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Fahrzeugkonstruktion Auszubildende machen sich fit für Industrie 4.0

| Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Sandra Häuslein

„Industrie 4.0“ verändert die Berufsausbildung bei Volkswagen Nutzfahrzeuge. Das zentrale Zukunfts-Thema wird fester Bestandteil der Ausbildung am Standort Hannover (720 Auszubildende). Gestartet wurde jetzt in den Berufsfeldern Elektroniker für Automatisierungstechnik und Mechatroniker. Perspektivisch wird „Industrie 4.0“ in allen 11 Ausbildungsberufen Einzug halten.

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Volker Loebe (Projektleiter Digitalisierung in der Berufsausbildung für die deutschen Volkswagen Werke), Jürgen Jaskolla (Leiter für Fertigungsautomation), Walter Deterding (Betriebsrat Volkswagen Nutzfahrzeuge), Olaf Böker ( Leiter der Volkswagen Akademie Hannover), Rando Ballmann (Projektleiter) und Jannes Ditloff (23, li.) sowie Dennis Schwertfeger (21) beide Auszubildende Elektroniker für Automatisierungstechnik (3. Ausbildungsjahr) an der selbstgebauten Schalt-Tafel mit Komponenten für die Zentrale Anlagenüberwachung (v.l.n.r.).
Volker Loebe (Projektleiter Digitalisierung in der Berufsausbildung für die deutschen Volkswagen Werke), Jürgen Jaskolla (Leiter für Fertigungsautomation), Walter Deterding (Betriebsrat Volkswagen Nutzfahrzeuge), Olaf Böker ( Leiter der Volkswagen Akademie Hannover), Rando Ballmann (Projektleiter) und Jannes Ditloff (23, li.) sowie Dennis Schwertfeger (21) beide Auszubildende Elektroniker für Automatisierungstechnik (3. Ausbildungsjahr) an der selbstgebauten Schalt-Tafel mit Komponenten für die Zentrale Anlagenüberwachung (v.l.n.r.).
(Bild: VW Nutzfahrzeuge)

„Industrie 4.0“ bezeichnet allgemein die Informatisierung der Fertigungstechnik und der Logistik bei der Maschine-zu-Maschine-Kommunikation. Das Schlagwort steht aber auch für die Entstehung neuer Prozesse, Verfahren und Technologien.

Dr. Josef Baumert, Produktions- und Logistikvorstand Volkswagen Nutzfahrzeuge: „Durch immer schneller werdende technologische Entwicklungen und fortlaufende Digitalisierung in der Produktion haben wir einen steigenden Bedarf an Spezialisten in den Bereichen der Steuerung, Überwachung und Programmierung. Um diesen Bedarf zu decken, brauchen unsere Mitarbeiter künftig andere Qualifikationen und Kompetenzen. Also müssen wir bereits unsere Nachwuchskräfte in der Ausbildung auf dieses neue Anforderungs-Profil bestmöglich vorbereiten. Die neuen Ausbildungsinhalte sind ein wichtiger Schritt in diese Richtung.“

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Schlagworte: Condition Monitoring, 3D-Druck und RFID

Am Standort Hannover werden insbesondere diese neuen Inhalte gelehrt:

  • Condition Monitoring (Zentrale Anlagenüberwachung)
  • Virtuelle Inbetriebnahme (3D SPS Simulation)
  • 3D-Design und -Druck
  • Zukunftsorientierte Maschinenprogrammierung
  • RFID (Radio-Frequency Identification)
  • 3D-Umgebungs-Sensorik (Smart Cams)

Vor allem die Berufsfelder des Elektronikers für Automatisierungstechnik und des Mechatronikers profitieren von den neuen Inhalten der Ausbildung. Im Mittelpunkt stehen nicht nur das Einrichten und Instandhalten von Maschinen und Schaltanlagen, sondern auch das Programmieren und Steuern von automatischen Produktionseinrichtungen über komplexe Automatisierungsnetzwerke.

Produktionsbereiche in Echtzeit vernetzen

Insbesondere im Bereich Zentrale Anlagenüberwachung können die Auszubildenden simulieren, wie sie künftig in der Praxis arbeiten werden. Denn die Zentrale Anlagenüberwachung wird zurzeit im Werk Hannover eingeführt. Mit dem „Frühwarnsystem“ werden verschiedenste Produktionsbereiche in Echtzeit vernetzt.

Zudem erhalten völlig neue Lernformen Einzug in die Berufsausbildung:

  • Spielerisch Lernen („Quizzen“ und „Gamification“)
  • Auszubildende erstellen Videos zur eigenen Ausbildung
  • Online-Lernen als fester Bestandteil der Berufsausbildung
  • Lern-Communities werden zum Erreichen des Ausbildungsziels genutzt.

Volkswagen entwickelt in Kooperation mit dem Bundesinstitut für Berufsbildung Vorschläge für die zukunftsorientierte Ausrichtung der Berufsbildung in Deutschland. Dabei geht es um neue Inhalte für bestehende Ausbildungsberufe und um Ausbildungsgänge für neue Berufe.

Olaf Böker, Leiter der Volkswagen Akademie Hannover: „Wesentlicher Aspekt für Industrie 4.0 ist die schnelle und umfassende Verfügbarkeit von Wissen. Deshalb richten wir auch die Lernformen in der Ausbildung noch stärker auf die neuen Herausforderungen aus. Wir qualifizieren unsere Lehrkräfte gezielt hinsichtlich Medienkompetenz und verstärkter Einbindung digitaler Medien in den Ausbildungsprozess. Ich bin überzeugt davon, dass der fortlaufende, aktuelle Wissenstransfer ein Erfolgsfaktor für die Integration neuer Prozesse und Technologien in die Fabriken sein wird.“

Interdisziplinäre Fähigkeiten als Grundlage

Walter Deterding, Betriebsrat bei Volkswagen Nutzfahrzeuge und stellvertretender Sprecher des Bildungsausschusses, begrüßt die Initiative des Unternehmens, im Bereich der Ausbildung Aspekte von Industrie 4.0 zu integrieren. Der Betriebsrat betont auch, dass es „neben der Vermittlung von beruflicher Fachlichkeit“ zukünftig noch entscheidender sein werde, dass junge Auszubildende die Fähigkeiten eines ganzheitlichen Organisationsverständnisses erwerben. Deterding: „Der Veränderungsdruck auf Qualifizierung, Aufgaben und eigenes Kompetenzprofil wird die Auszubildenden von heute in ihrem gesamten Berufsleben begleiten. Interdisziplinäre Fähigkeiten bilden daher eine gute Grundlage für eine lernförderliche Arbeitsorganisation und die Befähigung zu lebenslangem Lernen.“

Neben einer zeitgemäßen Gestaltung von Ausbildungsinhalten sieht der Betriebsrat auch Möglichkeiten im Bereich von Weiterbildung: „Für Beschäftigte, die schon fest im Beruf stehen, wird es mit der Umsetzung von Industrie 4.0 Veränderungen in der Arbeitsgestaltung geben. Die Mitarbeitenden frühzeitig zu qualifizieren und mit ihnen gemeinsam technologische Veränderungen zu gestalten, wird für die Umsetzung von Industrie 4.0 erfolgsrelevant sein.“ (sh)

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