Bühnentechnik Tribünenblöcke mit je 112 Zuschauern leise bewegen

Von Stöber Antriebstechnik 5 min Lesedauer

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Beim Theaterstück „The Hunger Games: On Stage“ ist die Zuschauertribüne Teil des Geschehens: Im eigens erbauten Londoner Troubadour-Canary-Wharf-Theatre bewegen sich die Ränge samt Zuschauer. Dafür braucht es sichere und geräuschlose Antriebstechnik. Smart Axis löste die Aufgabe mit Kegelradgetrieben.  

Für „The Hunger Games: On Stage“ tragen und bewegen Antriebssysteme Tribünenblöcke mit einer dynamischen Last von bis zu 26 Tonnen – Platz für bis zu 112 Zuschauer pro Block.(Bild:  Troubadour Canary Wharf Theatre)
Für „The Hunger Games: On Stage“ tragen und bewegen Antriebssysteme Tribünenblöcke mit einer dynamischen Last von bis zu 26 Tonnen – Platz für bis zu 112 Zuschauer pro Block.
(Bild: Troubadour Canary Wharf Theatre)

26 Tonnen dynamische Last, 112 Personen, unmerkliche Bewegungen: Das war die Vorgabe für die beweglichen Tribünenblöcke in „The Hunger Games: On Stage“. Das Unternehmen Smart Axis Stage Engineering aus Leeds hat sie entwickelt. „Wir bringen Projekte zum Heben, Verschieben, Drehen und Wenden“, sagt Mitgründer und Geschäftsführer Martin Radmall. Er und sein Team realisieren Bühnentechnik für Live-Events, Fernseh- und Filmproduktionen, Messen und Festivals. 2024 erhielt es den Auftrag, an der Theater-Adaption des Romans „The Hunger Games“ mitzuwirken.

Das Theaterstück zur Hunger-Games-Serie

„The Hunger Games: On Stage“ überträgt Suzanne Collins’ Bestseller und die zugehörige Filmreihe in ein Live-Erlebnis im Rund einer Arena. Schauplatz ist die fiktive Welt von Panem, ein Staat aus dreizehn nummerierten Distrikten, die sich jeweils auf eine bestimmte Industrie spezialisiert haben. Die Weltpremiere fand im November 2025 im neu errichteten Troubadour-Canary-Wharf-Theatre in London statt, das 1.200 Zuschauern Platz bietet.

„Das 26 Millionen Pfund teure Troubadour-Canary-Wharf-Theatre ist ein hochmoderner Veranstaltungsort, der in nur sechs Monaten eigens für eine vollständig immersive Produktion errichtet wurde – mit Zuschauern, die in den verschiedenen Distrikten von Panem sitzen“, schildert Radmall. „Wir arbeiten überwiegend in der internationalen Unterhaltungsbranche und sind es gewohnt, dass um uns herum ambitionierte Bühnenbilder entstehen. Dass jedoch ein komplett neues Gebäude um uns herum hochgezogen wird, während wir arbeiten, war auch für uns neu!“

In der Bearbeitung des Dramatikers Conor McPherson und unter der Regie von Matthew Dunster bietet die Produktion Flugszenen, Feuereffekte, LED-Wände und eine Arena-Anordnung, die das Publikum mitten ins Geschehen rückt. Die Tribünenblöcke sind nach den einzelnen Distrikten benannt. Radmall erklärt: „Das Publikum sitzt damit unmittelbar im Herzen der Arena, in der die Hunger Games stattfinden.“ Dabei kamen Smart Axis und Stöber ins Spiel: Das Produktionsteam wollte die Distrikte als bewegliche Tribünensegmente um eine große Bühne herum anordnen, auf der die Akteure am Boden und in der Luft auftreten.

26 Tonnen dynamische Last leise bewegen

Drei Eigenschaften machten die Kegelradgetriebe der Baureihe K zur passenden Wahl: die laufruhige Schrägverzahnung für den lautlosen Betrieb, das einteilige Gussgehäuse für hohe Verdrehsteifigkeit und die kompakte Bauweise für den beengten Raum unter den Tribünen.(Bild:  Stöber Antriebstechnik)
Drei Eigenschaften machten die Kegelradgetriebe der Baureihe K zur passenden Wahl: die laufruhige Schrägverzahnung für den lautlosen Betrieb, das einteilige Gussgehäuse für hohe Verdrehsteifigkeit und die kompakte Bauweise für den beengten Raum unter den Tribünen.
(Bild: Stöber Antriebstechnik)

„Ein zentraler Schwerpunkt des Projekts war es, Antriebssysteme für die Tribünenblöcke zu entwickeln und zu fertigen, die eine beachtliche dynamische Last von 26 Tonnen geräuschlos bewegen und dabei bequem 112 Personen Platz bieten“, beschreibt Radmall. Jeder Block muss sich auf Anforderung bewegen lassen – ohne dass die darauf sitzenden Menschen die Bewegung bemerken. „Das ist keine leichte Aufgabe. Und da die Distrikte ein zentrales Element der Show sind, musste jedes technische Detail reibungslos, nahtlos und natürlich sicher funktionieren.“

