Der schwarze Zwerg mit der goldenen Nase, die Trophäe des Negativ-Preis "Plagiarius" hat auf der Frankfurter Konsumgütermesse Ambiente im Rahmen einer internationalen Pressekonferenz bereits zum 39. Mal Hersteller und Händler für ihre dreisten Nachahmungen geehrt.
Plagiarius 2015 - 1. Preis Heißluftgebläse „HL 1610 S“ und „HG 2310 LCD“ Links Originale: STEINEL Vertrieb GmbH, Herzebrock-Clarholz, Deutschland Rechts Fälschungen: Vertrieb: Shenzhen Jin Xiong of internal and external electronic tools Co., Ltd., Shenzhen, VR China
(Bild: Aktion Plagiarius e.V.)
Bereits seit 1977 vergibt die Aktion Plagiarius e.V. den gefürchteten Schmäh-Preis an Hersteller und Händler besonders dreister Nachahmungen. Ziel des Vereins ist es, die unseriösen Geschäftspraktiken von Produkt- und Markenpiraten aus aller Welt ins öffentliche Bewusstsein zu rücken und Industrie, Politik sowie Verbraucher für die Problematik zu sensibilisieren. Trophäe ist ein schwarzer Zwerg mit goldener Nase – als Symbol für die exorbitanten Profite, die die Nachahmer sprichwörtlich auf Kosten kreativer Designer und innovativer Hersteller erwirtschaften.
Im Rahmen der Verleihung stellte der Verein klar, „dass die Auszeichnung mit dem ‚Plagiarius‘ nichts darüber aussagt, ob die jeweilige Nachahmung im juristischen Sinne erlaubt ist oder nicht, ob sie also rechtmäßig oder rechtswidrig ist. Die Aktion Plagiarius kann kein Recht sprechen. Sie darf aber auf Unrecht betroffener Firmen aufmerksam machen und die Meinung äußern, dass plumpe 1:1 Nachahmungen einfallslos und moralisch verwerflich sind und zu Stillstand führen“. In dem Zusammenhang betonte der Verein „dass legale Me-too-Produkte, die einem Trend folgen, sich aber ausreichend vom Original absetzen und den Wettbewerb beleben, ausdrücklich erwünscht sind“.
Erfreulich ist, dass der hohe Bekanntheitsgrad des „Plagiarius“ auch dieses Jahr wieder seine abschreckende Wirkung zeigte: Aus Angst vor öffentlicher Blamage haben einige der angeschriebenen Nachahmer Restbestände der Plagiate vom Markt genommen, Unterlassungserklärungen unterschrieben oder ihre Lieferanten preisgegeben.
Die Preisträger des Plagiarius-Wettbewerbs 2015
Die Jury hat drei Hauptpreise, einen Sonderpreis und sieben gleichrangige Auszeichnungen aus insgesamt 41 Einsendungen vergeben:
1. Preis
Heißluftgebläse „HL 1610 S“ und „HG 2310 LCD“
Originale: STEINEL Vertrieb GmbH, Herzebrock-Clarholz, Deutschland
Fälschungen: Vertrieb: Shenzhen Jin Xiong of internal and external electronic tools Co., Ltd.,
Shenzhen, VR China
2. Preis
Möbel-Rolle „movetto 8“
Original: Gross + Froelich GmbH & Co. KG, Weil der Stadt, Deutschland
Plagiat: Wagner System GmbH, Lahr, Deutschland
3. Preis
Notfall-Beatmungsgeräte „MEDUMAT Easy“ und „MEDUMAT Transport“
Originale: WEINMANN Emergency Medical Technology GmbH + Co. KG, Hamburg, Deutschland
Plagiate: Ambulanc (Shenzhen) Tech Co., Ltd., Shenzhen, VR China
Sieben gleichrangige „Auszeichnungen“ wurden verliehen:
Parfums „Jean Paul Gaultier Classique“ und „Jean Paul Gaultier Le Male“
Originale: Beaute Prestige International GmbH, Düsseldorf (Deutschland) /
Beaute Prestige International S.A., Paris (Frankreich)
Fälschungen: Vertrieb: Carry Forward Import and Export Co., Ltd., Shenzhen, VR China
Bestimmungsland: Spanien
Die Fälschungen wurden 11/2014 mit diversen weiteren Parfum-Fälschungen renommierter Herstel-ler (ca. 28.500 Stück) vom Hamburger Zoll beschlagnahmt und aus dem Verkehr gezogen.
Polstermöbelsystem „Conseta“
Original: COR Sitzmöbel Helmut Lübke GmbH + Co. KG, Rheda-Wiedenbrück, Deutschland
Plagiat: Christmann GmbH, Langenberg, Deutschland
Spiralschneider „SPIRELLI“
Original: GEFU Küchenboss GmbH & Co. KG, Eslohe, Deutschland
Plagiate: 1) Brieftons, Oregon, U.S.A.
