgebildete Spezialisten meistern.

Ein Wagen wie aus einem Guss

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Etwa 25 Meter lang ist ein Wagen des Velaro D. Damit an jeder Stelle die Form stimmt, prüfen Siemens-Mitarbeiter mit einer großen Schablone die Konturen bereits im Rohbau. Qualität steht für Siemens und seine Kunden an oberster Stelle – nicht nur beim Bau von Hochgeschwindigkeitszügen. Wenn alle acht Wagen zusammengekoppelt sind, ist der neue ICE 3 der Baureihe 407 genau 200 Meter lang – und aerodynamischer geformt als alle seine Vorgänger. Das macht den Zug auch leiser und sparsamer.

Gut verdrahtet für beste Verbindungen

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Verborgen im Boden, im Dach und in den Wänden verläuft ein ausgeklügeltes System von Kabeln und Leitungen durch den Velaro D. Die elektrischen Lebensadern des Zuges versorgen sowohl den Fahrzeugführer als auch seine Passagiere mit aktuellen Informationen: In beiden Wagenklassen halten Video-Bildschirme die Reisenden auf dem Laufenden. Zudem bedient das ausgereifte Bordnetz die Beleuchtung, Klima-Anlage, Lüftung und Heizung.

Bugnase gegen Crashs verstärkt

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Eine perfekte Leittechnik sorgt für Sicherheit im Bahnverkehr. Beim Kuppeln und Rangieren beispielsweise kann es trotzdem zu Zusammenstößen kommen. Dann nimmt das Crash-Modul unter der Bugnase die Energie auf: Das erhöht die Sicherheit und macht gleichzeitig Reparaturen schneller und günstiger. Für den Velaro D hat Siemens das bisherige Rohbaukonzept des ICE 3 überarbeitet und an die neuesten Entwicklungen angepasst.

Flexibel durch die Lande

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Als sogenannter Mehrsystemzug kann der Velaro D von Siemens in Deutschland, Frankreich, Belgien und der Schweiz fahren – trotz unterschiedlicher Spannungen in den jeweiligen Bahnstromnetzen. Außerdem ist er kuppelbar mit dem ICE 3, was seinen flexiblen Einsatz im deutschen Fahrplan möglich macht. Beispiel: Der Zug fährt zuerst als Doppelzug (400 Meter lang mit rund 900 Sitzplätzen) und teilt sich später, um zwei verschiedene Endziele zu erreichen. Diese Flexibilität nutzt auch dem Reisenden.

Siemens plant im 3-D-Labor

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Der Velaro ist ein reines Siemens-Produkt. Das heißt, Siemens hat den Zug komplett eigenständig entwickelt. Bei der Planung nutzen Siemens-Ingenieure unter anderem die virtuelle Realität: Im 3-D-Labor des Unternehmens in Krefeld-Uerdingen laufen die Entwickler schon Monate vor Produktionsstart durch den simulierten Zug, fliegen virtuell durch Kabelschächte und schauen dem Fahrzeugführer über die Schulter. Das sichert die Qualität des Produkts bereits vor dem Beginn der Fertigung.

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