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Technische Dokumentation Mit Sicherheit weniger Risiko

| Autor / Redakteur: Horst-Henning Kleiner / Dipl.-Ing. (FH) Monika Zwettler

Tecteam ist Dienstleister für Technische Kommunikation und unterstützt seine Kunden unter anderem bei der Risikobeurteilung zur Erstellung von Sicherheitshinweisen.

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Sicherheitshinweise sind das Ergebnis eines zwingend erforderlichen Analyseprozesses im Rahmen der Entwicklung und Konstruktion.
Sicherheitshinweise sind das Ergebnis eines zwingend erforderlichen Analyseprozesses im Rahmen der Entwicklung und Konstruktion.
(Bild: © Sascha Tiebel/Fotolia)

In Seminaren, Kundengesprächen und auf Tagungen werden immer wieder diese Fragen gestellt: „Wie gestaltet man Sicherheitshinweise, gibt es da etwas Genormtes? Wie ist das eigentlich mit ANSI?“. Oft wird nach der geeigneten Form gefragt, wesentlich seltener nach dem Inhalt und nach dem dazugehörigen Entstehungsprozess. Und wird die Frage dann doch gestellt, so wird prompt die Gegenfrage laut, wer denn dazu der produzierende Personenkreis sei. Oft wird gleich auf die Technischen Redakteure gezeigt, gern übrigens von denen, die eigentlich zuständig sind – Konstrukteure.

Gleich mit welcher Gesetzgebung zur Produktsicherheit auf nationaler oder europäischer Ebene man sich auseinandersetzt, die Forderung nach Sicherheit für die Benutzer im Rahmen des technisch Machbaren ist allen gemeinsam. Hinsichtlich der Art, wie Produktsicherheit zu erzeugen ist, sind gesetzliche Vorgaben allerdings wenig aufschlussreich. Einen guten Ansatz bietet die EG-Maschinenrichtlinie, die bereits seit 1995 die Durchführung einer Gefahrenanalyse fordert; in der seit Anfang 2010 geltenden Fassung wird sie als Risikobeurteilung bezeichnet. Der im Anhang I der Richtlinie sehr grundsätzlich aufgezeigte Ablauf wird in den Normen EN 12100 und im praktischen Leitfaden DIN ISO/TR 14121-2 ausführlicher für die praktische Umsetzung beschrieben. Das dort Dargestellte gilt zwar nur für den Bereich der Maschinen, lässt sich jedoch im Grundsatz auf nahezu jedes Produkt übertragen, das im Rahmen seiner Benutzung Gefahren und Risiken birgt. Anzumerken ist hier, dass im Rahmen des New Legislativ Approachs eine ganze Reihe von Richtlinien-Neufassungen ebenfalls die Durchführung einer Risikobeurteilung fordern.

Das Produkt und seine Gefahren unter die Lupe nehmen

„Der Hersteller einer Maschine oder sein Bevollmächtigter hat dafür zu sorgen, dass eine Risikobeurteilung vorgenommen wird, um die für die Maschine geltenden Sicherheits- und Gesundheitsschutzanforderungen zu ermitteln; die Maschine muss dann unter Berücksichtigung der Ergebnisse der Risikobeurteilung konstruiert und gebaut werden“, heißt es in der Maschinenrichtlinie. Die Risikobeurteilung ist also ein konstruktionsvorbereitender Prozess; er beginnt bei der Definition der bestimmungsgemäßen Verwendung und der vorhersehbaren Fehlanwendungen des Produkts sowie seiner technischen Parameter. Auf der Basis dieser Festlegungen sind im weiteren Ablauf die potentiellen Gefahren in Abhängigkeit von der konkreten Benutzersituation zu ermitteln und zu lokalisieren. Dabei bietet die EN 12100 Unterstützung, da sie mögliche Gefahren, ihre Ursachen sowie beispielhaft Gefährdungssituationen und -ergeignisse auflistet.

Gleiche Gefahr – unterschiedliches Risiko der Gefährdung

Das plötzliche Bersten einer Schleifscheibe etwa stellt ohne entsprechende Schutzvorrichtungen an der Schleifmaschine eine potenzielle Gefährdung für den Benutzer dar. Doch mit welcher tatsächlichen Auswirkung ist zu rechnen? Das Bersten einer sehr kleinen Schleifscheibe wird vielleicht zu kleineren Verletzungen führen, das Bersten einer großen Schleifscheibe möglicherweise zu tödlichen Verletzungen. Zu betrachten ist also das Risiko, mit der eine Gefährdung einhergeht. Hilfreich ist dabei die Verwendung eines Risikographen. Ausgehend von der Schwere der Verletzung, der Aufenthaltsdauer des Benutzers im Gefahrenbereich, der Wahrscheinlichkeit und der Erkennbarkeit des Eintretens der Gefahr kann der Konstrukteur der betreffenden Gefahr einen Risikoindex bezogen auf die Ausgangssituation zuordnen und damit erkennen, ob und in welchem Umfang Schutzmaßnahmen erforderlich sind.

Den Menschen integrieren

„Das macht doch keiner!“, ein immer wieder gehörter Satz, wenn von Gefahren im Umgang mit Produkten die Rede ist. Aber gerade das unbeabsichtigte, reflexartige Verhalten in ungewöhnlichen Situationen führt ebenso häufig zu Unfällen wie nachlassende Konzentration im Arbeitsprozess. Aussagefähig wird eine Risikobeurteilung nur dann, wenn sie das menschliche Verhalten vorbehaltlos in die Betrachtung einbezieht.

Lösungen erdenken – Risiko senken und darüber informieren

Dass sich Konstruktionsmängel durch Sicherheitshinweise nicht „wegschreiben“ lassen, ist allgemein bekannt. Deshalb wird bei der Beseitigung oder Minimierung der Risiken eine Abfolge der Lösungsansätze gefordert. Zunächst ist zu untersuchen, ob sich die betreffende Gefahr durch Veränderung der technischen Parameter wie beispielsweise Druck, Geschwindigkeit, Kräfte oder Geometrie ganz beseitigen oder das damit verbundene Risiko minimieren lässt. Wenn das nicht oder nur unzureichend möglich ist, sind trennende oder nicht trennende Schutzeinrichtungen vorzusehen. Ob die Schutzeinrichtungen das Risiko senken, ist durch erneutes Durchlaufen des Risikographen zu ermitteln. Vielfach ist die erforderliche Herabsetzung des Risikos mit technischen Schutzmaßnahmen allein nicht möglich. Es bleibt ein Restrisiko, das nur beherrschbar ist, wenn der Benutzer darüber informiert wird und entsprechende Verhaltensregeln erhält, also Sicherheits- und Warnhinweise.

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