Cobot Expertennetzwerk „Schutzzaunlose Leichtbaurobotik“ gestartet

Redakteur: Jan Vollmuth

Leichtbauroboter erlauben das Zusammenarbeiten mit Beschäftigten ohne Schutzzaun. Gerade mittelständischen Unternehmen fehlt allerdings das Knowhow für deren Einsatz. Ihnen steht das Expertennetzwerk „Schutzzaunlose Leichtbaurobotik“ mit Rat und Tat zur Seite.

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Damit mittelständische Unternehmen die Potenziale von Leichtbaurobotern nutzen können, erarbeitet das Expertennetzwerk „Schutzzaunlose Leichtbaurobotik“ Handlungsempfehlungen für Normen-Ausschüsse, Hersteller und Anwender.
Damit mittelständische Unternehmen die Potenziale von Leichtbaurobotern nutzen können, erarbeitet das Expertennetzwerk „Schutzzaunlose Leichtbaurobotik“ Handlungsempfehlungen für Normen-Ausschüsse, Hersteller und Anwender.
(Bild: Fraunhofer IGCV)

Sie bieten Unternehmen großes Potenzial: Leichtbauroboter können dank integrierter Sensortechnik als sogenannte Cobots ohne einen Schutzzaun mit den Beschäftigten zusammenarbeiten, sie sind vergleichsweise klein und können aufgrund ihres geringen Gewichts leicht zu verschiedenen Arbeitsstationen bewegt werden. Auch die Programmierung ist bei weitem nicht mehr so komplex wie noch vor einigen Jahren.

Der Einsatz von Cobots verlangt Knowhow

Damit auch kleine und mittlere Unternehmen diese Potenziale im Betrieb nutzen können, brauchen sie dennoch oft Unterstützung: Schließlich haben sie im Vergleich zu größeren Unternehmen oft weniger spezifische Kompetenzen im Haus. Insbesondere die Anwendung von Normen und damit zusammenhängend die Druck- und Kraftmessung (TS 15066) und die Risikobeurteilung stellen eine große Herausforderung dar. Die CE-Kennzeichnung der gesamten Applikation ist aktuell noch recht aufwendig, eine Änderung erfordert oft eine Re-Zertifizierung.

Bisweilen wird empfohlen, einen Systemintegrator zu nutzen. Wie ein flexibler Einsatz von Leichtbaurobotern effizient implementierbar und mit bestehenden Normen vereinbar ist, dazu gibt es kaum brauchbare Handlungsrichtlinien. Julia Berg, eine der Initiatorinnen des Expertennetzwerks, hat daher besonders die Anwenderunternehmen im Blick: „In den letzten Jahren ist wenig passiert, damit Leichtbauroboter flexibel eingesetzt werden können – was sie technologisch aber schon könnten. Deshalb wollen wir in dem Expertennetzwerk vor allem eine mögliche Ausgestaltung der Risikobeurteilung und die Klassifizierung von Werkzeugen und Werkstücken vorantreiben, um einen unkomplizierteren Einsatz gerade für mittelständische Unternehmen zu ermöglichen.“

Arbeitsgruppen entwerfen Handlungsempfehlungen

Im Expertennetzwerk „Schutzzaunlose Leichtbaurobotik“ widmet sich nun die erste Arbeitsgruppe der Risikobeurteilung von Roboterapplikationen bei deren ortsveränderlichem Einsatz. Hier spielen Fragen wie die Vereinfachung von Risikobeurteilungs-Vorgehen, die Definition, ab wann eine Änderung der Anlage als Änderung gilt, und effizientere Messungen nach TS 15066 die Hauptrolle. Auch Qualifikationsprofile für die verschiedenen Rollen und Aufgaben und beispielsweise eine Checkliste für den Ortswechsel von Robotern sollen erarbeitet werden.

Die zweite Gruppe zur Zertifizierung und Klassifizierung von Komponenten erarbeitet ein Vorgehen, wie der Risikobeurteilungs-Prozess durch CE-zertifizierte Komponenten und klassifizierte Bauteile gestrafft werden kann. Wann können Komponenten als „sicher“ bezeichnet werden? Welche Komponenten auf dem aktuellen Markt bieten sich dafür an? Können Werkstücke klassifiziert werden?

Handlungsempfehlungen erarbeiten

In Abstimmung mit den geltenden Normen sollen hierauf Antworten erarbeitet werden. Nach einer primären Arbeitsphase bis Juli 2021 sollen Handlungsempfehlungen entstehen, wie die Normen- und Rechtslage für Leichtbauroboter praxistauglicher werden kann, wie Anwenderbetriebe den Einsatz der Cobots sinnvoll angehen können, ohne den Mut am Zertifizierungsdickicht zu verlieren und wie sich Hersteller auf den Implementierungsprozess einstellen können. Daneben soll auch ein Demonstrator aufgebaut werden, der die behandelten Themen darstellt.

In den Arbeitsgruppen arbeiten Hersteller, Forschungsinstitute und Anwenderbetriebe verschiedener Branchen und Größen gemeinsam, um die Erfahrungen der anderen zu nutzen und Lücken gemeinsam zu bearbeiten. Kontakte zu den entsprechenden DIN-Ausschüssen bieten gute Anschlussstellen.

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