Stressmanagement Der richtige Umgang mit Stress

Von Paul Giesinger

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Wenn von Druck oder Spannung auf Bauteile die Rede ist, so spricht man in der Mechanik von Stress – und auch bei uns sorgen Druck und Spannung für Probleme. Da es keine stressfreie Welt gibt, muss man lernen, damit umzugehen. Unser Experte weiß Rat.

Termin- und Zeitdruck, ständig wechselnde Prioritäten und die wachsende Zahl an Aufgaben  sind die größten Stressfaktoren bei Konstrukteuren und Technikern.
Termin- und Zeitdruck, ständig wechselnde Prioritäten und die wachsende Zahl an Aufgaben sind die größten Stressfaktoren bei Konstrukteuren und Technikern.
(Bild: vectorfusionart - stock.adobe.com)

Der österreichische Stressforscher Hans Seyle hat den Begriff Stress um 1936 erstmals im Zusammenhang mit der Reaktion eines Organismus auf übermäßig einwirkende und wiederkehrende Reize aller Art benutzt. Stress bedeutet für die meisten Menschen eine Überlastung, zum Beispiel durch Termindruck, durch zu viele Aufgaben oder durch emotionale Ereignisse. Hans Seyle hat in seiner wissenschaftlichen Arbeit zwischen dem positiven Stress, dem Eustress, und dem negativen Stress, dem Disstress, unterschieden.

  • Der Eustress wirkt sich positiv auf die physische und psychische Verfassung des Menschen aus und stärkt den Menschen nachhaltig. Jeder kennt diese Art von Stress. Man erzählt gerne von diesen Momenten mit den Worten „da war ich voll im Flow“. Die Zeit vergeht wie im Flug, die Tätigkeit macht Spaß und man ist voller Tatendrang und Motivation. Alles geht ganz locker von der Hand und man hat gute Laune. Diese Art von Stress ist nicht schädlich.
    Im Gegenteil: Eustress motiviert und steigert die Leistungsfähigkeit.
  • Aber aus einem Eustress kann mit der Zeit auch ein Disstress werden: Das ständige Einwirken von Belastungen, Überreizungen oder emotionalen Ereignissen kann vom Positiven ins Negative umschlagen. Und dann wird aus Eustress auf einmal Disstress.
    Disstress wirkt sich negativ auf Körper und Geist aus und ist auf Dauer gesundheitsschädlich. Wenn wir von Stress sprechen, dann ist meistens die negative Seite des Stresses gemeint.

Warnsignale: Wie wirkt sich Stress auf Körper und Psyche aus?

Stress an sich ist nichts Negatives. Wird Stress jedoch zur Dauereinrichtung, kann er krank machen. Die Auswirkungen von Stress auf unseren Körper und unsere Psyche sind vielfältig. Die häufigsten Warnsignale von Dauerstress sind Bluthochdruck, Verspannungen im Nacken, Herzrasen, Einschlaf- und/oder Durchschlafstörungen, aber auch der Tinnitus zählt zu den stressbedingten Folgeerscheinungen. Viele berichten von Panikattacken, Gereiztheit, einem ständigen Gefühl von Hilflosigkeit, Überforderung und einer ständigen Müdigkeit. Dazu kommt sehr oft auch eine hohe Anfälligkeit für Infektionskrankheiten.

Was Konstrukteure und Techniker stresst

Eine Umfrage unter Konstrukteuren und Technikern hat ergeben, dass

  • Termin- und Zeitdruck,
  • ständig wechselnde Prioritäten und
  • die wachsende Zahl an Aufgaben

die größten Stressfaktoren in dieser Berufsgruppe sind. Dazu kommen noch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und die Anforderungen der aktuellen Ereignisse, welche uns zusätzlich stark belasten.