2) Tiptop Manufactury Ltd., Hongkong, VR China
3) Ningbo Best Solution Plastic Industry Co., Ltd., Zhejiang, VR China
Käsereibe „Kasimir" und Kuchenmesser „Coco“
Originale: koziol »ideas for friends GmbH, Erbach, Deutschland
Originale: WUNASIA Handelsgesellschaft mbH, Wunsiedel, Deutschland
Plagiate: Rosenthal GmbH, Selb, Deutschland
LED-Taschenlampe „LED LENSER P7.2”
Original: Zweibrüder Optoelectronics GmbH & Co. KG, Solingen, Deutschland
Fälschung: Vertrieb: Sang Sang Tech Co., Ltd., Hongkong, VR China
Sonderpreis
simpleshow-Erklärvideos für Audi und ManpowerGroup
Originale: simpleshow GmbH, Stuttgart/Berlin, Deutschland
Plagiate: Telling Your Story Visually, Chennai, Indien
Die Original-simpleshow-Erklärvideos wurden von TYSV - Telling Your Story Visually - von der simpleshow-Website heruntergeladen; dann wurde lediglich das simpleshow-Logo in der letzten Szene gegen das eigene TYSV-Logo ausgetauscht. In Kunden-Mailings wurden die Videos als Re-ferenzen genannt und verlinkt, um die eigene Leistungsfähigkeit zu demonstrieren.
Zoll unterstützt Firmen und Verbraucher im Kampf gegen Produkt- und Markenpiraterie
Die konsequente Bekämpfung von Produkt- und Markenpiraterie ist für Firmen ebenso teuer wie unerlässlich. Eine Vielzahl juristischer, organisatorischer und technischer Maßnahmen steht zur Verfügung, aber insbesondere für KMU ist die Auswahl geeigneter Maßnahmen oftmals eine finanzielle Frage – und das nutzen Nachahmer und Fälscher vielfach aus. Ein wichtiger strategischer Partner für alle Betroffenen ist der Zoll. Allein 2013 haben die EU-Zollbehörden knapp 36 Millionen rechtsverletzende Produkte im Wert von 760 Millionen Euro an den EU-Außengrenzen beschlagnahmt. Rund 70 % der Aufgriffe betrafen Post- und Kurierpakete, die auf private Online-Bestellungen zurückzuführen sind. Zu den festgehaltenen Waren zählen neben Bekleidung und Sportartikeln u.a. Fälschungen mit hohem Gefährdungspotential: von Medikamenten mit falschen oder keinen Wirkstoffen über verunreinigte Parfums, Kosmetika und Lebensmittel oder Spielwaren mit Erstickungsgefahr wegen loser Teile bis hin zu Motorsägen und Bremsbelägen. Die Mehrheit der Fälscher setzt auf schnelle Gewinnmaximierung, d.h. sie verwenden minderwertige Materialien, verzichten auf Qualitäts- und Sicherheitskontrollen, produzieren unter menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen und setzen billigend die Gesundheit der Menschen in den Fabriken sowie der Konsumenten aufs Spiel. Die Beschlagnahme von Fälschungen ist also auch praktizierter Verbraucherschutz.
Rund 79 % der festgehaltenen Waren kamen 2013 aus China und Hongkong. Zu den Herkunftsländern gehörten aber auch die Vereinigten Arabischen Emirate, die Türkei und zahlreiche osteuropäische Länder. Die EU-Zoll-Statistiken können aber nur einen Teil des Problems zeigen. Fakt ist, dass die Auftraggeber bzw. Importeure von Nachahmungen oftmals aus Industrieländern kommen. Es profitieren also auch westliche Firmen vom Handel mit Plagiaten. Fakt ist zudem, dass eine Vielzahl von Plagiatsprozessen unter Landsleuten stattfindet, z.B. innerchinesisch oder innerdeutsch.
Die Kopie – weder Kompliment noch Kavaliersdelikt
In den 90er Jahren hat Produkt- und Markenpiraterie nach dem klischeemäßigen „schwarz-/weiß“-Prinzip funktioniert. Das ist längst überholt. Heutzutage gibt es Plagiate und Fälschungen in allen Preis- und Qualitätsabstufungen, von gefährlichen Billigimitaten bis hin zu qualitativ hochwertigen Kopien, die kaum günstiger als das Original sind. Auch asiatische Firmen sind längst nicht mehr nur die verlängerte Werkbank des Westens. Viele sind mit eigenen Entwicklungen erfolgreich, melden gewerbliche Schutzrechte an und setzen diese konsequent gegen Nachahmer durch. D.h. auch für aufstrebende chinesische Firmen ist eine Kopie weder das viel zitierte Kompliment noch ein Kavaliersdelikt. Erwähnenswert ist noch eine weitere Entwicklung: Unter den Nachahmern sind immer häufiger auch westliche Firmen zu finden, die sich jahrzehntelang pauschal über asiatische Kopien empört haben. Das wird einerseits bei zahlreichen Plagiarius-Preisträgern der letzten Jahre sichtbar, zum anderen durch eine VDMA-Studie aus dem Jahr 2014 untermauert. Nach Aussage der befragten Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau kamen in den letzten zwei Jahren 23 % der Kopien aus Deutschland.
Stand: 08.12.2025
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