Gleitlager

Gleitbuchsen in XXL-Anwendungen

| Redakteur: Ute Drescher

Nicht alle Schaufeln und Greifer von L&K sind so groß wie diese – aber alle zeichnen sich durch extreme Belastbarkeit und hohe Lebensdauer aus. Zweiter von rechts: Konstrukteur Roland Georgi. Dritter von rechts: Wolfgang Anderle, geschäftsführender Gesellschafter von L&K.
Nicht alle Schaufeln und Greifer von L&K sind so groß wie diese – aber alle zeichnen sich durch extreme Belastbarkeit und hohe Lebensdauer aus. Zweiter von rechts: Konstrukteur Roland Georgi. Dritter von rechts: Wolfgang Anderle, geschäftsführender Gesellschafter von L&K. (Bild: L&K Land- und Kraftfahrzeugtechnik GmbH)

In hochbeanspruchten Ausrüstungen für Baumaschinen stellen Gleitlager stellen leichtgängige Bewegungen sicher.

Für Baggerfahrer und Baumaschinenvermieter sind sie „nur“ ein Werkzeug – allerdings eines, das höchste Anforderungen an die Belastbarkeit und Verschleißfestigkeit erfüllen muss. Die Schaufeln und Räumlöffel von Baggern und Radladern, von denen hier die Rede ist, graben sich bei jedem Arbeitsgang mit hoher Dynamik ins Material und treffen dabei auch auf Widerstand wie Hartgestein.

Die L&K Land- und Kraftfahrzeugtechnik GmbH ist in der Baumaschinenbranche als Hersteller besonders langlebiger Ausrüstungen für Bagger, Radlader, Teleskope und Sonderfahrzeuge bekannt. Die Schaufeln, Tieflöffel und andere Werkzeuge werden kundenspezifisch in zahlreichen Varianten gefertigt. Für die lange Lebensdauer unter widrigen Bedingungen und dynamischen Belastungen sorgen extrem verschleißfeste Hardox-Stähle – und Iglidur-Gleitlager.

Die Umgebungsbedingungen sind ungünstig, um nicht zu sagen extrem: Die Baumaschinen können im Wasser stehen oder hoch abrasives Material abtragen. Die Beanspruchung, die auf die Werkzeuge wirkt, ist sehr dynamisch und kaum berechenbar, zumal die Geräte auch einseitig belastet und auf der Baustelle nicht selten „zweckentfremdet“ werden.

Ausrüstung – „made in Thüringen“

Viele Hersteller, Vermieter und Anwender von Baumaschinen wünschen sich keine „08/15“-Werkzeuge, sondern solche, die sich durch lange Lebensdauer und oft auch durch Beweglichkeit und zusätzliche Freiheitsgrade auszeichnen.

Mit diesem Wunsch sind sie bei der L&K Land- und Kraftfahrzeugtechnik GmbH in Stadtilm/Thüringen gut aufgehoben. Das Unternehmen hat sich seit mehr als vierzig Jahren darauf spezialisiert, hochwertige Werkzeuge für Baumaschinen zu entwickeln. Das breite Standardprogramm, zu dem unter anderem Tieflöffel aller Art, Hochkippschaufeln und Seitenkippschaufeln gehören, ist dabei die Basis für unterschiedlichste Sonderkonstruktionen. Denn die Werkzeuge werden prinzipiell kundenspezifisch gefertigt, und das mit kurzem Vorlauf. Dipl.-Ing. Wolfgang Anderle, geschäftsführender Gesellschafter von L&K: „Wir liefern kurzfristig, meist innerhalb von zwei bis drei Wochen.“ Dazu leistet die modulare Konstruktion des Programms ebenso einen Beitrag wie die moderne Fertigung mit CNC-Maschinen in allen Bereichen. Ein weiterer Faktor für die hohe Qualität und kurze Lieferzeit ist das Knowhow der Schweißfacharbeiter, die L&K in der eigenen DVS-Kursstätte aus- und weiterbildet.

4000 h wartungsfreier Einsatz

Grundwerkstoff der L&K-Werkzeuge sind seit rund fünfzehn Jahren die extrem belastbaren Hardox-Stähle des schwedischen Stahlerzeugers SSAB. Ähnlich widerstandsfähige Komponenten müssen auch an den Gelenken zum Einsatz kommen, die zum Beispiel eine Hochkippschaufel kippen oder die Hälften einer Greiferschaufel öffnen und schließen.

