Durchstarten 2021 „Die hektische Grundstimmung ist einer nachhaltigeren Vorgehensweise gewichen“

Die Krise hat uns aus dem Komfortbereich geschoben und gezwungen, flexibler zu werden - auch deshalb fühlt sich Dr. Stefan Beermann, CEO der Kisssoft AG, gut gerüstet für die Zukunft, wenn die Dinge wieder einfacher werden.

Firmen zum Thema

„Als vergleichsweise kleine Softwarefirma mit hochmotivierten Mitarbeitern haben wir generell nicht viel Normalzustand. Was man jetzt schon sagen kann: Die Sicht auf die Arbeit von Daheim aus hat sich stark geändert“, sagt Dr. Stefan Beermann, CEO der Kisssoft AG.
„Als vergleichsweise kleine Softwarefirma mit hochmotivierten Mitarbeitern haben wir generell nicht viel Normalzustand. Was man jetzt schon sagen kann: Die Sicht auf die Arbeit von Daheim aus hat sich stark geändert“, sagt Dr. Stefan Beermann, CEO der Kisssoft AG.
(Bild: Kisssoft/VCG)

Herr Beermann, wie ist das allgemeine Stimmungsbild bei Kisssoft?

Stefan Beermann: In der Schweiz gilt im Moment eine Homeoffice-Pflicht. Deshalb sind wir zum größten Teil zu Hause, mit den bekannten Vor- und Nachteilen. Die Stimmung an sich ist sehr gut, vor allem den Umständen entsprechend. Wir haben 2020 mit einem blauen Auge überstanden und allen Widrigkeiten zum Trotz unsere Ziele erreicht. Der nächste Release unserer Software wird gerade auf den Weg gebracht. Das sind Punkte, die uns positiv stimmen. Andererseits sind schon auch Decken auf Köpfe gefallen, das tut dann recht weh. Aber es geht uns ja besser als vielen anderen in dieser Situation. Dafür sind wir dankbar.

Welche Probleme oder Herausforderungen treten in Ihrem Unternehmen während der Covid-19-Krise auf?

Stefan Beermann: Als Software-Unternehmen gibt es einige Vorteile gegenüber anderen Branchen: Wir hatten immer schon einen gewissen Anteil an „Remote“-Arbeit, so dass die Infrastruktur glücklicherweise beim ersten Lockdown bereits vorhanden war. Software braucht auch keine Fertigung vor Ort und die Branche ist insgesamt recht gut durch die Krise gekommen. Natürlich gab es Herausforderungen bei der Umsetzung unseres Schutzkonzeptes, die wir aber gemeistert haben. Und auch die wenigen Fälle von positiv getesteten Kollegen haben keine Kreise bei Kisssoft gezogen.

Im Homeoffice konnte ich plötzlich stundenlang ungestört arbeiten.

Wie wirken sich diese Probleme auf Ihre eigene Arbeit aus?

Stefan Beermann: Man muss sich an gewisse neue Abläufe gewöhnen und einiges umorganisieren. Aber eigentlich war das für mich kein Problem. Eher hatte ich das Problem, dass ich plötzlich teilweise stundenlang ungestört arbeiten konnte. Ich musste mir erst angewöhnen, Pausen dazwischen zu schieben und ab und an mal das Thema zu wechseln. Anfänglich war ich abends ziemlich geplättet, mittlerweile habe ich mich umgestellt.

Werden wir wieder zu einem „Normalzustand“ wie vor der Krise zurückkehren oder werden sich Prozesse und Abläufe künftig dauerhaft ändern?

Stefan Beermann: Als vergleichsweise kleine Softwarefirma mit hochmotivierten Mitarbeitern haben wir generell nicht viel „Normalzustand“. Was man jetzt schon sagen kann: Die Sicht auf die Arbeit von Daheim aus hat sich stark geändert. Beim Management sind Vorbehalte abgebaut worden, denn es funktioniert viel besser als befürchtet. Und bei den Mitarbeitern hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass Homeoffice kein „Zückerle“ ist, sondern einfach eine andere Art zu arbeiten. Unsere Firma hat sich während der Krise immer weiter in Richtung Remote-Arbeit entwickelt, das wird so bleiben. Auch unsere Kunden und Partner haben eine Entwicklung durchgemacht. Viele Berührungsängste bei Web-Meetings wurden abgebaut, unsere Infrastruktur wurde ausgebaut.

Wir alle haben festgestellt, wie effizient ein Web-Meeting im Vergleich zu einem persönlichen Treffen sein kann.