„Als feststand, dass wir den Auftrag als Zulieferer für ‚The Hunger Games: On Stage‘ gewonnen hatten, wandte ich mich an Martin Preece, Leiter des britischen Standorts von Stöber“, berichtet Radmall. „Ich hatte mit ihm bereits frühere Projekte in der Unterhaltungsbranche erfolgreich umgesetzt und wusste, dass er und Stöber unsere sehr spezifischen Anforderungen erfüllen können. Damit lag ich richtig.“

Platzmangel: Auslegung der Kegelradgetriebe

Martin Preece leitet den britischen Standorts Stober Drives Ltd. in Cannock, Staffordshire, Vereinigtes Königreich.(Bild:  Stöber Antriebstechnik)
Martin Preece leitet den britischen Standorts Stober Drives Ltd. in Cannock, Staffordshire, Vereinigtes Königreich.
(Bild: Stöber Antriebstechnik)

„Eine der ersten Hürden war, dass sich der Entwurf des Theatergebäudes selbst noch während unserer Konstruktions- und Bauphase änderte“, erzählt Radmall. „Dadurch hatten wir gegenüber dem ursprünglichen Konzept deutlich weniger Bauraum zur Verfügung. Wir mussten unsere Konstruktion also anpassen und flexibel bleiben, um dieselbe Leistung und Geschwindigkeit – und damit dasselbe Erlebnis für den Kunden – auf engerem Raum zu liefern.“

„Ich habe Martin mehrfach kontaktiert, um die passende Auslegung der Getriebe von Stöber zu besprechen – etwa, wie sich ein laufruhiger, leiser und störungsfreier Betrieb am besten realisieren lässt, der zugleich in einen deutlich kleineren Bauraum passt als zunächst geplant“, erinnert sich Radmall.

Martin Preece ergänzt: „Unsere Aufgabe war es, Smart Axis bei der Auslegung und Auswahl der Kegelradgetriebe zu unterstützen, die in die beengten Bereiche unter den Tribünenblöcken passen. Eingesetzt wurden sie vor allem in den Distrikten 1 und 2, und ihr Betrieb musste lautlos sein, um die Spannung und die Illusion der Inszenierung nicht zu stören. Das verlangte starke, leistungsfähige Komponenten.“

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„Während der Konstruktion habe ich durchgehend den Stöber-Configurator genutzt, um Produktdatenblätter und Zeichnungsdateien zu erzeugen. So konnte ich auf jede der mehrfachen Planungsänderungen sofort mit aktualisierten, präzisen Auslegungsdaten reagieren – ohne Verzögerung im Konstruktionsablauf“, erklärt Preece. Bei den eingesetzten Getrieben sorgt die Schrägverzahnung für einen laufruhigen Betrieb, das einteilige Gussgehäuse für hohe Steifigkeit und kompakte Abmessungen.

Kegelradgetriebe in den Tribünenblöcken

Herzstück der Lösung sind die einzigartigen, beweglichen Tribünenblöcke, die sich leise drehen und den Zuschauern das Gefühl geben, Teil des Spektakels zu sein. Kegelradgetriebe unterschiedlicher Baugrößen tragen so zur außergewöhnlichen Arena-Atmosphäre und den visuellen Effekten bei:

  • Acht Kegelradgetriebe der Baugröße 9 sind in den vier Antriebssystemen der Tribünenblöcke verbaut. Sie bewegen die dynamische Last von 26.000 kg und positionieren das Publikum während der Inszenierung. Der 8 m × 3,6 m große Hauptlift wurde auf höchste Zuverlässigkeit und Sicherheit ausgelegt.
  • Acht weitere Kegelradgetriebe der Baugrößen 1 bis 4 sind Teil eines 8 m × 3,7 m großen Absink- und Schiebe-Mechanismuses, ausgelegt auf Geschwindigkeit und nahtlose Integration. Hinzu kommen vier Ecklifte – einer an jeder Ecke der „Main Contender Zone“ – sowie weitere Absink- und Schiebe-Einheiten nach EN 17206.

Preece führt aus. „Die einteiligen Gussgehäuse bieten eine außergewöhnliche Verdrehsteifigkeit und Langlebigkeit – ideal für die zu bewegenden Lasten.“ Zudem steht eine breite Auswahl an Gehäuseausführungen zur Verfügung, die flexible Befestigungsmöglichkeiten für die unterschiedlichen Einbausituationen erlaubt. Gleichzeitig sorgt die Qualität der Schrägverzahnung für einen leisen Betrieb und einen hohen Wirkungsgrad. 

Erfolgsfaktoren bei dem Bühnenprojekt

„Dass Martin und Stöber die verschiedenen Änderungen, mit denen wir konfrontiert waren, mittragen konnten, war für den Gesamterfolg dieses Projekts ausgesprochen wertvoll“, resümiert Radmall. „Ob termingerechte Lieferung, Einhaltung der Sicherheitsnormen oder der erfolgreiche Start der Show selbst – Stöber hatte stets eine Antwort und eine Lösung parat. Genau das erwarten wir von unseren Lieferanten.“ Der Getriebebauer habe die ohnehin kurzen Lieferzeiten eingehalten und zum Teil sogar übertroffen, so Radmall: „So lagen wir mit unserer Arbeit stets im Plan – und das war für das gesamte Smart-Axis-Team ein gutes Aushängeschild.“ (dm)