Das Anforderungsprofil an solche Lagerstellen ist klar definiert. Dipl.-Ing. Roland Georgi, Konstrukteur und verantwortlich für das Qualitätsmanagement bei L&K: „Die Lager müssen die gleiche Lebensdauer erreichen wie die Schaufel. Und sie müssen wartungsfrei sein.“

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Kunststoff gegen Metall im Dauertest

Leichtbau – auch bei Baggerschaufeln

Hier verwendeten die Konstrukteure, die mit modernen CAD-Werkzeugen arbeiten, ursprünglich metallische Gleitlager mit einer aufgesinterten Gleitschicht. Vor fünf Jahren erprobte L&K erstmals eine Alternative zu dieser Verbundkonstruktion und setzte Lagerbuchsen aus Iglidur ein. Dieses Hochleistungspolymer mit inkorporiertem Schmierstoff kommt als „Monomaterial“ über die gesamte Lebensdauer ohne Schmierung aus und ist extrem belastbar.

Für diese Wahl gab beziehungsweise gibt es drei gute Gründe. Roland Georgi: „Die Polymerlager sind rund 40 % günstiger. Sie benötigen keine Schmierung und ihre Masse ist geringer als die der zuvor verbauten Verbundlager.“ Tatsächlich spielt die Masse für die Konstrukteure von L&K eine wichtige Rolle: „Wir fertigen bewegte Komponenten. Wenn die Schaufel zu schwer wird, leidet die Dynamik. Deshalb ist auch bei uns der Leichtbau ein wichtiger Trend, wobei die Belastbarkeit dadurch nicht abnehmen darf.“

Märkte verlangen nach Baumaschinen

VDMA

Märkte verlangen nach Baumaschinen

27.11.17 - Der Bau- und Baustoffmaschinenindustrie geht es 2017 gut. Nach derzeitigem Stand wird die Gesamtbranche dieses Jahr mit einem Umsatzwachstum von mindestens fünf Prozent abschließen. Das entspricht einem Niveau von ca. 14,6 Milliarden Euro. Das hat der VDMA Fachverband Bau- und Baustoffmaschinen mitgeteilt. lesen

Die ersten Versuche verliefen zur vollen Zufriedenheit sowohl der L&K-Ingenieure als auch der Anwender. Inzwischen ist die Ultraleicht-Konstruktion, welche durch Iglidur-Gleitlager ergänzt wird, gebrauchsmustergeschützt. Sie kommt in ganz unterschiedlichen Schaufeln, Löffeln und Sonderwerkzeugen zur Anwendung – zum Beispiel in Hochkippschaufeln, die als Salzverladeschaufeln in den Salzlagern von Stadtwerken eingesetzt werden, und in verschiedenen Bauformen von Greiferschaufeln und Grabenlöffeln. Bei einer Hochkippschaufel mit einem Fassungsvermögen von 8,5 m3 hat L&K auch schon mehrfach eine echte „XXL-Anwendung“ für die wartungsfreien Iglidur-Gleitbuchsen realisiert.

Umrüstung ohne Änderung

Die Konstrukteure von L&K verwenden Buchsen mit Durchmessern von 40 bis 80 mm aus dem Universal-Werkstoff Iglidur J sowie aus Iglidur P, das bei hohen Belastungen und wechselnden Umgebungsbedingungen einschließlich Feuchtigkeit besonders dimensionsstabil bleibt. Positiv ist aus Sicht der L&K-Konstrukteure auch, dass die Iglidur Buchsen 1:1 gegen die Gleitlager aus metallischem Verbundmaterial getauscht werden können: Eine Änderung der Umgebungskonstruktion ist nicht erforderlich. Und sowohl der Einkauf als auch die Fertigung sind zufrieden mit der schnellen Belieferung durch Igus in kleinen Losgrößen: Denn L&K benötigt meistens nur zwei Buchsen pro Werkzeug.

Kein einziger Lagerausfall in über fünf Jahren

Zur Lebensdauer der Iglidur-Gleitbuchsen befragt, können die Verantwortlichen eine klare Antwort geben: Die Lager werden seit über fünf Jahren eingesetzt, und L&K hat bislang weder eine Reklamation noch die Bestellung einer Ersatzbuchse erhalten. Deshalb suchen und erproben die Konstrukteure zurzeit weitere Anwendungsmöglichkeiten der Polymerlager – zum Beispiel in Sonderwerkzeugen für die Recycling-Industrie und den Bergbau, die mit zusätzlichen Freiheitsgraden ausgestattet sind. (ud)

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