Welche Lerneffekte haben Sie aus der Krisensituation mitgenommen und fühlen Sie sich für die Zukunft gewappnet?

Stefan Beermann: Ich habe keine Sorge vor der Zukunft. Wir wurden durch die Krise aus dem Komfortbereich geschoben, haben neue Arbeitsformen ausprobieren müssen und wurden gezwungen, flexibler zu werden. Das alles wird uns bleiben, wenn die Dinge wieder einfacher werden.

Gibt es positive Aspekte, die Sie für Ihren Arbeitsalltag aus der Covid-19-Krise mitnehmen?

Stefan Beermann: So ein Lockdown hat eine gewisse Entschleunigung zur Folge. Zum einen war durch den Wegfall der Reisetätigkeit plötzlich mehr Zeit da: keine Messen, keine Konferenzen, keine Kundenbesuche. Und da jeder erst einmal damit beschäftigt war, ins Homeoffice zu ziehen, war auch die Erwartungshaltung hinsichtlich der Antwortzeiten reduziert. Es mag ein sehr subjektiver Eindruck sein, aber ich hatte das Gefühl, die hektische Grundstimmung war plötzlich einer deutlich ruhigeren und nachhaltigeren Vorgehensweise gewichen. Hinzu kommt, dass man im Homeoffice einfacher die eigene Arbeit strukturieren kann.

Wir arbeiten normalerweise in einem Großraumbüro, da ist es eher selten, dass man länger an einer Sache dranbleiben kann, ohne Unterbrechung.

Welchen Herausforderungen abseits von der Covid-19-Krise sehen Sie sich in Ihrem Arbeitsalltag derzeit ausgesetzt?

Stefan Beermann: Schon vor Covid-19 gab es diverse Umwälzungen in unserem Bereich. So ist die Elektromobilität am Durchstarten. Dies bedeutet neue Mitspieler im Automobil-Bereich, schwierige Zeiten für die etablierten Firmen, neue Fragestellungen im Bereich Antriebstechnik. Gleichzeitig kommt die Windkraft wieder, bzw. generell gibt es Umschichtungen im Energiesektor. Politisch waren die letzten Jahre auch nicht einfach. Ein permanenter Störfaktor ist nun endlich aus dem Amt entfernt, aber es gibt ja immer noch schlechte Stimmung zwischen der EU und Russland, der EU und der Türkei, der Türkei und Russland, innerhalb der EU, dem Iran und Saudi-Arabien, den USA und China, … eine lange Liste.

Wie hat sich Ihre Arbeit in den vergangenen Jahren verändert?

Stefan Beermann: Bis zum Beginn der Covid-Krise waren die Veränderungen eher kontinuierlich, zu einem gewissen Grad vorhersehbar. Seit einem Jahr nun hat sich deutlich mehr geändert, vor allem die Art der Kommunikation. Aber auch unser Angebot hat sich an die neuen Bedürfnisse unserer Kunden angepasst.

Wenn Sie einem Einsteiger Ihr Arbeitsgebiet schmackhaft machen wollen, wie machen Sie das?

Stefan Beermann: Nun, ich denke, dass wir hier bei Kisssoft zu einem gewissen Teil Enthusiasten sind, für unsere Sache brennen. Wenn man dies in einem Gespräch vermitteln kann, ist das schon mal sehr viel. Dadurch, dass wir eine sehr spezifische Nische bedienen, ist unser Arbeitsgebiet sicher nicht für jeden attraktiv. Aber diejenigen, die sich für unsere Fragestellungen begeistern können, bekommen bei uns das volle Paket.

Welche persönlichen Worte möchten Sie Kollegen in Ihrer Branche und Ihrem Unternehmen mit auf den Weg geben?

Stefan Beermann: Ich wünsche uns allen die Geduld, die es noch braucht, bis die Krise vorbei ist und die Energie wieder durchzustarten, wenn es dann so weit ist. Den Kollegen aus unserem Unternehmen möchte ich danken für den Einsatz und die Flexibilität, die jeder Einzelne gezeigt hat. Ich bin ziemlich stolz darauf, wie sie die Krise gemeistert haben.

Ich bin ziemlich stolz darauf, wie meine Kollegen die Krise gemeistert haben.

(ID:47261603)

Über den Autor

Dipl.-Ing. (FH) Monika Zwettler

Dipl.-Ing. (FH) Monika Zwettler

Redakteurin, konstruktionspraxis – Alles, was der Konstrukteur braucht