Lieferketten Automobilzulieferer in der Klemme: IBU fordert mehr Dialogbereitschaft

Redakteur: Alina Hailer

Angesichts der wachsenden Spannungen in der Automobilproduktion aufgrund von hohen Stahlpreisen, Chipmangel und mangelnder Kommunikation der Autohersteller fordern mehrere Verbände, darunter auch der Industrieverband für Blechumformung, einen offenen Dialog, um Lieferketten nicht zu gefährden.

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Laut IBU-Geschäftsführer Bernhard Jacobs verkennen OEMs, dass es um die Existenzen von mittelständischen Zulieferunternehmen geht - und damit auch um die eigene Lieferkette.
Laut IBU-Geschäftsführer Bernhard Jacobs verkennen OEMs, dass es um die Existenzen von mittelständischen Zulieferunternehmen geht - und damit auch um die eigene Lieferkette.
(Bild: IBU)

Stahlpreise, Chipmangel und mangelnde Kommunikation der Autohersteller sorgen bei Zulieferern für eine neue Eskalationsstufe. Sie sitzen zwischen allen Stühlen: Ihre Vormateriallieferanten erwarten Mengenorder für 2022, nennen teilweise aber noch keine Preise. Ihre Kunden schweigen, ignorieren Gesprächswünsche und verschieben zudem kurzfristig Abrufe – aufgrund chipmangelbedingter Produktionsstopps.

Mitgliedsunternehmen des Industrieverbands für Blechumformung (IBU), des Industrieverbandes Massivumformung (IMU) und des Deutschen Schraubenverbandes (DSV) bezeichnen die Lage als toxisch. Die Verbände fordern dringend eine höhere Dialogbereitschaft der Automobilhersteller.

Mittelständler benötigen verlässliche Preis- und Mengenabsprachen

Laut IBU-Geschäftsführer Bernhard Jacobs verkennen OEMs, dass es um die Existenzen von mittelständischen Zulieferunternehmen geht - und damit auch um die eigene Lieferkette. Marktmächtige OEMs würden so ihre Position ausspielen.

Zulieferer stecken laut dem IBU dabei in einer immer schwierigeren Situation zwischen Vormateriallieferanten und OEMs. Die Stahlpreise sind hoch, Produzenten verdienen gut. Die Regierung unterstützt die EU-Marktabschottung, die den Import aus Drittländern einschränkt.

Umso wichtiger seien jetzt für die Planungssicherheit der Mittelständler verlässliche Preis- und Mengenabsprachen mit den Einkäufern ihrer Automotive-Kunden. Aber die Automobilhersteller kommunizieren nicht oder verschieben zudem kurzfristig Abnahmen mit dem Hinweis auf „höhere Gewalt“ in Form von fehlenden Halbleitern.

Dialog statt Schwarzmalerei

Das Beschaffungsrisiko für Stahl liegt nach Herstelleransicht beim Zulieferer. Dementsprechend liege das Beschaffungsrisiko laut Jacobs für Chips beim Automobilhersteller. Laut dem IMU-Geschäftsführer Tobias Hain spielen Kunden auf Zeit und gehen, wenn überhaupt, nur verspätet und anteilig auf berechtigte Forderung nach Preiserhöhung ein. Die Stornierung oder die Verschiebung von kurzfristig fälligen Einteilungen seitens der Kunden (OEMs, Tiers) führen für Mitgliedsunternehmen des DSV zusätzlich zu einem erheblichen Mehraufwand, so Hans Führlbeck, Geschäftsführer des DSV.

Jacobs und seine Kollegen setzen deshalb auf Dialog statt auf Schwarzmalerei: „Unser industrieller Mittelstand ist wettbewerbserprobt. Mit gesprächsbereiten Kunden – und Vormateriallieferanten – wird der Mittelstand alles dafür tun, die Lieferkette stabil zu halten.“

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