Interview zur Push-in-Anschlusstechnik „Effizienz in der Verdrahtung ist ein großes Thema“

Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Monika Zwettler

Schon seit einigen Jahren bietet Phoenix Contact die Push-in-Anschlusstechnik an, mit der sich starre oder mit Aderendhülsen versehene Leiter ohne Werkzeug anschließen lassen. Klaus Firschke, Abteilungsleiter Produktmarketing für Industrial Cabinet Connectivity bei Phoenix Contact, sprach über Trends in der Anschlusstechnik im Allgemeinen und die Push-in-Technologie im Besonderen.

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Klaus Firschke, Abteilungsleiter Produktmarketing für Industrial Cabinet Connectivity bei Phoenix Contact: „In der Industrie wird die Zahl der Verdrahtungen auch in Zukunft weiter steigen.“
Klaus Firschke, Abteilungsleiter Produktmarketing für Industrial Cabinet Connectivity bei Phoenix Contact: „In der Industrie wird die Zahl der Verdrahtungen auch in Zukunft weiter steigen.“
(Bild: Vogel Business Media)

Herr Firschke, wie sind die Perspektiven für die Anschlusstechnik?

Gut! In der Industrie wird die Zahl der Verdrahtungen auch in Zukunft weiter steigen. Sehen Sie sich alleine den Bereich der Energie-Übertragung an - hier sind nach wie vor sehr viele Verdrahtungspunkte erforderlich, denn Energie lässt sich auch heute nicht - zumindest über weitere Strecken - kabellos übertragen.

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Gibt es aktuelle Entwicklungen, die besonderen Einfluss auf die Anschlusstechnik haben?

Gerade im europäischen Bereich macht man sich Gedanken darüber, wie die Schaltschrank-Verdrahtung in Zukunft weiter automatisiert werden kann. Das hat dann natürlich auch direkten Einfluss auf die Anschlusstechnik.

Die Push-in-Technologie ist ja nichts Neues, Phoenix hat sie schon seit einigen Jahren im Angebot. Warum „pusht“ Phoenix Contact die Technologie jetzt noch einmal so intensiv?

Zur Zeit beobachten wir, dass im industriellen Einsatz die Zahl der vorkonfektionierten Leitungen und vorkonfektionierten Kabelbäume weiter steigt. Das ist eine wesentliche Voraussetzung für die Push-in-Technologie, die damit zunehmend an Akzeptanz gewinnt. Denn Effizienz in der Verdrahtung ist heute ein ganz großes Thema.

Wo sehen Sie die Stärken dieser Technologie im Allgemeinen?

Die Stärke der Push-in-Technik liegt in der intuitiven Bedienung und in der Schnelligkeit bei der Verdrahtung.

Im Vergleich zu den Push-in-Systemen anderer Anbieter: Was sind die Vorteile, die die Lösung von Phoenix Contact bietet?

Der größte Vorteil unseres Systems liegt darin, dass auf der einen Seite die Einsteckkräfte sehr niedrig sind, was die Verdrahtung deutlich vereinfacht, auf der anderen Seite aber die Auszugskräfte hoch sind, so dass man eine große Verdrahtungssicherheit hat. Ein weiterer Pluspunkt unseres Push-in-Systems ist der Betätigungsdrücker. Er hat gleich zwei wesentliche Vorteile: Mit seiner orangen Färbung ist er klar vom Leitereinführtrichter zu unterscheiden - das verhindert ein Fehlstecken des Leiters. Und er dient als Isolator, so dass ich mit dem Schraubendreher oder einem anderen Werkzeug keine stromführenden Teile berühren kann.

Häufig hört man als Argument gegen die Push-in-Technologie, dass der Preis zu hoch ist. Was ist Ihre Antwort darauf?

Grundsätzlich sind die Klemmen mit Push-in-Anschluss die preisgünstigsten in unserem Portfolio. Zusätzlich entsteht bei der Betrachtung der gesamten Prozesskette der Verdrahtung - vom Engineering, über das Vorbereiten der Kabel, bis hin zum eigentlichen Anschließen - ein weiterer Kostenvorteil. Denn mit vorkonfektionierten Leitungen kann man einfach schneller verdrahten.

Die meisten Anwender setzen die Push-in-Technologie im Schaltschrank ein. Im Feld dagegen selten. Ist das gerechtfertigt?

Gerechtfertigt ist das nicht. Aber wahrscheinlich kommt das auch daher, dass im Feld aus der Vergangenheit heraus sehr stark mit Crimp-Anschlusstechniken gearbeitet wird. Zudem gibt es noch nicht so viele Lösungen in der Push-in-Technik, die auch im Feld eingesetzt werden können.

So richtig spielt die Push-in-Technologie ihre Stärken bei starren Leitern und bei Leitern mit Aderendhülsen aus … Stimmt diese Aussage?

Wenn Sie dazu auch ultraschall-verdichtete und widerstandsgeschweißte flexible Leiter zählen, dann ja.

Bietet die Push-in-Technologie denn auch Vorteile bei flexiblen Leitern ohne Aderendhülsen?

Wenn ich die Push-in-Technik hier verwenden möchte, habe ich durch den kurzen Bedienungsweg des Pushers in der Gesamtzeit der Verdrahtung immer noch einen Vorteil gegenüber der herkömmlichen Zugfeder-Anschlusstechnik.

Wird die Push-in-Technologie eine weitere Entwicklung hin zu automatischen Verdrahtung zum Beispiel mit Robotern ermöglichen?

Ein ganz klares Ja. Aber, hierbei muss eine ganz wichtige Voraussetzung geschaffen werden: Der Datenfluss muss durchgängig vom E-CAD-System zu allen Maschinen sein, die ich bei der Verdrahtung benutze. Ich benötige eine Datenbank, die alles abdeckt, und einen einheitlichen Datenfluss durch alle Systeme.

Wo sehen Sie aus Sicht von Phoenix Contact noch Entwicklungspotenzial für die Push-in-Technologie?

Die Push-in-Technik wird bereits heute in vielen Bereichen in unseren Komponenten und Lösungen eingesetzt. Wir werden dieses Angebot aber in Zukunft noch weiter ausbauen. Das heißt, die Push-in-Technologie wird zunehmend in allen Bereichen des Schaltschranks zum Einsatz kommen. Auf der einen Seite natürlich bei Phoenix Contact, aber auch bei den Herstellern von Komponenten, die nicht von uns geliefert werden. Auch diese Firmen setzen sich zunehmend mit der Push-in-Technik auseinander und designen sie in ihre Produkte ein. (mz)

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