Riemenantrieb und Zentralgetriebe Mit Getriebe-Bike zum Weltcup-Sieg

Quelle: pd-f 3 min Lesedauer

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Im Downhill-Weltcup feierte ein Mountainbike mit Getriebe und Riemenantrieb den ersten Sieg. Das beweist die Vorteile des Konzepts durch geringere ungefederte Masse und einen zentralen Schwerpunkt.

Die extremen Lastspitzen im Downhill-Rennsport dienen der Fahrradindustrie als ultimativer Härtetest. (Symbolbild)(Bild:  © The Little Hut – stock.adobe.com / KI-generiert)
Die extremen Lastspitzen im Downhill-Rennsport dienen der Fahrradindustrie als ultimativer Härtetest. (Symbolbild)
(Bild: © The Little Hut – stock.adobe.com / KI-generiert)

Am 23. August 2026 markierte die Antriebstechnik im Mountainbikesport einen historischen Meilenstein. Im französischen Les Gets gewann die Britin Harriet Harnden (Team Aon Racing) als erste Fahrerin einen Elite-Downhill-Weltcup auf einem Fahrrad mit Carbon-Riemenantrieb und zentraler Getriebeschaltung. Damit sicherte sie sich die vom Riemenhersteller Gates ausgelobte Innovationsprämie von 100.000 Euro für den ersten Elite-Sieg mit dieser Technologie.

Fahrdynamik durch konsequente Massenverlagerung

Mit dem Ketten- und Riemenantrieb gibt es derzeit zwei marktreife Varianten der Kraftübertragung von der Kurbel zum Hinterrad. Beide haben ihre Vorzüge.(Bild:  www.pd-f.de / pressedienst-fahrrad)
Mit dem Ketten- und Riemenantrieb gibt es derzeit zwei marktreife Varianten der Kraftübertragung von der Kurbel zum Hinterrad. Beide haben ihre Vorzüge.
(Bild: www.pd-f.de / pressedienst-fahrrad)

Für Entwickler und Konstrukteure im Zweiradsektor ist dieser Erfolg ein starker Praxisbeweis für ein System, das in der Szene aufgrund seiner Vorzüge bereits länger diskutiert wird. „Zumindest auf dem Papier bieten Getriebe-Bikes im Downhill-Einsatz eine Menge Vorteile – darunter die geringe ungefederte Masse am Hinterrad, der zentrale Schwerpunkt und die Möglichkeit, jederzeit schalten zu können, ohne treten zu müssen“, erklärt Gregor Sinn, Redakteur bei MTB-News.de.

Arne Bischoff, Redakteur beim pressedienst-fahrrad (pd-f), konkretisiert die konzeptionellen Vorteile aus kinematischer Sicht: Das Gesamtsystem Hinterrad werde um die exponierten und oft anfälligen Schaltungskomponenten buchstäblich erleichtert. „So sinkt die sogenannte ungefederte Masse, das Ansprechverhalten der Federelemente wird besser und damit auch die Traktion“, analysiert Bischoff.

Härtetest für die Komponentenentwicklung

Die extremen Lastspitzen im Downhill-Rennsport dienen der Industrie als ultimativer Härtetest. Wie Elmar Keineke von Universal Transmissions, dem deutschen Exklusiv-Vertrieb von Gates, betont, war der Erfolg maßgeblich auf das enge Zusammenspiel von Ingenieuren, Mechanikern und dem Schweizer Rahmenhersteller Gamux bei der Systemintegration zurückzuführen. Auch die Athletin profitierte spürbar: Harnden habe nach dem Rennen besonders die gleichmäßige und zuverlässige Funktion hervorgehoben, durch die sie sich laut Keineke „vollständig auf den Lauf konzentrieren“ konnte.

Die auf der Rennstrecke gewonnenen Erkenntnisse fließen nun direkt in die Weiterentwicklung der Serienkomponenten ein – insbesondere bei Haltbarkeit, Kraftübertragung und Ansprechverhalten. Laut Keineke eröffnet die Bewährungsprobe „weitere Möglichkeiten für den Einsatz in unterschiedlichen Fahrradsegmenten und darüber hinaus in der Mikromobilität.“

Durch diesen Leistungsnachweis dürfte das Exoten-Image der „Belt-Bikes“ bald der Vergangenheit angehören. Branchenexperte Bischoff hält es zudem für möglich, dass der Radsportweltverband UCI den jüngsten Meilenstein zum Anlass nimmt, Riemenantriebe künftig auch im BMX- und Bahnradsport offiziell zu erlauben.

Kette vs. Riemen im Technik-Check

Was bedeutet der Wechsel von Kette auf Riemen für Konstruktion und Betrieb? Die wichtigsten Systemunterschiede im Überblick:

  • Rahmenkonstruktion & Toleranzen: Da Riemen im Gegensatz zur Kette nicht teilbar sind, erfordern sie zwingend ein Rahmenschloss im Hinterbau (oder spezielle Umlenkrollen-Systeme bei Fullys). Zudem müssen Konstrukteure eine hohe Rahmensteifigkeit und einen Mechanismus zur Riemenspannung (horizontale Ausfallenden oder Exzenter-Tretlager) einplanen.

  • Verschleiß & Längung: Normale Ketten verschleißen an den Gelenkbolzen und längen sich, was das gesamte System (Ritzel, Kettenblätter) schädigt. Eingebettete Carbon-Zugstränge verhindern eine Längung des Riemens komplett – die Performance bleibt konstant.

  • Wartung & Winterbetrieb: Riemen sind resistent gegen Rost, Streusalz und Temperaturen bis -20 °C. Die Wartung beschränkt sich auf Abspülen mit Wasser und gelegentliche Spannungs-Checks (per App messbar). Ketten verlangen hingegen – besonders im Winter – nach konstanter Reinigung und Schmierung.

  • Lebensdauer & TCO (Total Cost of Ownership): Ein Riemen hält unter vergleichbaren Bedingungen rund 2,5- bis 3-mal länger als eine Kette (bis zu 30.000 km). Trotz höherer Initialkosten für Spezialrahmen und Riemenscheiben ist der Riemen langfristig oft die wirtschaftlichere Lösung.

  • Wirkungsgrad & Effizienz: Eine frische, gut geschmierte Kettenschaltung markiert weiterhin das Effizienz-Optimum. Der Riemen holt jedoch bei hohem Drehmoment (Wattzahl) auf und punktet damit, dass sein Wirkungsgrad dank fehlender Längung dauerhaft konstant bleibt.

  • Zuverlässigkeit & Belastbarkeit: Plötzliche Riemenrisse sind bei korrekter Spannung und exakter Fluchtlinie (Riemenlinie) nahezu ausgeschlossen. Bauartbedingt reagieren die Carbonstränge jedoch empfindlicher auf harte seitliche Schläge (etwa durch Steine oder Äste) als eine Stahlkette.

  • Ersatzteilversorgung: Ketten sind ein globaler Standard und überall verfügbar. Riemen sind weltweit betrachtet noch Exoten, lassen sich im Gepäck jedoch leichter transportieren als Ersatzketten.

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