Schienenverkehr China oder Japan – wer baut den schnellsten Zug der Welt?

In China baut man den auf Magneten levitierenden Super-Schnellzug Maglev bereits in Serie. Die Japaner sind in der Kommerzialisierung noch nicht so weit, haben aber einen Zug im Testlauf, der mit 603 km/h Höchstgeschwindigkeit 3 km/h schneller ist, als das chinesische Pendant. Ein Wettkampf um den schnellsten Zug der Welt.

Firmen zum Thema

China und Japan liefern sich derzeit einen Wettkampf um die Technologieführerschaft beim Schienenverkehr.
China und Japan liefern sich derzeit einen Wettkampf um die Technologieführerschaft beim Schienenverkehr.
(Bild: ©den-belitsky - stock.adobe.com)

China und Japan liefern sich einen Wettkampf um die Technologieführerschaft beim Schienenverkehr. Wer gerade die Nase vorne hat, ist ein wenig Ansichtssache und lässt Interpretationsspielraum. Der neue superschnelle Maglev-Zug, der am 20. Juli in der Küstenstadt Qingdao erstmals vom Band gerollt ist, sei „momentan das schnellste Landfahrzeug der Welt“, schreibt die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua.

Super-Maglev erreicht Geschwindigkeiten von bis zu 600 km/h

In Testläufen hat Chinas neuer Super-Maglev, entwickelt von der „China Railway Rolling Stock Corporation“, Geschwindigkeiten von bis zu 600 km/h erreicht. Das ist nur dann ein neuer Weltrekord, wenn man absichtlich die Konkurrenz in Japan übersieht, was den Chinesen aus historischen Gründen stets leicht fällt. Dort hat schon im Jahr 2015 ein neuer Maglev von JR Central die Geschwindigkeit von 603 km/h erreicht – bislang ebenfalls nur in einem Testlauf.

Bei der Kommerzialisierung der neuen Technologie, so könnte man argumentieren, haben nun die Chinesen ein kleines Stück weit die Nase vorn. Nicht nur wird ihr Maglev aus Qingdao nun als erster auf Magneten levitierender Super-Schnellzug in Serie gefertigt. Auch hat China schon seit dem 31. Dezember 2002 eine kommerzielle Maglev-Linie im Betrieb, die 29 Kilometer lange Strecke vom Flughafen Pudong bis fast in die Stadtmitte, deren Züge mit einer Höchstgeschwindigkeit von 430 km/h fahren.

Japan aber baut bereits an einer kommerziellen Strecke für seinen neuen, superschnellen 603-km/h-JR-Central Maglev. Der Bau der Chuo-Shinkansen-Maglev-Strecke zwischen Tokio und Nagoya, voller Tunnel und gut 285 Kilometer lang, befindet sich schon im Bau, ist allerdings im Zuge der Corona-Maßnahmen von der Regierung in Tokio wieder vorübergehend auf Eis gelegt worden.

Fest steht, dass sich momentan nur noch Japan und China ernsthaft um die Technologieführerschaft bei superschnellen Personenzügen bewerben.

USA und Deutschland spielen keine Rolle im Technologie-Wettstreit

Wer also hat da nun die Nase vorn? Vielleicht ist es ja gar nicht nötig, zum jetzigen Zeitpunkt einen Sieger in diesem Wettrennen auszurufen. Fest steht, dass sich momentan nur noch Japan und China ernsthaft um die Technologieführerschaft bei superschnellen Personenzügen bewerben. Weder die USA, wo einst die ersten Maglev-relevanten Patente angemeldet wurden, noch Deutschland, das China seinen ersten Maglev-Zug nach Shanghai geliefert hat, spielen in diesem Wettrennen gerade eine ernsthafte Rolle.

Allenfalls müsste man wohl noch Südkorea nennen, denn das ist das dritte und letzte Land des exklusiven Clubs, der zur Zeit eine kommerzielle Maglev-Strecke betreibt. Überall sonst auf der Erde hat man seine Maglev-Züge wieder stillgelegt, wie etwa auf der kurzen Strecke am Flughafen von Birmingham, wo immerhin ein paar Jahre lang Passagiere befördert wurden, oder am Flughafen von München, dessen Maglev schon wieder eingespart wurde, bevor er überhaupt das Licht der Welt erblicken konnte.

China treibt kommerzielle Maglev-Strecken voran

Japan und China also, und China demonstriert im Moment eindeutig den größten politischen Willen, diese ohne Frage kostspielige Technologie weiterzuentwickeln. In mindestens drei chinesischen Provinzen laufen konkrete Planungen für kommerzielle Maglev-Strecken, berichten chinesische Medien.

Chinas kommunistische Staats- und Parteiführung denkt und handelt holistisch, sieht in seinen Maglev-Strecken nicht nur isolierte Kostenstellen, sondern betrachtet solche Ausgaben auch als Investition in den Aufbau einer Zukunftstechnologie – oder, anders betrachtet – als vorübergehende Verluste auf dem Weg zur Technologieführerschaft beim Schienenverkehr. Später wird dann der Rubel rollen, glaubt man in China. „CRRC exportiert weltweit Züge, vor allem in Länder, die an Pekings „Belt & Road“-Initiative teilnehmen,“ schreibt die Wirtschaftszeitung Nikkei Asia.

Aus Pekinger Sicht ist hier also deutlich mehr im Spiel als ein paar Milliarden Entwicklungskosten oder die Millionen-Verluste, die das Prestige-Objekt in Shanghai jährlich einfährt. Die Parteiführung denkt nicht nur über einzelne Projekte, sondern sogar über die Maglev-Technologie insgesamt hinaus. In ihren Plänen soll das altbekannte Label „Made in China“ in der Zukunft nicht mehr nur mit Billigwaren assoziiert werden, sondern eben auch mit den schnellsten Personenzügen der Erde.

Schnellerer Maglev dank Hochtemperatur-Magnetschwebe-Technologie

Auch was die technologischen Routen betrifft, die für Maglev-Züge denkbar sind, hält sich China alle Türen offen. Der neue 600-km/h-Maglev aus Qingdao fährt mit normal-leitender, magnetischer Levitation. Gleichzeitig aber hat ein anderes chinesisches Team von der „Southwest Jiaotong University“ in Chengdu einen Maglev auf der Basis einer konkurrierenden Hochtemperatur-Magnetschwebe-Technologie entwickelt. Ein erster Prototyp ist im Januar fertig geworden und soll angeblich bis zu 620 km/h schaffen.

„China zählt nun weltweit zu den Spitzenreitern bei der Maglev-Technologie“, jubelte vor wenigen Tagen die der Kommunistischen Partei Chinas nahestehende Global Times in Peking. Soviel ist korrekt, ohne wenn und aber.

Über den Autor

*Henrik Bork, langjähriger China-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung und der Frankfurter Rundschau, ist Managing Director bei Asia Waypoint, einer auf China spezialisierten Beratungsagentur mit Sitz in Peking. „China Market Insider“ ist ein Gemeinschaftsprojekt der Vogel Communications Group, Würzburg, und der Jigong Vogel Media Advertising in Beijing.

(ID:47569856)