Leidet man unter hohem Zeit- und Termindruck und hat dazu noch eine sehr hohe Anzahl an Aufgaben, ist es ratsam sich mit einem einfachen, aber effektiven Zeit- und Selbstmanagement-System wie Getting-Things-Done (GTD) zu beschäftigen. Dieses oder auch eines der vielen anderen Zeitmanagement-Systeme kann den Druck vom Kessel nehmen, weil man alles ordentlich strukturiert und dadurch alles im Blick hat, was helfen kann den Stress zu reduzieren.

Die Anforderungen heute sind vielfältig und tendenziell steigend.
Die Anforderungen heute sind vielfältig und tendenziell steigend.
(Bild: Frogella.stock - stock.adobe.com)

Notfall-Tipp, wenn es gerade richtig stressig ist:

Kleine Atemübung: Drei bis vier Sekunden tief durch die Nase einatmen und sechs bis sieben Sekunden ganz langsam durch den Mund ausatmen. Dauer der Übung: drei bis fünf Minuten. Sehr wichtig dabei ist, dass man sich voll und ganz auf das Zählen und die Atmung konzentriert.

Diese kleine und unauffällige, aber hocheffektive Übung kann man fast überall durchführen – im Bus oder der Bahn, im Wartezimmer beim Arzt oder in der Mittagspause.

Was von früher geblieben ist

Die Stressreaktion in unserem Körper stammt noch aus Urzeiten. In dieser Zeit war das Leben geprägt von Kampf und Flucht. Auf der Jagd war es wichtig, konzentriert zu sein und genügend Energiereserven für den Kampf zur Verfügung zu haben. Das Gleiche galt auch, wenn der Mensch etwa vor dem Säbelzahntiger flüchten musste. In diesen Situationen hat unser Körper dann in Sekundenschnelle über die Nebenniere u.a. das Stresshormon Adrenalin ausgeschüttet, um die Leistungsfähigkeit zu steigern: Blutdruck und der Herzrhythmus steigen und die Durchblutung in den Muskeln wird verstärkt. Gleichzeitig wird aber zum Beispiel das Immunsystem gehemmt. Dauert die Stresssituation länger an, wird zusätzlich noch Cortisol ausgeschüttet, welches die Wirkung von Adrenalin verstärkt und die Verdauung hemmt.

Zu Zeiten, als der Mensch als Jäger und Sammler unterwegs war, folgte auf Stresssituationen eine Ruhephase. Beides ist heute nicht mehr aktuell.
Zu Zeiten, als der Mensch als Jäger und Sammler unterwegs war, folgte auf Stresssituationen eine Ruhephase. Beides ist heute nicht mehr aktuell.
(Bild: Gorodenkoff - stock.adobe.com)

Doch unser Leben hat sich seither grundlegend verändert. Den Säbelzahntiger gibt es nicht mehr und unser Essen müssen wir auch nicht mehr selbst jagen. Was uns geblieben ist, ist die Stressreaktion in unserem Körper, die auch Bluthochdruck, Übergewicht und ständige Neigung zu Infektionskrankheiten erklärt.

Was tun, wenn der Stress kein Ende nimmt?

Es wird keine Welt ohne Stress geben, daher muss man daran arbeiten, die stressigen Situationen zu reduzieren bzw. die Widerstandskraft zu stärken.

  • Um dem Stress mehr Widerstandskraft entgegen setzen zu können, ist es wichtig, ausreichend zu schlafen.
  • Zudem wirken Bewegung und Sport (am besten im Freien) sehr effektiv für den Abbau der täglich anfallenden Stresshormone.
  • In stressigen Phasen greift man gerne auch mal zu etwas Süßem: Hier sind aber Nüsse und Obst die bessere Wahl, da Zucker unseren Körper noch zusätzlich belastet.

