Kunststoff Biologisch abbaubarer Haarfestiger erobert Badezimmer 

Quelle: Fraunhofer ISC 2 min Lesedauer

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Haarsprays und Haarfestiger gehören zu den meistgenutzten Kosmetikprodukten weltweit – und leider auch zu den umweltproblematischen, denn die darin enthaltenen synthetischen Polymere sind biologisch nicht abbaubar. Das wollen Forscher am Fraunhofer ISC nun mit ihrer festigenden Haarspray-Variante auf Basis von Kieselsäure ändern.

Das mikroplastikfreie Haarspray sorgt für umweltfreundliches Styling.(Bild:  Fraunhofer ISC)
Das mikroplastikfreie Haarspray sorgt für umweltfreundliches Styling.
(Bild: Fraunhofer ISC)

Die meisten Haarsprays enthalten synthetische Polymere. Problem: sie sind biologisch nicht abbaubar, passieren Kläranlagen nahezu ungehindert und reichern sich als Mikroplastik in Gewässern, Böden und letztlich auch in der menschlichen Nahrungskette an. Während Haarpflegeprodukte wie Shampoos inzwischen oft ohne Silikone oder synthetische Emulgatoren auskommen, fehlen bei Haarstyling-Produkten bisher noch vollständig biologisch abbaubare Lösungen. Die marktführenden Haarfestiger setzen weiterhin auf umwelt-belastende Kunststoffe wie Polyvinylpyrrolidonderivate oder Polyacrylate kombiniert mit Tensiden, Filmverbesserern und UV-Schutz. Diese bilden nach dem Aufsprühen einen wasserunlöslichen Film auf dem Haar, der sich beim Duschen nur teilweise ablöst. Die Folge: beschwertes Haar mit weniger Volumen – und Mikroplastik im Abwasser.

Die Lösung: natürlicher Wirkstoff, neuartiger Mechanismus

Die Lösung: Gemeinsam haben Fraunhofer-Institut für Silicatforschung ISC und der Industriepartner IPPM Technologies GmbH  ein festigendes Haarspray auf Basis von Kieselsäure entwickelt, das vollständig biologisch abbaubar ist und in seiner Festigungsleistung mit etablierten Marktprodukten mithalten kann. Kieselsäure ist natürlicher Bestandteil unserer Umwelt. Sie kommt in Meeren und Böden vor und gelangt über Plankton und Pflanzen auch in unsere Nahrung. Sie ist weder toxisch noch schädlich, sondern wird sogar mit positiven Effekten wie Knochen- und Hautregeneration in Verbindung gebracht.

Technologischer Durchbruch: Kieselsäurevorstufen vernetzen direkt auf dem Haar

Anders als herkömmliche Produkte, die gelöste Kunststoffe enthalten, setzt die Neuentwicklung auf molekulare Vorstufen. Mithilfe eines speziell entwickelten Mikrowellenverfahrens synthetisierte das Projektteam sogenannte Silica-Cluster: chemisch vernetzte Kieselsäurevorstufen, die in einer auf natürlichen Inhaltsstoffen basierenden Formulierung lagerstabil in einer Sprühdose konfektioniert werden können.
Anders als bei herkömmlichen Produkten, bei denen die gelösten synthetischen Kunststoffe als Film auf dem Haar abgelagert werden, sorgen die molekularen Vorstufen erst beim Aufsprühen für eine augenblickliche Vernetzungsreaktion. So entsteht ein dünner, geschmeidiger Kieselsäurefilm direkt auf der Haaroberfläche und festigt das Haar. In normierten Vergleichstests erzielt das neue Produkt eine konkurrenzfähige, teils sogar überlegene Festigungswirkung gegenüber etablierten Marktprodukten. Die äußere Schuppenschicht des Haares wird geglättet, die Haaroberfläche wird gleichmäßiger und weniger Reibung entsteht. Dadurch fühlt sich das Haar gleichzeitig kräftig und geschmeidig an und gibt der Frisur den gewünschten Halt. Beim Waschen löst sich der Kieselsäurefilm vollständig auf und bildet natürliche, wasserlösliche Monokieselsäure, die das Trinkwasser nicht belastet und unbedenklich für die Umwelt ist. Da sich keine Rückstände auf dem Haar bilden, bleibt das natürliche Haarvolumen erhalten. 
Das umweltfreundliche Haarspray wird derzeit für die Abfüllung vorbereitet. Wenn alle Voraussetzungen erfüllt sind, kommt das Produkt bis Ende des Jahres 2026 auch auf dem Markt erhältlich sein.

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