Biokunststoff

Biokunststoffbeutel können Umweltbelastungen mildern

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Viele Entsorger haben Wissenslücken

Eine Evaluierung von 315 Entsorgern, das heißt entsorgungspflichtigen Körperschaften, durch das Witzenhausen-Institut im Rahmen eines Projektes ergab, dass 139 davon die Nutzung von Kunststoffbeuteln jeder Art verbieten, 127 zeigten sich neutral und nur 49 empfehlen den Bürgern die Nutzung von Beuteln aus biologisch abbaubaren Werkstoffen. Konkrete Nachfragen, so Turk, haben gezeigt, dass es kaum oder falsche Kenntnisse über technische Details wie die Abbaubarkeit der BAW-Beutel in den Vergärungsanlagen gibt.

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Außerdem stellt sich in diesem Zusammenhang eine weitere Frage: Das Zertifikat DIN EN 13482 erhalten Hersteller von BAW, die unter den vorgeschriebenen Bedingungen abbaubar sind. Doch diese weichen vielfach von der Praxis der Entsorger ab und wurden auch nicht speziell für die dünnen BAW-Beutel vorgegeben. So werden die in der DIN geforderten zwölf Wochen sogenannte Rottezeit in der Praxis meist deutlich unterschritten. Jedoch ist jeder Bioabfallvergärung zwingend eine ausreichend intensive und lange aerobe Kompostierung nachgeschaltet, um das vorrangige Ziel der Kompostgewinnung zu erreichen. Der Prozess garantiert so auch den Abbau der BAW-Beutel.

Positive Signale aus der Politik

Turk hält Beutel aus BAW deshalb zu einem hohen Anteil in Bioabfall-Verwertungsanlagen für unproblematisch. Nachgewiesen sei auch, dass sich BAW nach der Aufbereitung noch im Boden weiter abbauten – anders als Polyethylen – auch wenn kleine Mengen nach den gängigen Gütekriterien erlaubt seien.

Die BAW-Beutel sind in ihrem Einsatz nicht unumstritten, doch bei angemessener Handhabung erfüllen sie ihren Zweck. Deswegen kommen auch aus dem Bundesumweltministerium positive Signale. Die Bundesumweltministerin der letzten Legislaturperiode, Barbara Hendricks, interessierte sich für das Thema und signalisierte damit den Stellenwert. So äußert die Sprecherin des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) Nina Wettern, auf Nachfrage zur Einschätzung des Ministeriums: „Bei Praxisversuchen in Bad Dürkheim und Berlin mit getrennter Sammlung der Bioabfälle aus privaten Haushalten in bioabbaubarem Kunststoffbeuteln und deren Zugabe in die Kompostierung hat sich tatsächlich gezeigt, dass sich die Biobeutel bei einer Kompostierdauer von etwa vier Wochen in großtechnischen Anlagen völlig abbauen.“

Erdölsubstitution hat Vorrang vor Düngewirkung

Jedoch schränkt das BMUB ein, dass zur Beurteilung die ökologischen Vorteile der Beutel nicht allzu relevant seien. Man führt an, dass der unter aerober Behandlung der BAW-Beutel verbleibende Rückstand im Hinblick auf eine bodenbezogene Verwertung gering und ohne Humuseigenschaften sei. Die abfallwirtschaftliche Verwertung als Düngemittel oder Bodenverbesserungsstoff bleibe deshalb zu bezweifeln. Das Ministerium betont, dass die saubere und hygienische Sammlung der Bioabfälle im Haushalt und in der Biotonne möglich ist – insbesondere bei sehr feuchten und nassen Bioabfällen, wie gekochten Speisen und Essensresten. Speziell letztere Bioabfälle seien energiereich und für die Vergärung sehr gut geeignet. Dem BMUB am Herzen liegt auch die Erdölsubstitution. Auch sollten die BAW-Kunststoffbeutel möglichst vollständig biobasiert und unter Beachtung von Nachhaltigkeitsaspekten hergestellt sein, um durch den Einsatz nachwachsender Rohstoffe fossile Ressourcen (Erdöl) zu schonen, so das BMUB.

Es zeigt sich einmal mehr, dass sich seit dem Einsetzen der Diskussion um Biokunststoffe vor etwa zehn Jahren die komplexe Auseinandersetzung um das Thema mit den so facettenreichen Werkstoffen geblieben ist. Inzwischen kristallisieren sich dabei außer Marketingargumenten Anwendungen heraus, die unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten zu deutlichen Vorteilen führen.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf unserem Partnerportal Maschinenmarkt.de.

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