Grundsätzlich ist es wichtig, bei einer effektiven Stressbekämpfung einen ganzheitlichen Ansatz über die drei Bereiche des Stressmanagements zu wählen:

  • In den instrumentellen Bereich fallen Dinge wie Zeitmanagement, veränderte Arbeitsabläufe und/oder Anpassung der eigenen Systematik und Ordnung.
  • Im mentalen Bereich geht es hauptsächlich um die persönliche Einordnung von Stress-Situationen und die Arbeit mit Glaubensätzen (z.B. „Das habe ich noch nicht gekonnt!“ „Bei mir geht eh alles schief!“).
  • Im Fokus der regenerativen Stressbewältigung stehen Entspannungstechniken (Autogenes Training, Progressive Muskelrelaxation), Meditation, Yoga, sportliche Betätigung usw.

Während die ersten zwei Bereiche versuchen, Stressoren und stressverstärkende Dinge zu reduzieren, stärkt der dritte Bereich die Widerstandskraft gegen Stress und hilft, das Stresslevel zu reduzieren.

Tipp: Wird nur ein Bereich betrachtet, tritt sicherlich eine kurzfristige Besserung ein. Aber um einen nachhaltigen Effekt für die Gesundheit zu erzielen muss an allen drei Bereichen des Stressmanagements gearbeitet werden.

Darum ist die Stress-Prävention so wichtig

Früher folgte auf eine Kampf- oder Flucht-Situation meist zeitnah die Entspannung, sodass stressbedingte Hormone abgebaut wurden. In unserer Zeit sind Dauerstress und die fehlende Bewegung an der Tagesordnung. Deshalb brauchen wir einen Gegenpol, um vom Dauerstress nicht krank zu werden.

Für eine nachhaltige Stressbekämpfung empfiehlt es sich, Unterstützung von einem Stress-Präventions-Therapeuten oder Stressmanagement-Coach zu holen. Damit ist gewährleistet, dass alle Bereiche bedarfsgerecht bedient werden und die Stressbekämpfung effektiv und tiefgreifend ist.

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Erhöhte Aufmerksamkeit nötig

Effektiv ist ein Stressmanagement, wenn es präventiv angewendet wird. Ein Leben mit Dauerstress kann ernsthafte Folgen haben. Der viel zitierte Herzinfarkt, der Schlaganfall oder ein Burnout können die Folge sein. Daher wäre es wünschenswert, wenn bei den Führungskräften und Vorgesetzten eine erhöhte Aufmerksamkeit und Sensibilität auf diesem Thema läge, damit frühzeitig gegengesteuert werden kann.

Ein prophylaktischer Stressmanagement-Workshop jedes Jahr für die Mitarbeiter steigert die Achtsamkeit auf dieses immer wichtiger werdende Thema und hilft bei der Vorbeugung. Wenn man bedenkt, dass die Ausfallzeit eines Kollegen mit Burnout in der Regel mehr als sechs Monate beträgt und in vielen Fällen der Kollege nach der Rückkehr seinen alten Job gar nicht mehr ausfüllen kann, so sind die Kosten für ein jährliches Seminar verschwindend gering. Präventionsmaßnahmen im Bereich des betrieblichen Gesundheitsmanagements und ein Ausbau der Sensibilisierung von Führungskräften und Mitarbeitern sind somit der beste Schutz. Dazu spart Prävention Geld, Zeit und Ressourcen.

Über den Autor

Paul Giesinger ist seit 2021 als zertifizierter Stress- und Burnout-Coach für die Bereiche Karriere, Life und Beziehung tätig. Er unterstützt dabei, die steigenden Anforderungen in allen Lebenslagen gelassen zu meistern, Stress zu reduzieren und die Widerstandskraft zu stärken, damit der Fokus wieder auf der Qualität der Arbeit liegt und gleichzeitig mehr Zeit für Familie und Privatleben ist.

In einem kostenfreien Online-Erstgespräch stehen die aktuelle Situation, Erwartungen und Ziele im Fokus.

Weitere Infos dazu.

* Paul Giesinger ist zertifizierter Stress- und Burnout-Coach und zertifizierter Entspannungstrainer. Weitere Infos unter www.fit4stress-coaching.de.

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