Plagiarius

Negativ-Preis „Plagiarius“ rückt dreiste Fälschungen ins öffentliche Bewusstsein

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Gesetz und Moral - Die zwei Seiten des Plagiats

Grundsätzlich gilt in Deutschland und vielen anderen Ländern Nachahmungsfreiheit. Wer ein neues Produkt vor unerwünschten Kopien von Trittbrettfahrern schützen möchte, muss es über gewerbliche Schutzrechte (Marke, Design, Patent, Gebrauchsmuster etc.) absichern. Es sei denn das Urheberrecht oder unlauteres Wettbewerbsverhalten finden Anwendung. Beide sind aber an diverse Kriterien geknüpft, so dass das Anmelden von gewerblichen Schutzrechten empfehlenswert ist.

Interessant ist neuerdings das Geschäftsverhalten manch westlicher Firmen: Sie nehmen ein erfolgreiches Produkt eines Mitbewerbers und prüfen sehr gezielt, ob dieses durch gewerbliche Schutzrechte abgesichert ist. Ist dies nicht der Fall, so wird das Produkt ungeniert kopiert. Solche Nachahmungen sind dann dreist und einfallslos, aber aus rechtlicher Sicht legal. Mit anderen Worten: Gewerbliche Schutzrechte Anderer zu verletzen entspricht nicht den Unternehmenswerten und einen Prozess möchte man auch nicht riskieren - für offensichtliche 1:1 Kopien ist man sich aber nicht zu schade. Haben manch westliche Firmen tatsächlich so wenig Anspruch an sich selbst, etwas Eigenes, etwas Neues zu schaffen? Fortschritt „Made in Industrieländern“ sieht anders aus.

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Opfer oder Täter ? Einige Konsumenten und Firmen sind beides

Bei der Bewertung von Kopien spielt der Blickwinkel eine erhebliche Rolle. Verbraucher, die im guten Glauben auf ein Plagiat herein gefallen sind, werden sich zu Recht als Opfer sehen und über den Verkäufer schimpfen. Können sie dann aber, z.B. im Urlaub, den offensichtlich gefälschten Luxusmarkentaschen zum Spottpreis nicht widerstehen, so spielen sie den Kauf als Kavaliersdelikt runter. Verbraucher dürfen sich nicht blauäugig der Illusion hingeben, Ziel der Fälscher sei es, ihnen günstige Alternativen zu bieten. Die Nachahmer handeln rücksichtslos und rein profitorientiert. Da Märkte sich über Angebot und Nachfrage regeln, trägt jeder Konsument eine erhebliche Verantwortung. Wer bewusst Fälschungen kauft, unterstützt u.a. Kinderarbeit und kriminelle Machenschaften.

Auch bei Firmen scheint der Perspektivwechsel zu funktionieren, wie ein Fall zeigt, der vor Kurzem durch die Medien ging: Der chinesische Smartphone-Hersteller JiaYu hat jahrelang iPhone-Modelle von Apple kopiert und unter eigenem Namen vertrieben. Kaum wurden Kopien seiner JiaYu-Smartphones über AliExpress angeboten, beklagte er, dass durch die minderwertige Qualität dieser Nachahmungen sein guter Ruf ruiniert würde.

Die Gefahr der Gratismentalität – ohne Wert keine Wertschätzung

Wer für ein Produkt nichts bezahlt, der kennt auch nicht dessen Wert. Folglich können auch keine Wertschätzung und kein Respekt für die hinter dem Produkt steckende Leistung entstehen. Wenn Firmen die Verbraucher als Mitstreiter im Kampf gegen Nachahmungen gewinnen wollen, müssen sie sie davon überzeugen, dass der vermeintlich hohe Preis des Originals weder Willkür noch Wucher darstellt, sondern den Wert für tatsächlich erbrachte Leistungen und Investitionen. Angesichts der Tatsache, dass jedoch nicht nur Fälschungen, sondern vielfach auch (Teile der) Markenprodukte in Niedriglohnländern hergestellt werden, sind die Verbraucher irritiert über die großen Preisunterschiede. Original und Fälschung sind aber nur auf den ersten Blick täuschend ähnlich. Die Herausforderung besteht folglich darin, Qualitätsunterschiede und den Mehrwert des Originals erkennbar zu machen und klarer zu kommunizieren. Denn von einer ersten guten Idee bis zum marktreifen Endprodukt ist es oftmals ein langwieriger und kostenintensiver Prozess. Hersteller gehen oft monatelang, teils Jahre, finanziell in Vorleistung.

Im Original stecken viel Zeit, Know-how, Kreativität, Herzblut und Risikobereitschaft

Produktentwicklung ist ein dynamischer Prozess. In interdisziplinären Teams (Design, Konstruktion, Prototypenbau, Qualitätssicherung, Marketing etc.) bringt jeder Mitarbeiter seine Erfahrungen und sein fachspezifisches Wissen ein: vom treffsicheren Gespür für Märkte und Trends über die Begabung, bildhaft denken zu können bis hin zum Wissen über Ergonomie, technische Verfahrensweisen, unterschiedliche Materialeigenschaften, intuitive Benutzerführung etc. Dabei erfolgen die einzelnen Entwicklungsschritte nicht nacheinander, sondern in einem permanenten Austausch miteinander. Gemeinsam lässt man sich von bereits bestehenden Produktlösungen inspirieren, denkt über Grenzen hinaus, sammelt Ideen und evaluiert am Ende alles auf wirtschaftliche Machbarkeit. Design ist dabei weit mehr als bloße Produktkosmetik. Es ist die Schnittstelle zwischen Produkt und Mensch, die die Qualität eines Produktes visualisiert und Technik für jedermann begreifbar macht.

Praxisnahe Sensibilisierung im Museum Plagiarius in Solingen

Das Museum Plagiarius präsentiert die Sammlung der Plagiarius-Preisträger von 1977 bis heute. Die Ausstellung umfasst mehr als 350 Produkte der unterschiedlichsten Branchen und zeigt jeweils Original und Plagiat im direkten Vergleich. Die vielen Praxis-Beispiele verdeutlichen anschaulich Ausmaß, Schäden und Gefahren von Plagiaten und tragen maßgeblich zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit bei. Ergänzt wird die Sammlung durch vom Zoll beschlagnahmte Fälschungen. (jup)

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