Biokunststoff

Biokunststoffbeutel können Umweltbelastungen mildern

| Autor / Redakteur: Dr. Thomas Isenburg / Peter Königsreuther

Die Chemieindustrie steht in den Startlöchern für einen breiten Einsatz der kompostierbaren Beutel. Doch es gibt noch ein gewisses Diskussionspotenzial sowie Irrmeinungen, welche die breitflächige Einführung dieser „Umweltschoner“ verzögern.
Die Chemieindustrie steht in den Startlöchern für einen breiten Einsatz der kompostierbaren Beutel. Doch es gibt noch ein gewisses Diskussionspotenzial sowie Irrmeinungen, welche die breitflächige Einführung dieser „Umweltschoner“ verzögern. (Bild: BASF)

Seit gut einem Jahrzehnt beschäftigen sich die Experten aus der Industrie und Politiker mit dem Für und Wider von Biokunststoffen. Wie der Stand der Dinge heute ist und wo es noch Wissenslücken oder gar Falschinformationen gibt, zeigt folgender Beitrag.

Nachwachsende Rohstoffe sind ein interessantes und wertvolles Gut. Sie helfen, fossile Ressourcen einzusparen, und emittieren bei der Umwandlung unter Freisetzung von Energie, nicht unnötig Kohlendioxid. Allerdings sind die Herausforderungen komplex, denn beispielsweise Monokulturen aus Mais verschlimmern das Problem der Einschränkung der Biodiversität durch den Klimawandel nur. Deswegen können unsere Küchenabfälle ein Teil der Alternative bei der Sammlung von Biomasse, auch als Substrat für Biogasanlagen, sein.

Besseres Image für polymere Produkte gesucht

Auch Kunststoffe haben es heute nicht immer leicht. Ihnen haftet speziell durch ihre Verteilung in der Umwelt sowie die anschließende, oft jahrhundertelangen Verweildauer bisweilen ein negatives Image an. Die Branche sucht nach Beispielen, um sich positiver darzustellen. Eines dieser Produkte sind biobasierte und gleichzeitig bioabbaubare Kunststoffe.

Zu Beuteln verarbeitet können sie dazu dienen, Küchenabfälle in den Haushalten der Verbraucher einzusammeln. In der Branche sind sie unter dem Namen biologisch abbaubare Werkstoffe (BAW) bekannt. Die Herausforderung ist allerdings komplexer als es zunächst scheint, denn Verbraucher und Entsorger müssen die Beutel annehmen, auch muss eine belastbare Sammellogistik bestehen.

Demgegenüber stehen dann aber handfeste Vorteile: In Deutschland fallen etwa 13,6 Mio. t Bioabfall an, zumeist in den Küchen. Jedoch werden nur ungefähr 8,7 Mio. t pro Jahr kompostiert. Eine Umwandlung in Biogasanlagen ist ebenfalls möglich, denn diese Abfälle stellen ein wertvolles Substrat mit hohem Energiegehalt dar. Bislang wandern etwa 35 % der feuchten Bioabfälle in Müllverbrennungsanlagen. Hier haben sie aber wegen des geringen Brennwertes nur einen geringen Nutzen. Dabei haben etwa 65 Mio. Bürger die Möglichkeit, diese Abfälle in Biotonnen zu sammeln, um sie entweder einer energetischen oder stofflich höherwertigen Verwendung zuzuführen.

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Bio ist nicht gleich Bio, sagen Kritiker

Die Stadtreinigung Braunschweig hat die Biotonne eingeführt. Inzwischen werden pro Jahr 17.000 t Bioabfälle in einer Biogasanlage zu 1,2 Mio. m³ Biogas vergoren und aus dem Gärrest 5000 t Kompost hergestellt. Für die Küchenabfälle gäbe es einen Wegweiser, sagt Gerald Gaus vom Entsorger Alba Braunschweig GmbH: „Bezüglich der kompostierbaren Biobeutel geben wir den Braunschweiger Bürgern die Empfehlung, ihre Küchenabfälle möglichst in Zeitungspapier einzuwickeln. Auch spezielle Papierbeutel oder kompostierbare Biobeutel, zertifiziert gemäß EN 13432 und mit dem entsprechenden Symbol gekennzeichnet, können genutzt werden.“

Eine Einschätzung, die auch Tim Herrmann vom Bundesumweltamt teilt. Der wissenschaftliche Mitarbeiter des Bundesumweltamtes meint: „Viele kommunale Entsorger lehnen diese Beutel ab, andere empfehlen sie ihren Bürgern. Da unsere Empfehlungen bundesweit gelesen werden, sagen wir zu den Beuteln nichts, sondern empfehlen, sich an den kommunalen Abfallsatzungen beziehungsweise den veröffentlichten Sammelvorschriften vor Ort zu orientieren.“

In Niedersachsen ist man skeptischer

In Braunschweig steht man den Biobeuteln kritisch gegenüber. Denn „Bio“ ist mehrdeutig: Biobasiert ist nicht gleichbedeutend mit bioabbaubar. In der Öffentlichkeit wird dies oft nicht unterschieden, denn die europäische Norm EN 13432 sowie das Zeichen für Kompostierbarkeit sind kaum bekannt. Kompostierbar sind nur Beutel aus biologisch abbaubaren Werkstoffen. Hersteller dieser Beutel ist die BASF SE aus Ludwigshafen. Deren chemische Basis ist Milchsäure und der Rohstoff hierfür kann aus Mais gewonnen werden. Die Verantwortlichen bei der BASF meinen hierzu: „In Deutschland sind die Beutel nur für die Bioabfallsammlung zugelassen. Im EU-Ausland fördert der Gesetzgeber jedoch den Einsatz dieser Produkte in den Bereichen Obst- und Gemüsebeutel sowie für dünne Kunststofftüten.“ Die Ludwigshafener sind überzeugt von ihren Produkten und meinen: „Die Beutel sind vollständig biologisch abbaubar und erleichtern den Bürgern die Bioabfallsammlung.“

Das Unternehmen Novamont aus Italien stellt Beutel mit ähnlichen Eigenschaften aus Mais her. Auch im Handel sind fast ausschließlich die Beutel auf Maisbasis; diese werden aber nicht von Novamont direkt, sondern von Beutelherstellern produziert.

Eine Forschungseinrichtung, die sich des Themas angenommen hat, ist die Witzenhausen-Institut GmbH. Thomas Turk, Fachingenieur bei dem Unternehmen, meint: „Mit Zeitungen zum Einwickeln der Küchen- und Nahrungsmittelabfälle funktioniert das nur mit sehr motivierten Zeitgenossen. Doch gerade Küchen- und Nahrungsabfälle seien besonders energiehaltig, ihre Nutzung trägt zum Klimaschutz bei.“ Besonders bei mehrgeschossiger Bebauung könne die Erfassung dieser Bioabfälle durch den Einsatz von BAW-Beuteln um über 30 % gesteigert werden. Das hatten Versuche gezeigt, so Turk.

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